Um diese Bedingungen zu verändern, hat der Verein Wabe e.V. seit kurzem mit finanzieller Unterstützung der Stadt Aachen eine kleine Wohnung im Umfeld des Kaiserplatzes angemietet, wo mit den betroffenen Frauen zum Schutz vor Freiern und der Öffentlichkeit eine niedrigschwellige Beziehungsarbeit geleistet wird.
In der Wohnung können die Frauen ankommen, sich ausruhen, auch duschen, Kaffee trinken, miteinander klönen, aber vor allem eine Beziehung und Vertrauen zu den anwesenden Sozialarbeitern aufbauen. So soll ganz niederschwellig der Rahmen geschaffen werden, sich aus der Abhängigkeit von Drogen und Partnern zu befreien und im besten Fall unabhängig wohnen zu können. Um die komplexen Lebenslagen der Frauen zu verändern, braucht es jedoch ein breit und eng verwurzeltes Netzwerk des professionellen Hilfesystems in der Stadt. „Die Netzwerkarbeit im Projekt ist uns tatsächlich enorm wichtig“, erklärt Dagmar Offermann, Geschäftsführerin der Wabe e.V., „nur so können wir die Frauen optimal unterstützen. Und das ist absolut nötig. Prostitution ist an sich eine gesellschaftliche Wirklichkeit, die man akzeptieren muss. Aber das, was am Kaiserplatz mit den Frauen passiert, ist schlichtweg menschenverachtend.“ Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen bestätigt im Pressegespräch diese Aussage und sagt: „Wir wissen, dass einige Frauen am Kaiserplatz unter schrecklichsten Bedingungen versuchen, ihr Leben und Ihre Sucht zu finanzieren. Bedingungen, die uns alle erschüttern und kaum vorstellbar sind. Es ist eine untragbare Situation. Diese Frauen brauchen unsere Hilfe, unsere Unterstützung und unseren Schutz. Darum ist die Schutzwohnung wichtig, weil dort die Frauen gestärkt werden können, so dass sie in der Lage sind, Hilfe auch anzunehmen.“
Der städtische Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie
Birgitt Lahaye-Reiß, Aufsichtsrat der Wabe e.V. und Initiatorin des Projekts, berichtet von Frauen am Kaiserplatz, die mit extremer Gewalt konfrontiert sind, von Säureanschlägen, von Freiern, die sich auf das Brutalste austoben: „Hier dürfen wir als Gesellschaft nicht wegschauen, diese Frauen brauchen unsere Unterstützung. Wir müssen Frauen weg von den Männern bringen, die sie ausbeuten. Wenn wir es mit dem Projekt ‚Liane‘ schaffen, den Kaiserplatz auch nur ein bisschen gewaltfreier zu machen, sind wir unserem Ziel einen Schritt nähergekommen.“
Drei junge Sozialarbeiterinnen, die sich insgesamt zwei Stellen teilen, arbeiten im Projekt. Sie haben die Wohnung seit dem Sommer gemütlich eingerichtet, viel Streetwork gemacht, dadurch erste Kontakte zu den Frauen geknüpft und bereits viele positive Reaktionen erhalten. Der Redebedarf der Frauen sei groß, berichten sie. Im Kern gehe es darum, den Frauen erst einmal zu helfen, die Achtung vor sich selbst wieder zurückzugewinnen. Auch Rolf Frankenberger, Leiter des städtischen Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration, ist von „Liane“ überzeugt. Er verortet das Projekt als wichtiges Werkzeug im Werkzeugkasten gegen die illegale Sexarbeit am Kaiserplatz: „Parallel sind wir dort gemeinsam mit der Suchthilfe, dem Ordnungsamt und mit der Polizei unterwegs – aber erst durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Maßnahmen wird unsere Hilfe rund.“ (red/hegen)

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