Hetzjagd und Fahnenverbot: Klimaprotest bei Pukkelpop zieht weite Kreise

Diese Aufnahme zeigt Anuna De Wever im Mai bei einer Protestaktion in Brüssel – damals ging alles friedlich zu. Ganz anders gestaltete sich die Situation beim diesjährigen Pukkelpop-Festival.
Diese Aufnahme zeigt Anuna De Wever im Mai bei einer Protestaktion in Brüssel – damals ging alles friedlich zu. Ganz anders gestaltete sich die Situation beim diesjährigen Pukkelpop-Festival. | Foto: belga

Politische Botschaften haben auf einem Musikfestival einen schweren Stand. Das durfte am späten Donnerstagabend auch Anuna De Wever am eigenen Leib erleben. Die junge Klimaaktivistin hatte auf der Bühne eines Festzelts versucht, die Besucher für die Aktion „Clap for Climate“ zu begeistern. Ein Unterfangen, das kläglich scheiterte. Anstatt fünf Minuten lang für eine bessere Klimapolitik zu klatschen, wurde die 18-Jährige von einem Großteil der anwesenden Festivalgänger ausgebuht – und das ist für Bram Spruyt, Soziologe an der Freien Universität Brüssel, nicht wirklich verwunderlich: „Ein Festival ist ein Ort, an dem viel getrunken wird und vor allem junge Leute mal gerne über die Stränge schlagen. Außerdem weiß Anuna, dass sie Aufmerksamkeit erregt und vor allem immer wieder Rechtsgesinnte aufs Tapet ruft“, äußerte er sich gegenüber der Tageszeitung „Het Laaste Nieuws“.

Für Kommunikationsexperte Fons Van Dyck war das Vorhaben von Anuna De Wever von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Denn die meisten Besucher eines Festivals wollen schließlich Musik hören und sich nicht für irgendwelche politischen Botschaften – egal welcher Natur – instrumentalisieren lassen. Und wenn jemand auf der Bühne mobilisieren kann, dann „sind es nur die Künstler selbst“, so Van Dyck.

„Das Wichtigste ist, dass die Botschaft Menschen erreicht hat.“

Anuna De Wever ließ im Anschluss aber nicht den Kopf hängen. Im Gegenteil. „Auf jedem Festival gibt es unterschiedliche Reaktionen. Es gab Applaus, aber auch Buhrufe. Das Wichtigste ist aber, dass die Botschaft Menschen erreicht hat“, gab die Teenagerin, die hierzulande als die Galionsfigur der Bewegung „Youth for Climate“ gilt, bekannt.

Bei einigen Festivalbesuchern traf die junge Klimaaktivistin mit ihrer Aktion einen äußerst wunden Punkt und avancierte damit zum perfekten Feindbild, auf das Jagd gemacht wurde – und wie. Nach Angaben von „Knack“-Journalist Jeroen de Preter‏ wurden Anuna De Wever und ihre Begleitungen auf dem Campinggelände nicht nur verbal, sondern auch physisch angegriffen. „Junge Männer drohten, sie zu töten, bewarfen sie mit Flaschen voller Urin und zerstörten ihr Zelt. Sie genießt jetzt den Schutz des Sicherheitsdienstes“, teilte er via Twitter mit.

Flaggenverbot ausgerufen: Organisatoren greifen durch

Der Eklat hatte kurz darauf ein spezifisches Fahnenverbot zur Folge. Denn wie diverse Augenzeugen berichteten, wurden die Klimaschützer von Leuten schikaniert, die Flaggen mit dem Löwen von Flandern trugen. Soweit eigentlich kein Problem, wären da nicht die schwarzen Krallen des Wüstenkönigs gewesen – auf der offiziellen Flagge sind sie übrigens rot –, die laut Veranstalter Rechtsextremismus sowie die Kollaboration mit dem Dritten Reich suggerieren. „Und so etwas ist hier absolut fehl am Platz“, kommentierte ein Pukkelpop-Sprecher das Verbot.

Rechts ist der offizielle Löwe der flämischen Flagge zu sehen, links das Tier mit schwarzen Krallen, das auf Pukkelpop verboten wurde.
Rechts ist der offizielle Löwe der flämischen Flagge zu sehen, links das Tier mit schwarzen Krallen, das auf Pukkelpop verboten wurde.

Der Fraktionschef der N-VA, Peter De Roover, konnte die Maßnahme überhaupt nicht nachvollziehen und holte zum Rundumschlag aus. In einem offenen Brief, den der 57-Jährige unter anderem auf Facebook veröffentlichte, kritisierte er die Festivalverantwortlichen um Strippenzieher Chokri Mahassine für ihre Interpretation der schwarzen Krallen und forderte sie auf, sich öffentlich zu entschuldigen. Laut De Roover sei es historisch gesehen auch einfach falsch, die schwarzen Krallen als Verbindung zum Nazi-Regime zu deuten.

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Kommentare

  • Dank an Herr Lübke, Dank an das GrenzEcho, das nenne ich umfassende und objektive Information der Leserschaft. Mit diesen Informationen kann jeder Leser sich selbst eine Meinung zu den Geschehnissen bilden.

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