Ein wenig ist es wie Adventskalender, Schnitzeljagd oder Nachtwanderung bei den Pfadfindern, wenn sich die WeltkulTOUR auf den Weg macht. Es gilt nicht nur, spannende und hochwertige Weltmusik zu erleben, sondern auch die eigene Stadt neu zu entdecken und mit anderen Augen zu sehen. Schon der Startpunkt ist besonders. In einer alten Industriehalle mit stählernen Säulen, in der die Firma Weisshaupt früher Hebebühnen hergestellt hat, sind Tische aufgebaut. An der Theke steht leckeres Essen. Menschen sitzen dort, genießen ihre Mahlzeit und harren der Dinge, die da kommen. „Gruppe Europa zu mir“, ruft Achim Meyer, und es geht über verschlungene Pfade zum ersten Ziel.
In der alten Peters-Villa, in der heute das Regionalzentrum für Kleinkindbetreuung seinen Sitz hat, wartet Léan. Die drei Flamen haben sich der Weltmusik verschrieben und touren seit 2014 durch Belgien und die Welt. Schon beim ersten südafrikanischen Stück zeigt Silke Clarysse eine grandiose Virtuosität auf der Gitarre. Dann geht es über den großen Teich nach Kuba, wo die Gruppe das Stück auf einer Reise entdeckt hat. „Überall wird dort Musik gespielt“, erzählt Bassist Otto Kint, der in dem kubanischen Stück die Melodieführung übernimmt und von Gielis Cautaers mit lebendiger Percussion begleitet wird. Gerne stellen sich die Musiker den Fragen des Publikums. Nicht immer reisen die Ausnahmemusiker in ferne Länder, um neue Musik zu entdecken. „Vieles finden wir auch im Internet“, verrät Gielis Cautaers. Doch schon geht es weiter. „Hier bin ich seit 40 Jahren nicht entlanggegangen“, sagt ein Zuschauer. Ja, die Wege sind das Ziel. Vorbei geht es an alten Industriegebäuden und Villen zur Galerie Fox, wo Michael Bohn mit einem Glas Wein oder Bier auf die Besucher wartet. Inmitten der Dieter-Nusbaum-Ausstellung heißt es Platz zu nehmen und dem Duo Cassetto, Nina Leonards (Geige) und Stefan Michalke (Akkordeon) zu lauschen. Die beiden spielen nicht nur Weltmusik aus Armenien, russische Lieder, gesungen von Nina Leonards, oder französischen Zigeunerjazz wie der große Django Reinhardt, Michalke hat sich auch in der Heimat umgesehen und ein melancholisches Stück über den verwunschenen alten Bahnhof in Homburg mit seinen dahinrostenden Waggons komponiert. Doch kaum ist die Musik verklungen, bittet Achim Meyer zum Weitergehen. „Asien“, „Afrika“ oder „Amerika“ sind im Anmarsch und wollen auch den beiden sympathischen Musikern lauschen.
Auf verschlungenen Wegen geht es hinter der Josefskirche über kleine Gässchen zum Temsepark an der Weser entlang zu den alten Arbeiterhäusern im Langesthal. Dort hat sich inzwischen ein Bed & Breakfast etabliert. Über die schmale Stiege geht es hinauf in ein Wohnzimmer unterm Dach. In dieser gemütlichen Atmosphäre wartet das Chansonduo Grande Ourse (Großer Bär). Juliette Van Peteghem und Lionel Detry verstehen es, ein Publikum einzunehmen. Frauenrechte in Italien, Liebe in Irland und Frauenhelden sind die Themen der melodischen Chansons der beiden. Die beiden flirten mit dem Publikum und erzeugen so manches Schmunzeln. Und wieder kommen die verschlungenen Pfade und führen auf das alte Peters-Industriegelände. Dort wo früher die großen Webstühle ratterten, hat sich Marc Wolfs eine Mischung aus Garage, Hausbar und Hobbyraum eingerichtet. An den Wänden hängen Autobilder, hinten steht ein Oldtimer, an dem der Bastler herumschraubt. Passend zu den inzwischen kühleren Außentemperaturen gibt es erst einmal eine Tasse heißen Hibiskustee. Aber auch die Musik ist ein Kontrastprogramm zu den eher ruhigen Chansons von Grande Ourse. Denn Weltmusik heißt nicht nur, Stile aus fernen Ländern zu kopieren und zu analysieren, sonder es kann auch heißen, sie ganz anders zu machen. Esinam Dogbatse hat zwar auch eine Konzertflöte für ihre afrikanischen Rhythmen dabei, ihre Hauptinstrumente sehen allerdings nicht wie Musikinstrumente aus. Es ist die pure Elektronik mit vielen Knöpfen und Pedalen, die Musik, Gesang und Klatschen durch den Computer jagen und so afrikanische Klänge mit Elektromusik mischen. Und nach derart anregenden musikalischen Eindrücken und der Entdeckungsreise durch die spannenden und unbekannten Teile der Unterstadt ist natürlich ein Bier in der alten Weisshaupthalle und eine warme Suppe genau das Richtige.













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