Für mich, als Nichtpolitiker, hat Frau Weykmans Mut bekundet; sie hat Farbe bekannt, den liberalen Standpunkt: Religion ist Privatsache, keine öffentliche Angelegenheit. Meines Erachtens muss die Debatte auf dieser Ebene geführt werden: Ist Religion (jenseits von Inhalten, Konfessionen, Kirchen) ein Phänomen, das den Menschen schlechthin angeht oder ist es Geschmacksache? Ist der Mensch religiös veranlagt oder ist er ein neutrales Wesen? Mir ist wichtig zu wissen, wie Politiker zu dieser Frage stehen, zu welchem Menschenbild sie sich in dieser Frage bekennen, wenn es um den Religionsunterricht geht, d.h. wenn Religion sich in der Öffentlichkeit bekundet; ich meine damit nicht, dass sie sich zu einer Religion oder Konfession bekennen müssen, aber ich möchte wissen, wie sie das Phänomen Religion einstufen. Sich nur auf die Verfassung zu berufen ist zu wenig, ist rein formalistisch. Von Frau Weykmans weiß ich das nun. Danke für diese Klarheit! Herr Franssen hat es für mich nun auch deutlich bekundet: Religion ist gesellschaftlich wichtig, gehört in die Öffentlichkeit. Seiner Begründung stimme ich 100% zu: „Der liberale, demokratische Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ (Ernst-Wolfgang Böckenförde – deutscher Verfassungsrichter und Staatsrechtler). Über diese Voraussetzungen muss in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Dazu bietet der schulische Religionsunterricht ganz sicher einen (wenn auch nicht den einzigen) Rahmen. Wie er dann gestaltet wird, wie offen er für die verschiedenen Bekenntnisse ist, wie tolerant er ist, ist dann Aufgabe der Religionspädagogen.
Bravo Herr Jérôme Franssen und Bravo Frau Isabelle Weykmans!
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