Die Gemeinde Baelen muss gerade über eine Umweltgenehmigung für vier Brunnenbohrungen entscheiden. Die wallonische Gesellschaft „Cold Water“ möchte mit diesem Wasser eine Lachsfarm versorgen, die in der Industriezone „East Belgium Park“, auf dem Gebiet der Gemeinden Eupen und Baelen, geplant ist. Dort sollen künftig bis zu 1.200 Tonnen Lachs pro Jahr in riesigen Containern gezüchtet werden. Um den enormen Wasserbedarf der Farm zu decken, sollen Brunnen mit 40 Zentimeter Durchmesser und einer Tiefe von bis zu 200 Metern gebohrt werden. Laut Angaben der Gesellschaft haben die vier Brunnen zusammen eine Produktionskapazität von 150 Kubikmetern pro Stunde, heißt es in einer Pressemitteilung von Ecolo. Das würde bedeuten, dass die Lachsfarm bis zu 3,6 Millionen Liter pro Tag entnehmen könnte. Ingrid Rosenstein, Co-Präsidentin von Ecolo Ostbelgien und diplomierte Biologin, erklärt: „3,6 Millionen Liter, das entspricht dem täglichen Verbrauch von 28.800 Personen. Wenn man bedenkt, dass die Gemeinden Eupen und Baelen zusammen rund 24.400 Einwohner zählen, wird einem bewusst, wie gigantisch diese Mengen sind. Sollte das Unternehmen tatsächlich so viel Wasser entnehmen, würde der Grundwasserspiegel der gesamten Gegend um mehrere Meter fallen. Das ist besonders problematisch, weil sich in der Umgebung knapp 30 Wasserentnahmestellen befinden. Dort könnte der Wasserstand um bis zu acht Meter sinken.“ Anne Kelleter, Ecolo Regionalabgeordnete im Wallonischen Parlament, fügt hinzu: „Die dramatische Trockenheit vergangenen Sommer hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Trinkwasser achtsam umgehen sollten. Die Grundwasserspeicher konnten sich trotz des Regens in den letzten Wochen noch nicht wieder erholen. Das Risiko, dass sich die extreme Trockenheit in den nächsten Jahren wiederholt, ist groß und daher fragen wir uns, ob es in so einer kritischen Situation wirklich sinnvoll ist, große Brunnen zu genehmigen, die unsere Grundwasserreserven in Gefahr bringen könnten.“
Neben den Umweltrisiken spiele für Ecolo Ostbelgien auch der Tierschutz in dem Dossier eine Rolle. Ingrid Rosenstein: „Jeder Bürger sollte sich die Frage stellen, wie die Tiere in so einer Zucht groß werden. Lachse brauchen Platz und Bewegungsfreiheit. In freier Wildbahn legen sie bis zu 4.000 Kilometer zurück, um aus dem Meer hin zu den Plätzen zu kommen, wo sie ihre Eier ablegen. In der Zucht müssen sich zwei bis drei Lachse einen Kubikmeter Wasser teilen. Das führt bei den Tieren zu Stress und Aggressivität. Laut Studien stirbt rund einer von vier Lachsen in der Zucht. Die hohe Dichte an Tieren bedeutet außerdem, dass das Wasser schnell verschmutzt – daher auch der hohe Wasserbedarf.“ Ecolo Ostbelgien wünscht sich, dass sich die Gemeindeverantwortlichen eingehend über die möglichen Folgen informieren, die eine industrielle Zucht mit sich bringt und ihre Entscheidung im Sinne des Allgemeinwohls treffen. Für die Grünen sei es inakzeptabel, dass die Umwelt und das Tierwohl den Preis für billige Nahrungsmittel bezahlen sollen. (red/sue)

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