Ein palästinensischer Raketenangriff auf ein Haus nördlich von Tel Aviv hat die Sorge vor einer neuen Eskalation der Gewalt bis hin zu einem neuen Gaza-Krieg geschürt. Israel machte die im Gazastreifen herrschende Hamas am Montag verantwortlich für den Angriff, bei dem auch kleine Kinder verletzt wurden. Die Armee werde weitere Truppen in die Nähe des Palästinensergebiets am Mittelmeer verlegen, kündigte eine israelische Militärsprecherin an.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will wegen der Eskalation seine US-Reise abkürzen und direkt nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückkehren. „Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel, und wir werden mit Nachdruck reagieren“, kündigte er an. Der Angriff erfolgte inmitten des Wahlkampfes vor der israelischen Parlamentswahl am 9. April.
Eine aus Rafah im südlichen Gazastreifen abgefeuerte Rakete habe das Haus in der Gemeinschaftssiedlung Mischmeret direkt getroffen, sagte die Armeesprecherin am Montag. Nach Angaben von Sanitätern wurden sieben Menschen verletzt.
Darunter waren auch drei Kinder – ein Baby, ein dreijähriges Kleinkind und eine Zwölfjährige. Das Gebäude wurde bei dem Einschlag weitgehend zerstört.
Der Familienvater erzählte dem israelischen Fernsehen, die Familie sei nach dem Heulen der Alarmsirenen in einen Luftschutzraum gerannt. Nicht alle hätten es jedoch bis zum Einschlag geschafft. „Wir stehen alle unter Schock.“
Politiker des rechten Lagers und der Opposition kritisierten, Netanjahu gehe nicht hart genug gegen die Hamas vor. Israels Energieminister Juval Steinitz, Mitglied von Netanjahus Sicherheitskabinett, sagte der Nachrichtenseite „ynet“: „Es kann sein, dass die Hamas die Rakete absichtlich geschossen hat, um Regierungschef Netanjahu vor den Wahlen bloßzustellen.“
Die Partei Die Neue Rechte warf Netanjahu nach dem Raketenangriff eine Beschwichtigungspolitik im Gaza-Konflikt vor: „Man muss ehrlich sagen: Netanjahu ist gegenüber der Hamas gescheitert.“
Dabei hatte Netanjahu vor dem Treffen mit Trump gerade einen außenpolitischen Erfolg verzeichnen können. Der US-Präsident hatte am Donnerstag angekündigt, die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet anzuerkennen. Es wurde damit gerechnet, dass er am Montag ein entsprechendes Dekret unterschreiben könnte. Trumps Vorstoß wurde in Israel als Trumps „Wahlgeschenk“ an Netanjahu gesehen.
Nach dem neuen Raketenangriff aus dem Gazastreifen will Israel zwei Brigaden – Infanterie und Panzer – in die Nähe des Palästinensergebiets verlegen. Außerdem solle eine begrenzte Anzahl von Reservisten in verschiedenen Einheiten für spezifische Aufgaben einberufen werden, sagte eine Armeesprecherin. Es handele sich um eine von der im Gazastreifen herrschenden Hamas selbst hergestellte Rakete. Sie habe eine Reichweite von rund 120 Kilometern. „Wir sehen die Hamas als verantwortlich für alles, was im Gazastreifen passiert“, so die Armeesprecherin.
Israel ordnete nach dem neuen Raketenangriff die Schließung der Grenzübergänge in den Gazastreifen und die Einschränkung der Fischereizone vor der Küste an.
Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf Tel Aviv seit 2014 gegeben. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert. Damals hieß es, die beiden Geschosse seien versehentlich abgefeuert worden.
Die Hamas stand zuletzt auch intern stark unter Druck. Es kam zu Straßenprotesten gegen die harten Lebensumstände im Gazastreifen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte, die Hamas-Polizei sei brutal gegen die Demonstranten vorgegangen. Mehr als tausend Menschen seien in diesem Monat festgenommen worden. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen Steuern, die die Hamas etwa auf Zigaretten und Lebensmittel erhebt.
Der palästinensische Politik-Experte Mustafa al-Sawaf in Gaza sagte: „Die Straßenproteste zeigen den Ernst der Lage im Gazastreifen, dass die Spannungen wegen der harten Bedingungen jederzeit explodieren könnten.“ Die Hamas habe aber nach seiner Einschätzung kein Interesse an einem neuen Krieg mit Israel. (dpa)

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