Bei den Kirmesfeierlichkeiten in Hergenrath hat sich am späten Sonntagnachmittag ein dramatischer Unfall zugetragen. Der vor der Kirche postierte traditionelle Kirmesbaum hatte sich aus der Bodenverankerung gelöst und war umgekippt. Dabei fiel er auf einen jungen Mann, der schwer verletzt nach einer Erstversorgung vor Ort ins Aachener Klinikum eingeliefert wurde. Am Montagmorgen zeichnete sich dann ab, dass das Opfer Glück im Unglück hatte. Es konnte das Krankenhaus wieder verlassen – wenn auch mit mehreren Rippenbrüchen und einer Verletzung der Wirbelsäule.
„Alles in allem hat er Riesenglück gehabt“, äußerte sich Kirmesorganisator Max Munnix am Montag auf Nachfrage des GrenzEcho zu dem Unfall. Das Opfer gehört wie er zum Kreis des Hergenrather Kirmeskomitees, das die beliebte Dorfveranstaltung plant und ausrichtet. Das Unglück hatte sich kurz vor 17 Uhr ereignet. „In der Nähe des Kirmesbaums wurde gerade ein Spiel im Zuge des Rahmenprogramms durchgeführt, als plötzlich jemand Achtung schrie“, erinnert sich Max Munnix. Millisekunden später traf der herabstürzende Kirmesbaum den 23-Jährigen am Rücken.
Auf dem Hergenrather Kirmesgelände hielten sich zum Zeitpunkt des Unfalls, kurz vor 17 Uhr, zahlreiche Menschen auf. Allerdings wurde den meisten Besuchern die Tragweite des Unfalls erst bewusst, als Polizei und Notdienste anrückten. Das Umkippen des Kirmesbaums neben der Kirche hatten die meisten zunächst nicht wahrgenommen.
Wie der meterhohe Stamm überhaupt ins Wanken geraten konnte, ist bislang noch unklar. „Wir können weder dementieren noch bestätigen, dass es sich um einen Unfall oder eine Manipulation handelt“, erklärte der Sprecher der Polizeizone Weser-Göhl, Eric Hellebrandt, dem GrenzEcho auf Nachfrage. Gleichwohl soll nun genau dieser Frage nachgegangen werden, zumal nicht alle notwendigen Sicherheitsverankerungen am Unfallort vorgefunden werden konnten. Konkret soll der Stift, der den Bolzen der Halterung zusammenhält, nicht mehr befestigt gewesen sein. Ihn zu entfernen, sei sicherlich „nicht besonders schwierig“, weiß Max Munnix.
An Spekulationen diesbezüglich möchte er sich jedoch ausdrücklich nicht beteiligen. „Klar ist aber auch, dass wir im nächsten Jahr in Sachen Kirmesbaumbefestigung nachbessern werden, damit so etwas nicht noch einmal passieren kann“, stellt er klar.
Ob Fremdverschulden oder nicht: Die Justiz will beiden Spuren nachgehen. Allerdings bestätigte die Eupener Staatsanwältin Melanie Schäfer dem GrenzEcho auch: „Es sieht aktuell eher nach einem Unfall aus. Weil aber eine Person zu Schaden gekommen ist, werden wir uns die Sache etwas genauer anschauen.“ Inwiefern eine detaillierte Rekonstruktion des Unfalls möglich sein wird, hänge jedoch wesentlich davon ab, ob Zeugen der Tat ausfindig gemacht werden könnten, so die Staatsanwältin.
Und wenngleich das Hergenrather Kirmestreiben am Wochenende zwischenzeitlich von dem Unfall überschattet wurde, entschieden sich die Organistoren nach gründlicher Überlegung dafür, den letzten Tag des Volksfest am Montag wie angedacht durchzuziehen. Ohne Kirmesbaum wohlgemerkt. Ohnehin muss für 2023 ein neues Exemplar angeschafft werden. Der „Unglücksbaum“ ging nämlich am Sonntag buchstäblich in die Brüche.

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