Ishak Belfodil hat die Fußball-Romantik „lange verloren“

<p>Ishak Belfodil im Standard-Trikot</p>
Ishak Belfodil im Standard-Trikot | Foto: Photo News

Ab und zu kickt Ishak Belfodil immer noch mit seinen alten Freunden in Elancourt. Dabei gilt der Pariser Vorort nicht unbedingt als idealer Platz für Freizeitaktivitäten. Gewalt, Drogenhandel und Kriminalität in jeder Fasson sind in der 25.000 Einwohner zählenden Banlieue an der Tagesordnung. Den Torjäger des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim zieht es dennoch immer wieder an den Ort seiner Jugend zurück. „Die Kinder aus dem Viertel und ich haben ständig Fußball gespielt, wir hatten viel Spaß. Auch wenn es dort Leute gab, die aufgrund von Armut, Arbeitslosigkeit und fehlender Perspektive auf dumme Gedanken gekommen sind.“

Dennoch lebt der „Clan“ des gebürtigen Algeriers mit den drei Schwestern und zwei Brüdern nach wie vor in Elancourt. Die Familie will aus dem arabisch und afrikanisch geprägten Ort nicht weg. Und auch der TSG-Profi ist nach wie vor gerne gesehen. „Wenn ich zurückkomme, bin ich kein Star“, betonte Belfodil. Die alten Kumpels „freuen sich für mich, dass ich es geschafft habe“, äußerte der 27-Jährige.

Um den Durchbruch zu schaffen, ging Belfodil früh auf Reisen. Mit 16 Jahren brach er zu einer Odyssee auf. Lyon, Bologna, Parma, Mailand, Abu Dhabi, Lüttich, Bremen - das waren die Stationen des Stürmers, bevor er in Hoffenheim landete und einen Vertrag bis 2022 unterschrieb. 5,5 Millionen Euro hat die TSG im vergangenen Sommer für Belfodil an Standard Lüttich überwiesen, zuvor hatten die „Rouches“ den Stürmer an Werder ausgeliehen. Heidelberg ist die aktuelle Heimat von Belfodil, der mittlerweile fünf Sprachen spricht.

Doch wohin Belfodil in der Vergangenheit auch immer reiste - der Antrieb für die Anstrengungen lag immer in Elancourt. „Ich wusste, dass ich außerhalb meines Viertels das Doppelte leisten muss, um die gleichen Chancen zu haben“, sagte der wuchtige Angreifer, für den mittlerweile 15 Saisontore zu Buche stehen: „Hinzu kommt, dass man nicht nur an sich denkt, sondern an die ganze Familie.“

Und obwohl sich Belfodil bei der TSG „sehr wohl“ fühlt, hält er deshalb nichts von Treueschwüren: „Es ist normal, dass man sich mit jedem Angebot auseinandersetzt“, gab der algerische Nationalspieler zu Protokoll: „Die Fußball-Romantik habe ich schon lange verloren.“ (sid)

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