Vandenbroucke tritt auf die Bremse – Verlinden: „Müssen vorsichtig sein“

<p>Der Konzertierungsausschuss kommt am Freitag wieder zusammen.</p>
Der Konzertierungsausschuss kommt am Freitag wieder zusammen. | Foto: belga

Am Freitag wird der Konzertierungsausschuss erneut zusammenkommen und die Coronazahlen sowie die entsprechenden Maßnahmen diskutieren. Im Vorfeld dieses Treffens gibt es von vielen Seiten (Horeca, Glaubensgemeinschaften, Kultur, Politik etc.) Forderungen, bestimmte Maßnahmen zu lockern.

Doch bereits am Sonntag trat Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) auf die Bremse. Innerhalb von drei Wochen werde die britische Variante des Coronavirus in Belgien dominieren. Erst dann könne man abschätzen, wie ansteckend diese Variante ist, sagte Vandenbroucke am Sonntagnachmittag dem Fernsehsender VTM. Der Minister machte deutlich, dass die Bevölkerung am Freitag nicht viel erwarten sollte. „Wir haben einen soliden Deich gebaut. Das Problem entsteht, wenn es Löcher in diesem Deich gibt“, so der Minister, der bedeutende Lockerungen ausschloss: „Es kommt darauf an, Entscheidungen zu treffen und zu bestimmen, was Priorität hat. Wir sollten nicht vergessen, dass der Ansatz in Belgien einer der am wenigsten strengen in Europa ist. Gerade weil wir die Schulen offen halten wollen, sind wir in anderen Bereichen streng.“

Auch Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) nennt die Situation noch „unsicher“. Sie plädiert deshalb dafür, noch „vorsichtig“ zu sein. „Das sollte in den kommenden Tagen und Wochen der Leitgedanke sein“, so die Innenministerin. Wenn es aber Lockerungen gibt, sollten nach Ansicht der CD&V-Ministerin die Jugendlichen und die Studenten als erste berücksichtigt werden.

Am vergangenen Wochenende wurde deutlich, dass die Polizei nicht gleich streng vorgeht, wenn Verstöße gegen die Maßnahmen festgestellt werden. So kam es zu Menschenansammlungen in Brüsseler Parkanlagen. Dabei wurden viele Menschen beobachtet, wie sie ohne den nötigen Mindestabstand und ohne Masken zusammensaßen oder -standen.

<p>Dieses Bild wurde am Sonntag im Bois de la Cambre in Brüssel geschossen.</p>
Dieses Bild wurde am Sonntag im Bois de la Cambre in Brüssel geschossen. | Foto: belga

Ministerin Verlinden bittet um Verständnis für die Einschätzung der Polizei. „Sie nehmen immer eine angemessene Bewertung der Einhaltung der Maßnahmen vor. Sie tun das nicht leichtfertig oder 'zufällig'“, so Verlinden. Nichtsdestotrotz werde sich die Politikerin am heutigen Montag mit der Polizei beraten, um zu sehen, ob und wo die Richtlinien angepasst werden müssen. (belga/mv)

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Kommentare

  • Die beiden Fotos im Artikel spiegeln, wenn auch möglicherweise ungewollt, den tiefen Riss durch unsere Gesellschaft plastisch wider. Während auf dem ersten die Crème der Grundrechte-Leugner wie Zombies in ihrer Blase beisammen sitzen, nehmen auf dem zweiten die jungen Menschen sich genau das zurück (zumindest teilweise), was ihnen von ersteren ohne Not genommen wurde, nämlich ihre Grundrechte.

    Diejenigen, die sich in ihrer Blase immer neue „Sandkasten-Modelle“ von „Experten“ erläutern lassen, merken nicht, dass sie den Kontakt zur realen Außenwelt vollkommen verloren haben. Oder kennt Ihr auch nur einen, der sich z.B. seit November an die Kuschelkontakt-Regel hält?

    Jetzt rächt sich die Unterbindung der kontroversen parlamentarischen und öffentlichen Debatte.

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