Affenpocken „früher oder später“ auch in Ostbelgien

<p>Die WHO hatte den Affenpocken-Ausbruch zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Das DG-Ministerium rechnet auch in Ostbelgien mit Fällen.</p>
Die WHO hatte den Affenpocken-Ausbruch zu einer „Notlage von internationaler Tragweite“ erklärt. Das DG-Ministerium rechnet auch in Ostbelgien mit Fällen. | Illustration: Imago

Die Krankheit trat ursprünglich hauptsächlich in den Waldgebieten Zentral- und Mittelafrikas auf und wurde von dort nur in Ausnahmefällen durch Reisende nach Europa gebracht. Seit Mai 2022 verzeichnen die Gesundheitsbehörden jedoch zunehmend Fälle von Affenpocken innerhalb Europas, die nicht auf Reisen zurückzuführen sind.

Seit dem Beginn der Aufzeichnung im Mai sind bis zum 18. Juli 2022 in Belgien 393 Personen an Affenpocken erkrankt, davon 218 in Flandern, 133 in Brüssel und 42 in der Wallonie, teilte das Ministerium mit. In den Niederlanden wurden den Angaben zufolge 818 infizierte Personen gemeldet, davon 25 in Niederländisch-Limburg. In Nordrhein-Westfalen verzeichnet man bisher 488 und in Rheinland-Pfalz 30 infizierte Personen. Laut WHO sind derzeit 98 Prozent der infizierten Personen männlich. „Betroffen sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben und häufig den Partner wechseln. Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr sind sowohl die ärztliche Abklärung von Symptomen als auch die Information enger Kontaktpersonen im Falle einer Erkrankung von Bedeutung. Zudem ist das Ergreifen von Vorsichtsmaßnahmen grundlegend“, so das Ministerium.

Vorherrschende Symptome seien Hautausschlag mit körperlichen Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und geschwollenen Lymphknoten. Der Hautausschlag entwickelt sich demnach häufig ein bis drei Tage nach Beginn des Fiebers zuerst im Gesicht und breitet sich dann auf andere Teile des Körpers aus. Dieser Ausschlag könne sich von Flecken hin zu Erhebungen, Bläschen, Krusten und Schorf entwickeln und von Entzündungszeichen begleitet und schmerzhaft sein. „Bei den in Europa verzeichneten Fällen verlief die Krankheit bisher milde. Die meisten Menschen erholten sich innerhalb von einigen Wochen. Im afrikanischen Raum beobachtet man allerdings eine erhöhte Sterblichkeit bei Kindern und jungen Erwachsenen“, so das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Affenpockenvirus werde derzeit als „sehr hoch“ eingestuft, insofern es zu engem Kontakt oder Sexualkontakten mit infizierten Personen kommt. Die Übertragung finde zum Beispiel durch Haut-zu-Haut-, Mund-zu-Mund-, und Mund-zu-Haut-Kontakt sowie durch sexuelle Aktivitäten statt. Außerdem könne eine Übertragung durch kontaminiertes Material erfolgen, wie zum Beispiel durch Bettwäsche oder Essgeschirr einer infizierten Person. Bei Verdacht auf eine Infektion ist man dazu angehalten, seinen Arzt zu kontaktieren und die Diagnose abklären zu lassen. Patienten mit bestätigter Infektion müssten zum Schutz ihres Umfeldes bis zur vollständigen Ausheilung Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Dies erfolge nicht zuletzt durch die Information des unmittelbaren Umfeldes und der Sexualpartner über das Vorliegen der Erkrankung.

Unterdessen hat EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides wegen der Ausbreitung der Affenpocken einen Brandbrief an die zuständigen Minister der EU-Staaten geschickt. Die Europäische Union sei das Epizentrum entdeckter Fälle, heißt in dem Schreiben vom Mittwoch, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Es ist keine Zeit für Selbstzufriedenheit, und wir müssen weiter zusammenarbeiten, um den Ausbruch zu kontrollieren.“ Es sei unter anderem wichtig, dass die EU-Staaten solide Systeme zur Überwachung der Lage und zum Melden neuer Fälle hätten. Daran habe es zu Beginn der Corona-Pandemie gefehlt, schreibt Kyriakides. Eine effektive Kontaktnachverfolgung sowie gegebenenfalls Isolation könnten zudem dabei helfen, den Ausbruch zu kontrollieren. Am wichtigsten sei aber wohl die öffentliche Kommunikation über Risiken. Diese solle verstärkt werden, „insbesondere um das Bewusstsein zu schärfen - ohne Panik oder Stigmatisierung zu verursachen“. Die derzeitigen Fälle konzentrierten sich zwar auf Männer, die Sex mit Männern hätten. Diese Gruppe solle jedoch nicht schikaniert oder ausgegrenzt werden. Kyriakides warnt zudem, dass es das Risiko einer weiteren Übertragung auf andere Gruppen wie Kleinkinder, Schwangere oder immungeschwächte Personen gebe. „Prävention ist das stärkste Mittel, das wir haben.“ Zudem verweist die Zypriotin auf die Verfügbarkeit medizinischer Gegenmaßnahmen. Schon jetzt seien aus dem EU-Budget mehr als 160.000 Dosen Impfstoff des Unternehmens Bavarian Nordic gesichert worden. Weitere Käufe des Impfstoffs sowie des Medikaments Tecovirimat würden vorbereitet. (red/dpa/sc)


Infos zum Selbstschutz, zur Krankheitserkennung und zu den erforderlichen Maßnahmen findet man auf www.ostbelgienlive.be/gesundheit. Darüber hinaus wird empfohlen, sich bei Fragen zum Affenpocken-Virus an den Hausarzt zu wenden.

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