100 Orte in Belgien: Neues Buch im Grenz-Echo Verlag erschienen

<p>In dem neuen Buch gibt es auch ein Wiedersehen mit dem Brüsseler Wahrzeichen Atomium.</p>
In dem neuen Buch gibt es auch ein Wiedersehen mit dem Brüsseler Wahrzeichen Atomium. | Foto: Photo News

„100 Orte in Belgien“ versteht sich als Mischung aus Reiseführer und Sachbuch: „Ein Buch, in dem die Fakten und Zahlen in den Hintergrund gestellt beziehungsweise kaum erwähnt werden, sondern vielmehr das, was heute Trend ist. Wer liest schon noch ellenlange Abhandlungen über gotische Architektur und die komplizierten Geschichtszusammenhänge in Belgien?“, fragt Rolf Minderjahn. Dafür gebe es eigene Bücher.

„In meinem ist das Länderporträt eben auf eine besondere, wie ich finde originelle Art und Weise, anhand von Geschichten, Anekdoten, Besonderheiten, originellen Schauplätzen und charmanten Eigentümlichkeiten herausgestellt. Gepaart mit ausgesuchten Reisetipps, sodass man das, was man über Belgien in diesem Buch erfährt, auch vor Ort live sehen und genießen kann.“

Geheimtipps wie

der „blaue Wald“ südlich von Brüssel

Rolf Minderjahn reist seit 40 Jahren nach Belgien und kennt nach eigenen Angaben alle Ecken des Landes. „Ich schreibe jeden Tag über Belgien und die belgische Lebensart, aber ich muss gestehen, dass ich einige Sachen in diesem Buch selber noch nicht kannte und auch nicht alles besucht habe.“ Ein Beispiel sei der „blaue Wald“ (Hallerwald) südlich von Brüssel, „den ich vorher gar nicht kannte“. Solche Geheimtipps hätten das Schreiben auch so spannend gemacht. „Der Leser kann aber versichert sein, dass alles gut recherchiert ist und von einem absoluten Kenner des Landes beschrieben wird.“

Dass man in Belgien auch Deutsch spricht, erfährt man gleich zu Beginn. Alle wichtigen touristischen Ziele und Attraktionen des Landes könne man inzwischen auch in deutscher Sprache erkunden, hält Minderjahn fest: „Nach meinem Dafürhalten hat sich sehr viel zum Besseren geändert. Zumindest auf Anfrage für Gruppen wird im Großen und Ganzen eine deutsche Führung angeboten. Auch in vielen Museen ist die didaktische Beschilderung in Deutsch. Heute ist ja alles über audiovisuelle Dinge gesteuert, sodass eine zusätzliche Sprache eigentlich keine Probleme darstellt, und auch in Belgien und vor allem auch im frankofonen Landesteil umgesetzt wird.“ Ein gutes Beispiel dafür sei Lüttich. Für ein Buch über die „Cité ardente“ habe er viele deutschsprachige Führungen mitgemacht und Ausstellungen besucht.

Rolf Minderjahn hatte immer schon ein Faible für die französische Sprache und für das frankofone Lebensgefühl. „Da aber Frankreich für mich viel weiter weg liegt und aufwendiger zu bereisen ist als Belgien, habe ich mehr und mehr das französischsprachige Belgien für mich entdeckt.“ Daraus sei eine „wahre Leidenschaft“ geworden, die sich seit Langem auf ganz Belgien ausgedehnt habe. Rolf Minderjahn: „Belgien ist ein Land der Genießer, ein Land mit wunderschöner Architektur und Natur, und vor allem gibt es hierzulande ganz hervorragende natürliche regionale Produkte, wahre Delikatessen, die von leidenschaftlich arbeitenden kleinen Manufakturen und Betrieben auf einzigartige Weise hergestellt werden.“

Die Lebensart, die Gastfreundlichkeit und die Geselligkeit der Belgier seien ihm ans Herz gewachsen. „Mir scheint das Zusammenleben, die Solidarität in punkto Festlichkeiten, Folklore, Traditionen und Brauchtum oder sonntägliche Rituale in kultureller sowie in kulinarischer Hinsicht stressfreier oder einfach lockerer und authentischer zu sein als beispielsweise in Deutschland.“ Bekanntes und (für viele noch) Unbekanntes wird in dem neuen GEV-Buch präsentiert. Mehrere Kapitel sind dem Essen gewidmet. „Am besten schmeckt es aber zu Hause, wenn man sich der Leidenschaft des Kochens hingibt und nach Belgien auf die Märkte fährt, in die Lebensmittelläden, Supermärkte, die hervorragenden kleinen Einzelhandelsläden oder bei den Erzeugern selbst, um sich belgische Produkte von hervorragender Qualität einzukaufen. Ein Fest für jeden Genießer“, findet Rolf Minderjahn.

Gleich drei Stationen beschäftigen sich mit der Stadt Charleroi, die sich für den Autor zum neuen Trend-Reiseziel gemausert hat. „Charleroi ist so besonders, weil Charleroi eigentlich keiner kennt, das heißt, man weiß eigentlich nicht so richtig, ob die Stadt wirklich so dreckig und so heruntergekommen ist, wie man hin und wieder liest, oder ob sie nicht doch Anzeichen von Neuerungen, von Avantgarde, von Auferstehen aus dem verdreckten Kohlezeitalter bereithält, ähnlich wie Lüttich und Mons“, so Rolf Minderjahn.

Charleroi: Eine graue Maus mausert sich

zum Trend-Reiseziel.

Es gebe durchaus Anzeichen, vor allem im Bereich Kultur, die neugierig machten. „Selbst großen deutschen Tageszeitungen ist die Stadt eine Reportage wert, und dies nicht im Hinblick auf ihre Verruchtheit.“ „Street Art“ und Kunst im öffentlichen Raum seien hier durchaus „trendy“. Charleroi sei da zumindest in Belgien führend. „Hier werden Hunderte Meter lange Wände von Industriebauten als Kunstflächen genutzt. Sogar die alte Metro wird touristisch vermarktet.“ Für ihn seien das alles Anzeichen dafür, dass Charleroi spannend ist und noch spannender wird. Zudem das Umland, die Provinz Hennegau, eine Region, die er sehr schätze, weil sie wunderschöne Weltkulturerbe-Stätten und Naturstätten bereithalte, die man mit einer Stadtbesichtigung verbinden könne.


Rolf Minderjahn, „100 Orte in Belgien“, erschienen im Grenz-Echo Verlag (GEV), 2020; ISBN: 978-3-86712-153-8

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