Mollers: „Ressourcen müssen gebündelt werden“

<p>DG-Minister Harald Mollers: „Ich lasse mich lieber nach der Krise dafür kritisieren, dass wir mit unseren Maßnahmen viel zu weit gegangen sind, als mir selbst vorwerfen zu müssen, wir hätten uns nicht rechtzeitig vorbereitet.“<br />
Foto: David Hagemann</p>
DG-Minister Harald Mollers: „Ich lasse mich lieber nach der Krise dafür kritisieren, dass wir mit unseren Maßnahmen viel zu weit gegangen sind, als mir selbst vorwerfen zu müssen, wir hätten uns nicht rechtzeitig vorbereitet.“ Foto: David Hagemann


Was ist der Hintergrund der „Not-Kinderbetreuung“, die ab Montag gelten wird?


Die Betreuungszahlen in den verschiedenen Standorten der Außerschulischen Betreuung sind in dieser Woche drastisch zurückgegangen. An vielen Standorten wird entweder zeitweise gar kein Kind mehr betreut oder nur noch vereinzelte Kinder. Zudem befinden sich mehrere Kinderbetreuerinnen derzeit im Krankenurlaub, sodass an einigen Stellen Personalengpässe entstanden sind. Gleichzeitig müssen wir uns auf eine drastische Verschärfung der allgemeinen Situation vorbereiten: Die Krankenhäuser, Pflegedienste und Pflegezentren für Senioren bereiten sich auf eine deutlich zunehmende Anzahl von Patienten vor. Dort wird voraussichtlich jede helfende Hand dringend gebraucht werden. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, die verfügbaren Personalressourcen an fünf Standorten zu bündeln und die Öffnungszeiten an diesen verbleibenden Standorten deutlich zu erweitern, um vor allem dem medizinischen Personal den Rücken in den nächsten Wochen freizuhalten.


Wie wird das Regionalzentrum für Kleinkindbetreuung (RZKB) das managen? Und wie wird das finanziert?


Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft finanziert das Ganze, abgesehen von den üblichen Elternbeiträgen. Das RZKB stand von Anfang an hinter der Idee und hat ohne Zögern innerhalb weniger Stunden tatkräftig daran gearbeitet, dieses neue Betreuungskonzept auf die Beine zu stellen und umzusetzen. Dafür bin ich dem RZKB sehr dankbar. Die Leute dort leisten wirklich eine hervorragende Arbeit.

Gibt es Vermutungen,

inwiefern das Angebot in Anspruch genommen wird?


Wir haben seit Montag, also seit der Aussetzung des Unterrichtes und der Mitteilung, dass Kinder nicht durch ihre Großeltern betreut werden sollten, von einer Reihe von Pflegekräften die Mitteilung bekommen, dass vor allem die Betreuung der Kinder früh morgens und spät abends nun zum echten Problem wird. Fast alle Pflegekräfte arbeiten im Schichtdienst und greifen bis dato gerne auf die Großeltern der Kinder zurück, da bislang keine anderen Betreuungsstrukturen zum Beginn der Frühschicht oder bis zum Ende der Spätschicht geöffnet waren. Die Großeltern stehen nun nicht mehr zur Verfügung, weil sie besonders geschützt werden sollen. Daher glaube ich, dass etliche Familien auf das erweiterte Angebot zurückgreifen werden. Wie viele genau das sein werden, lässt sich noch nicht sagen. Ich denke, dass sich das in den kommenden Wochen auch noch entwickeln wird, je nachdem, wie dramatisch die allgemeine Lage wird. Wichtig ist, dass wir für den absoluten Ernstfall vorbereitet sind, auch wenn der – hoffentlich – noch vermieden werden kann. Ganz ehrlich: Ich lasse mich lieber nach der Krise dafür kritisieren, dass wir mit unseren Maßnahmen viel zu weit gegangen sind, als mir selbst vorwerfen zu müssen, wir hätten uns nicht rechtzeitig vorbereitet.


Die Betreuung in den Schulen wird weiterhin bestehen bleiben. Gibt es bisher Rückmeldungen, wie viele Schüler den Schulen fern bleiben?


An diesem Freitag wurden an allen Schulen in der DG genau 62 Kinder betreut. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 12.171 Schülerinnen und Schüler nicht mehr zur Schule kommen und zuhause betreut werden. Ich bin sehr froh darüber, dass die Eltern in dieser Situation so mitziehen. Da darf man auch den Eltern mal ein großes Lob aussprechen, die sich teilweise unter schwierigsten Voraussetzungen anders organisieren mussten. Ich bin dankbar, dass in dieser schwierigen Zeit so viel Solidarität gezeigt wird. Auch die Schulleiter und Lehrer leisten übrigens vielerorts Großartiges: Da werden den Schülern Arbeitspakete vorbereitet und zugestellt, kreative Lösungen entwickelt, damit die Schüler die freie Zeit in den nächsten Wochen sinnvoll nutzen können. Das ist wichtig, da wir ja nicht abschätzen können, wie lange diese Ausnahmesituation noch anhalten wird.


Die Entscheidung, die Schulen zu schließen, ist umstritten. Was meinen Sie?


Aus epidemiologischer Sicht halte ich die Entscheidung für richtig. Wenn wir die Ausbreitung des Virus verlangsamen wollen, müssen wir alle sozialen Kontakte drastisch reduzieren. Und gerade in den Schulen kommen ja tagtäglich viele Menschen zusammen, deshalb müssen auch die schulischen Einrichtungen mithelfen. Es geht ja weniger darum, die Kinder und Jugendlichen vor dem Virus zu schützen, sondern zu vermeiden, dass das Virus über die verschiedenen sozialen Gruppen an andere weitergegeben wird und dann schlussendlich bei den Risikogruppen landet, die im Ernstfall intensive medizinische Hilfe brauchen. Wenn das zu schnell geht, dann schaffen unsere Krankenhäuser das nicht mehr. Aus virologischer Sicht gibt es unterschiedliche Sichtweisen: Die einen plädieren für eine Schließung der Schulen aus den genannten Gründen, andere stellen mittlerweile in Frage, ob und in welchem Maße das Virus überhaupt von Kindern an Erwachsene weitergegeben wird. Wenn sich die Experten nicht einig sind, hat man als politisch Verantwortlicher keine Wahl. Dann müssen wir maximale Vorsichtsmaßnahmen treffen, um die Bevölkerung zu schützen und unser Gesundheitssystem zu entlasten, so weit es geht. Dazu stehe ich, auch wenn das viele Fragen aufwirft und drastische Konsequenzen hat.

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