OECD warnt wegen Virus vor drohender Rezession

<p>Der Generalsekretär der OECD, José Angel Gurria: Die vom Coronavirus ausgelöste Epidemie drückt nach Einschätzung der Organisation auf die Weltkonjunktur.</p>
Der Generalsekretär der OECD, José Angel Gurria: Die vom Coronavirus ausgelöste Epidemie drückt nach Einschätzung der Organisation auf die Weltkonjunktur. | Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa

Von einer Rezession sprechen Ökonomen, wenn die Wirtschaft in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Vierteljahren schrumpft. „Wir sind sehr vorsichtig“, schränkt die OECD-Expertin mit Blick auf die Vorhersagen ein. Eines ist aber für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bereits klar: Die Ausbreitung der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Epidemie drückt aufs weltweite Wirtschaftswachstum. Die Frage lautet nur, wie stark. Bei einem Szenario, das einen vergleichsweise begrenzten Ausbruch außerhalb Chinas zugrunde legt, nimmt die OECD ein Wachstum von noch 2,4 Prozent an - das ist ein halber Prozentpunkt weniger als zuletzt vorhergesagt. Im Vorjahr hatte die Wirtschaft weltweit noch um 2,9 Prozent zugelegt. In Italien, das besonders unter der neuen Gesundheitskrise leidet, wird die Wirtschaft der neuen Vorhersage zufolge stagnieren. Falls der Ausbruch des neuartigen Coronavirus länger dauere und den asiatisch-pazifischen Raum, Europa und Nordamerika breit erfasse, seien noch deutlichere Auswirkungen zu befürchten, befürchtet die OECD. In diesem Fall könnte das weltweite Wachstum 2020 auf 1,5 Prozent sinken. Bei diesem Negativ-Szenario ist dann auch eine Rezession in wichtigen Wirtschaftsräumen wie der Eurozone oder Japan möglich. Falls sich Covid-19 deutlich stärker in Ländern der südlichen Hemisphäre ausbreite, sei noch ein stärkerer Einbruch möglich - dieser wurde aber von Chefökonomin Boone nicht beziffert. Angesichts der Lage sollen Staaten jetzt handeln, appelliert die OECD. „Fügt nicht zur Gesundheitskrise noch eine Finanzkrise hinzu“, meinte Boone.

Die EU-Kommission jedenfalls erwägt wegen der Coronavirus-Krise Konjunkturmaßnahmen. „Heute ist die Zeit klarzustellen, dass die EU bereit ist, alle verfügbaren Politikoptionen zu nutzen - falls und wenn sie nötig sind -, um unser Wachstum vor den Risiken des Abschwungs zu schützen“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni in Brüssel. Die Lage sei schwieriger als noch vor wenigen Wochen gedacht. Auch könnte es sich als zu optimistisch erweisen, von einer raschen wirtschaftlichen Erholung auszugehen. Gegenmaßnahmen einzelner EU-Staaten würden wohlwollend geprüft, ergänzte Gentiloni. Er bezog dies auch auf die Ankündigung Italiens, trotz hoher Verschuldung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm aufzulegen. Die italienische Regierung plant ein Hilfspaket für die durch den Coronavirus-Ausbruch zusätzlich angeschlagene Wirtschaft in Höhe von 3,6 Milliarden Euro.

Die OECD-Expertin sieht auch die Zentralbanken in der Pflicht. Es gilt aber als fraglich, wie weit geldpolitische Unterstützung in der Corona-Krise überhaupt helfen kann. Denn das Hauptproblem liegt nicht im Finanzsystem, sondern in der Realwirtschaft: Weil in China große Teile der Wirtschaft stillstehen und sich das Virus auf weitere Länder ausbreitet, sind die internationalen Produktions- und Lieferketten gestört. Dennoch versuchen die großen Notenbanken, der nervösen Stimmung an den Märkten etwas entgegenzusetzen.

Nachdem die US-Notenbank Fed am Freitag ihre geldpolitische Handlungsbereitschaft signalisiert hatte, zogen am Montag die Zentralbanken Großbritanniens und Japans nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab sich zurückhaltender: Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau sagte, man sei wachsam und vorbereitet, dürfte aber nicht die Ruhe verlieren.

Rufe nach mehr internationaler Zusammenarbeit werden laut. Die OECD regt eine gemeinsame Botschaft des G20-Clubs an, der große Industrie- und Schwellenländer vereinigt. Ziel sollte es dabei sein, mehr Vertrauen zu schaffen - das ist in der Tat nötig, denn in der vergangenen Woche waren die Börsen auf Talfahrt gegangen. (dpa)

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