„Neben dem Händewaschen ist Kommunikation das wichtigste Instrument gegen das Coronavirus.“ Ingrid Mertes, Direktorin der Klinik St. Josef St.Vith, ist entschieden, jegliche Veränderung im Alltag des Krankenhauses, flächendeckend mitzuteilen. Beim Blick in die Zukunft sagt sie: „Wir bereiten uns auf einen Marathon vor.“
Wohl wichtigste Maßnahme ist seit Freitagmorgen die Einschränkung der Patientenbesuche. Die neue Regelung besagt, dass zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter, maximal ein Besucher pro Patient und pro Tag erlaubt ist. Wie Netzwerkkoordinatorin Isabel Meyer betont, soll es nicht darum gehen, sich abzuwechseln: „Die Familien sollen sich vorher absprechen, wer den Patienten an diesem Tag besucht und es dabei belassen.“ Ein gänzliches Besuchsverbot habe man aber nicht aussprechen wollen, denn „ein Angehöriger an der Seite tut gut“.
Auch die Besuchszeiten wurden angepasst: Die Bettenhäuser sind für Außenstehende lediglich noch zwischen 16.30 Uhr und 20 Uhr zugänglich. Mit Ausnahme der Intensivstation, wo Besuche nur von 13 bis 14 Uhr und von 18 bis 19 Uhr erlaubt sind.
Entsprechende Schilder weisen die Bevölkerung an den Eingängen der Klinik darauf hin.
Personen, die Symptome wie Halsschmerzen, Husten oder Fieber aufweisen, sollten von Patientenbesuchen absehen. Ebenso sind Kinder nicht gestattet, damit diese erst gar nicht als Träger des Virus infrage kommen. Außerdem geht die Empfehlung hinaus, dass immungeschwächte und ältere Personen, Patienten keinen Besuch abstatten sollen. Wichtig ist auch, dass ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten wird und die Hände beim Betreten und Verlassen desinfiziert werden. Der ärztliche Direktor Dr. Erik Hahnloser appelliert an „den gesunden Menschenverstand“ und baut auf eine Einhaltung der veranlassten Regeln. Unterdessen hat die Krankenhaus- und Augustinerinnenvereinigung ihren Besuchs- und Lotsendienst vorerst eingestellt.
An der programmierten Aktivität wird festgehalten, heißt: Die Sprechstunden werden wie vereinbart eingehalten. Wer einen Termin hat, sollte jedoch alleine erscheinen und nur wenn erforderlich, auf eine Begleitperson zurückgreifen. Ingrid Mertes hierzu: „Im Zweifelsfall sollte immer telefonisch Kontakt aufgenommen werden. Wenn eine Person einen Röntgentermin hat, sich aber erkältet fühlt, sollte sie diesen aus Respekt vor den fragilen Mitbürgern absagen. Wer uns Bescheid gibt, bekommt die Dienstleistung auch nicht in Rechnung gestellt.“
Sollte die Zahl der Infektionen in die Höhe schnellen, wäre es nicht auszuschließen, dass sich die Klinik ab einem gegebenen Zeitpunkt auf ihre prioritären Aufgaben fokussiert, so die Direktorin. Im Normalfall sei bereits nicht ausreichend Personal vorhanden, somit sähe die Situation zu Krisenzeiten nicht besser aus. Wird die Lage ernster und die Personaldecke dünner, könnte die Klinik zu beispiellosen Mitteln greifen.
Auch wenn eine Umsetzung nicht bevorsteht, seien entsprechende Überlegungen bereits getätigt worden. Etwa könnten die Schüler des dritten und vierten Jahres der Krankenpflegeschule zur Unterstützung gerufen werden. Ebenso Pensionäre, allerdings würde sich bei ihnen das Problem stellen, dass sie der Risikogruppe angehören.
Eine besondere Maßnahme wird ab Montag für die Pädiatrie greifen. Diese wird vom Untergeschoss des Krankenhauses in das Haus Breuer, welches sich hinter der Klinik befindet, ziehen. Die Arbeitsmedizin wird den umgekehrten Weg gehen. Dr. Hahnloser, selbst Kinderarzt, spricht von einer Entscheidung, die „zur allgemeinen Beruhigung beiträgt“, weil rund 80 Prozent der jungen Patienten mit Fieber in die Pädiatrie kommen. „Auf diese Weise halten wir sie aus dem Hauptgebäude heraus.“ Auch erinnert der Mediziner nochmal daran, die Großeltern nicht mit der Kinderbetreuung zu beauftragen.
Auf materieller Ebene ist die Klinik St. Josef noch gut ausgestattet, bestätigen die Gesprächspartner. Die Krankenhäuser hätten am Donnerstag ihren Bedarf mitgeteilt, damit Kollektiveinkäufe getätigt werden können. Auch würde sich die Netzwerkarbeit der letzten vier Jahre im Verbund mit dem CHC und dem Eupener St. Nikolaus Hospital bezahlt machen. Jeden Morgen würde eine Telefonkonferenz mit allen Beteiligten stattfinden. Dabei stehe nicht das Potenzial des einzelnen im Vordergrund. Es sei immer die Rede vom „wir“.
Das Material wird bewusst aus den Zimmern ferngehalten.
Das Krankenhauspersonal hat die Direktive erhalten, jegliches Material aus den Zimmern zurückzuziehen, um eventuellen Diebstählen vorzubeugen. Bei der Ausstattung einer Hygieneschleuse habe es ein Mitarbeiter zu gut gemeint und diese mit gutem Willen großzügig ausgestattet. „Im Endeffekt war es die Bestätigung, das alles offen liegengelassenes Material mitgenommen wird“, erklärt Dr. Hahnloser, während Ingrid Mertes ohne Umschweife ergänzt, dass jeder Diebstahl geahndet wird. „Es war nie ein Kavaliersdelikt und wird es in diesen Zeiten noch weniger sein.“
Abschließend konnten die Gesprächspartner vermelden, dass es zu keinem weiteren positiven Befund gekommen sei. 18 Abstriche seien zum Referenzlabor nach Löwen geschickt worden. Neun sind negativ, einer ist wie berichtet positiv und in acht Fällen wird das Resultat abgewartet.

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