„Ich erwarte nichts Sensationelles“, sagte Uhl der Deutschen Presse-Agentur. Die Geschichte zum Zweiten Weltkrieg sei weitgehend erforscht, meinte der Experte am Deutschen Historischen Institut in Moskau. Putin hatte angekündigt, jenen, die das Andenken an den Sieg der Sowjetunion über Hitler vor 75 Jahren in den Schmutz ziehen sollten, das „Schandmaul“ zu stopfen - mit Hilfe von Dokumenten aus den Archiven.
Vor allem stört sich Russland an Äußerungen aus Polen und an einer Resolution des Europaparlaments, die der Sowjetunion eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geben. Hintergrund ist der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt von 1939. Mit dem so bezeichneten Hitler-Stalin-Pakt hatten die beiden Diktatoren vor Beginn des Kriegs Polen unter sich aufgeteilt. Erst hatte Deutschland Polen angegriffen, dann die Sowjetunion.
„Es ist ganz klar, dass Deutschland die Hauptschuld trägt. Auf dem deutschen Konto stehen fünf Millionen polnische Opfer, auf dem der Sowjetunion etwa 100 000“, sagte Uhl. Zugleich meinte er, dass der wieder aufgeflammte Streit zwischen Warschau und Moskau um den Krieg zu nichts führe. „Er wird jeweils politisch für nationale Interessen genutzt – auch in Russland, wo die Erinnerung an den großen Sieg bis heute die große Klammer ist, die die Gesellschaft und die Generationen zusammenhalten soll.“
Bei der Schulddebatte sei im Grunde auch die Rolle Frankreichs und Großbritanniens zu hinterfragen, sagte Uhl. Polen habe sich auf die beiden Verbündeten damals nicht verlassen können.
Russland erinnert in dieser Woche an den 75. Jahrestag der Jalta-Konferenz, wo die Alliierten im Kampf gegen Hitler damals die Weltordnung für das Kriegsende im Mai festlegten.
Russland habe sich es teils selbst zuzuschreiben, dass es sich angegriffen fühlt in seiner Rolle als Siegermacht, sagte der Historiker. „Russland tut international zu wenig für das eigene Geschichtsbild.“ Russische Historiker hätten vor allem das eigene Land im Blick, sagte Uhl. Sie hätten es aber versäumt, mit Veröffentlichungen etwa auf Englisch zur Quellenvielfalt und breiteren Geschichtswahrnehmung beizutragen. (dpa)


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