Mathias Cormann zum OECD-Generalsekretär gewählt

<p>Mathias Cormann zum OECD-Generalsekretär gewählt</p>

Der 50-jährige Raerener legte im vergangenen Jahr sein Amt als australischer Finanzminister nieder und war anschließend von Australien für den Posten des Generalsekretärs der OECD nominiert worden.

Angel Gurría stand nach 15 Jahren nicht mehr zur Verfügung.

Der derzeitige Chef Angel Gurría stand für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Organisation, in der 37 überwiegend reiche Länder zusammengeschlossen sind, nicht mehr zur Verfügung. Der ehemalige mexikanische Außenminister hat die Organisation in Paris 15 Jahre lang geleitet. Insgesamt kamen zehn Kandidaten in die engere Auswahl für die Nachfolge des OECD-Chefs. Cormanns letzte Konkurrentin in diesem langwierigen Auswahlverfahren war die ehemalige EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström (Schweden).

Die OECD ist aus dem Marshallplan der Nachkriegszeit hervorgegangen und spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der wirtschaftlichen Agenda. Ihre 37 Mitglieder repräsentieren mehr als 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und müssen sich zu Demokratie und einem freien Markt bekennen. Mit Mathias Cormann ist es das erste Mal, dass die OECD in den kommenden fünf Jahren von einer Person aus dem asiatisch-pazifischen Raum gelenkt wird. Mit Cecilia Malmström wäre es zum ersten Mal eine Frau gewesen.

Nach verschiedenen Medienberichten galt Cormann nicht als Favorit auf die Nachfolge von Angel Gurría. Umweltorganisationen hatten vor dem Hintergrund der australischen Klimapolitik in der entscheidenden Phase des Auswahlverfahrens erhebliche Bedenken geäußert. In einem Brief an die OECD drückten mehrere Umweltorganisationen „ernste Besorgnis“ über die Kandidatur des Australiers aus. Greenpeace prangerte seine „entsetzliche“ Bilanz in Klimafragen zu seiner Dienstzeit als Minister an.

Laut OECD-nahen Quellen war er aber ein guter Kandidat, weil sich die OECD weiter nach Asien öffnen will und „er Versprechungen zum Thema Umwelt machen konnte“. Cecilia Malmström konnte dem Vernehmen nach nicht genug Stimmen bekommen, weil sie „zu liberale“ Ansichten zum Handel hat.

Das Votum muss vom Rat, dem Leitungsgremium der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei seiner Sitzung am Dienstag formell bestätigt werden. Der neue Generalsekretär soll Anfang Juni sein Amt antreten.

Die OECD, die 2021 60 Jahre alt wird, ist eine wichtige internationale Denkfabrik. Im globalen Tauziehen um eine Besteuerung von großen Digitalkonzernen spielt sie eine zentrale Rolle. Der Kampf gegen den Klimawandel, insbesondere durch Besteuerung, wird im Mittelpunkt von Cormanns Mandat als Chef des „Clubs der Reichen“ stehen.

Mathias Cormann wurde am 20. September 1970 in Eupen geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der Raerener Pfaustraße. In der Töpfergemeinde hat er sich während und nach seinem Jurastudium auch politisch engagierte. Mitte der 1990er Jahre war Mathias Cormann Präsident der Raerener CSP-Lokalsektion, kandidierte für den Provinzialrat und war zudem für wenige Monate Mitglied des Raerener Gemeinderats.

Dienstältester Finanzminister in der Geschichte Australiens

In jener Zeit engagierte er sich stark an der Seite der ehemaligen CDH-Präsidentin Joëlle Milquet, als diese erstmals für den Parteivorsitz der PSC kandidierte. Seit 1996 ist er in Perth im Westen Australiens angesiedelt, wo der Jurist mit seiner Frau Hayley, einer Rechtsanwältin, und den beiden Töchtern lebt. Von 2007 bis 2020 saß Cormann, der 2000 die australische Staatsbürgerschaft annahm, im Senat seiner Wahlheimat. 2013 wurde er zum Finanzminister gewählt und dann zum dienstältesten Finanzminister in der Geschichte des Landes. In sieben Jahren diente er drei Premierministern. Ab 2015 war Cormann Vize-Regierungsführer im Senat, bevor er 2017 das Amt des Regierungsführers im Senat übernahm. Im Februar 2018 war er für wenige Tage geschäftsführender Premierminister Australiens.

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