Meakusma-Festival gibt erste Namen bekannt

Wie immer treffen während drei Tagen Welten aufeinander, wenn in einem Kontext zwischen konzentrierter Hörsituation und der Körperlichkeit moderner Clubmusik musikalisch Möglichkeiten und Ideen ausgelotet werden. Musik als Spiegel der Utopie, wie es der Philosoph Ernst Bloch ausgedrückt hat. Und auch in diesem Jahr wird der Kern des Festivals um neue Aspekte erweitert. Dass es neben den musikalischen Darbietungen auch Künstlergespräche, Installationen und Filmvorführungen geben wird, hat sich etabliert. In diesem Jahr kommt es dabei zu einer Ausweitung der Programmpunkte, die außerhalb des Festivals stattfinden.

Lockeres Ambiente, intensives und vielfältiges Programm

Sind viele der Namen einem vertrauten Szenepublikum bekannt, handelt es sich dennoch meist um Künstler, die in der öffentlichen Wahrnehmung rund um die geläufige Sommer-Festivalwelt kaum Platz finden. Die Künstler des Meakusma-Festivals operieren in einem Feld, in dem altbekannte musikalische Codes und vertraute Klänge zwar durchaus vorkommen, jedoch meist als Ausgangspunkt für den Entwurf möglichst persönlicher und origineller, bisweilen radikaler Klangkonstruktionen genutzt werden. Genreunterteilungen spielen dabei eher keine Rolle. Innerhalb kürzester Zeit ist es möglich, auf tanzbare Clubmusik, moderne Klassik, zeitgenössische Experimentalmusik, vernebelte Dub-Entwürfe oder avancierte Rockmusik zu stoßen. Das familiäre und lockere Ambiente bildet dabei einen gewollten Kontrast zum intensiven Programm. So gelingt es, trotz aller Ambitionen in der Programmgestaltung einen Rahmen zu schaffen, der unangestrengt und einladend ist. So wird das Festival nicht nur für Szenekenner zum Genuss, sondern richtet sich an alle, die Lust auf ein Festival der etwas anderen Art haben.

Erstmals in diesem Jahr wird es nicht nur am Sonntag tagsüber Konzerte in der Kirche geben, sondern auch bereits am Samstagabend. Die Konzerte können zudem als Einzelveranstaltung besucht werden. Mit Roy Montgomery & Grouper konnte für den Samstag eine ganz besondere Performance an Land gezogen werden, nicht zuletzt, weil es sich um das erste gemeinsame Konzert der Künstler handelt. Nach mehreren gemeinsamen Produktionen werden Montgomery und Grouper alias Liz Harris einige Tage vor dem Festival anreisen und während einer Künstlerresidenz in Brüssel intensiv zusammenarbeiten. Beide Künstler besitzen eine eingeschworene Fan-Gemeinschaft, die ihren seltenen Konzerten in Europa entgegenfiebert. Der neuseeländische Komponist und Gitarrist Montgomery hat seit den 1980ern eine cineastische Mischung aus Folk, Post-Rock und Avantgarde entwickelt, die Anleihen von The Velvet Underground oder auch Wire durchscheinen lässt, sich aber auch klassischen SingerSongwriter-Strukturen bedient. So coverte er für seine aktuelle Platte auf dem belgischen Okraina Records den Leonard Cohen Song „Last Year's Man“.

Liz Harris aus den Vereinigten Staaten wuchs in einer spirituellen Gemeinde auf, die sich auf die Lehren des Philosophen und Mystikers George Gurdjeff berief. Vielleicht kommt daher die transzendente Wirkung ihrer Musik. Ihre ersten Veröffentlichungen waren schnell vergriffen und über Jahre heiß begehrte Objekte auf den einschlägigen Plattenbörsen im Internet. Die Wiederveröffentlichung eines großen Teils ihrer Musik hat ihr Schaffen einem weltweit wachsenden Publikum zugänglich gemacht. Harris spielt nur ausgewählte Konzerte an besonderen Orten – wie etwa bei ihrer achtstündigen Performance im Rahmen der CTM in Berlin – was ihr Erscheinen beim Meakusma-Festival umso besonderer macht.

<p>Der New Yorker Künstler und Komponist Charlemagne Palestine arbeitete bereits mit John Cage und Andy Warhol zusammen.</p>
Der New Yorker Künstler und Komponist Charlemagne Palestine arbeitete bereits mit John Cage und Andy Warhol zusammen.
Der New Yorker Künstler und Komponist Charlemagne Palestine spielte bereits in den 50ern mit dem Beat-Poeten Allen Ginsberg. Später arbeitete und verkehrte er mit weiteren legendären Künstlern des 20. Jahrhunderts wie John Cage oder Andy Warhol. Sein Werk – sowohl als bildender Künstler als auch Musiker – wurde unter anderem im Centre Pompidou und auf der Dokumenta in Kassel präsentiert. Mit dem Pianostück „Strumming Music“ war er Teil der ersten Minimal Music Bewegung rund um Terry Riley, Steve Reich, La Monte Young und Philip Glass.

DJs, Soundsystem und Gorillaz-Sängerin

Mit Eli Keszler und Chris Corsano sind zwei der gefragtesten Schlagzeuger der Improvisations- und freien Jazzszene zu Gast in Eupen. Keszlers Spiel ist auffallend detailliert, mit fast mikroskopischen Soundfetzen, die Schlagzeug und Elektronik verbinden. So komplex seine Kompositionen auf konzeptueller Ebene sind – Kessler ist nicht nur Musiker sondern auch Künstler, der Soundinstallationen in Museen wie dem Moma in New York errichtet – bleibt das Resultat doch erfrischend zugänglich. Chris Corsano, der mit Mick Flower im Duo spielt, ist ebenfalls ein technisch brillanter Schlagzeuger, der seine Zuhörer in seinen Sets durch geballte Energie buchstäblich atemlos macht. Sein Ruf als bester Schlagzeuger seiner Generation erreichte auch Björk, die ihn für die Aufnahme des Albums Volta und die anschließende Tournee engagierte.

<p>Der in Los Angeles lebende Komponist Tashi Wada bekommt u.a. Verstärkung von Julia Holter und Corey Fogel.</p>
Der in Los Angeles lebende Komponist Tashi Wada bekommt u.a. Verstärkung von Julia Holter und Corey Fogel.
Albert Oehlen ist am bekanntesten für seine Gemälde und Skulpturen. 2015 erhielt Oehlen, ebenso wie Kanye West, die Ehrendoktorwürde des School of the Art Institute of Chicago, 2000 gestaltete er ein Monumentalmosaik für die Weltausstellung in Hannover und er hat eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf inne. Doch auch musikalisch ist Oehlen kreativ und mit einem intelligenten Sinn für Humor unterwegs. Er spielt im Trio mit dem Schweizer Improvisationsmusiker und ausgezeichneten Filmkomponisten Norbert Möslang sowie dem Musiker und Künstler Luke Calzonetti.

Der Hamburger Felix Kubin vermischt in seiner Musik Einflüsse von Neuer Deutscher Welle, Hörspiel- und Filmmusik und zeitgenössischer Klassik. Gemeinsam mit Hubert Zemler präsentiert er eine audiovisuelle Welt basierend auf bekannte Science-Fiction-Klassiker.

Ben UFO darf auch in diesem Jahr nicht fehlen. Er lässt es sich nicht nehmen, einige seiner Lieblingskünstler einzuladen sowie auch selber ein DJ-Set zu spielen. Moderne Dub-Exkrusionen gibt es von 7FO & Tapes sowie Disrupt, wie immer am Samstagnachmittag auf einem Dub-Soundsystem an der Außenbühne. Dort spielt auch Miho Hatori live. Als Cibo Matto veröffentlichte sie in den 90ern gemeinsam mit Yuka Honda zwei erfolgreiche Alben auf Warner Music. Als Teil der New Yorker Kunstszene rund um John Zorn und Sean Lennon, machten sie in der MTV-Welt Furore, arbeiteten eng mit Yoko Ono zusammen und landeten in der Time Magazine Liste der „Best Hip Hop Albums of All Time". Hatori sang zudem auf dem ersten Gorillaz Album die Figur „Noodle“ und ist auf drei Songs der Beastie Boys zu hören. Beim Festival spielt Hatori solo.

Eröffnet wird das Programm am Freitag durch den Spanier Don The Tiger, der kubanischen Bolero, traditionelle spanische und südamerikanische Musik sowie elektronische Elemente vermengt.

Weitere Entdeckungen kann man auf der Dublab-Stage im Heuboden machen. Das Ikob und die Galerie vorn und oben beheimaten Performances zwischen Kunst und Musik. Der Garten des Kulturzentrums Alter Schlachthof dient als Camping, kulinarische Oase und einladender Ort zum Verweilen. Das Goethe Institut Brüssel ist wie immer Partner des Festivals.

Weitere Kollaborationen für Meakusma gibt es mit ReiheM aus Köln, Les Ateliers Claus, KRAAK und Meeuw aus Brüssel sowie Musica aus Neerpelt. (red)

Tickets kosten im Vorverkauf 75 Euro für drei Tage. Infos, Tickets und Programm: www.meakusma-festival.be.

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