Christian Gross hatte seine Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen, der grimmige Gesichtsausdruck des neuen Schalker Trainers war nach Schlusspfiff dennoch deutlich zu erkennen. 0:3 (0:1) bei Hertha BSC, das 30. Ligaspiel in Serie ohne Sieg, nur noch ein Spiel vom traurigen Tasmania-Rekord entfernt: Während der 90 Minuten seines missglückten Debüts in Berlin bekam Gross klar vor Augen geführt, wie schwierig seine Rettungsmission ist.
„Es ist zu einfach, gegen uns Tore zu schießen. Ich weiß es selbst nicht genau, was wir machen müssen“, sagte Schalke-Stürmer Mark Uth bei Sky: „Die Verantwortlichen müssen auf dem Transfermarkt noch tätig werden. Wir brauchen unbedingt Spieler, die uns sofort weiterhelfen.“
Matteo Guendouzi (36.), Jhon Cordoba (52.) und Krzysztof Piatek (80.) erzielten die Tore für die Herthaner, die sich mit dem Sieg etwas Luft im Abstiegskampf verschafften. Schalke agierte im ersten Spiel unter Gross erneut glücklos, in der zweiten Halbzeit fehlten auch Mut und Engagement.
Gross überraschte mit zwei Personal-Entscheidungen: Im Tor gab er Ralf Fährmann den Vorzug vor dem zuletzt angeschlagenen Frederik Rönnow, und als Sturmspitze lief Youngster Matthew Hoppe von Beginn an auf. Der Amerikaner ersetzte den verletzten Benito Raman. Wieder mit dabei war Uth drei Wochen nach seiner Gehirnerschütterung.
Der Angreifer hatte in der elften Minute auch die erste Schalker Chance, sein Linksschuss von der Strafraumlinie war allerdings nicht scharf genug und somit kein Problem für Hertha-Torhüter Alexander Schwolow. Die Gäste zeigten sich anfangs durchaus engagiert, im letzten Drittel fehlte es aber oft an Ideen.
Erst als Hertha auf dem neu verlegten Rasen etwas mehr investierte, wurde das zerfahrene Spiel besser. In der 23. Minute scheiterte Dodi Lukebakio nach einem Traumpass von Matheus Cunha am aufmerksamen Fährmann. Doch auch Schwolow konnte sich auf der Gegenseite auszeichnen, als er einen Schuss von Uth mit den Fingerspitzen noch zur Ecke lenkte.
Cunha, der zuletzt von Hertha-Trainer Bruno Labbadia öffentlich kritisiert worden war, drehte mit zunehmender Spieldauer auf. Der Brasilianer leitete mit einem Dribbling auch den Führungstreffer durch Guendouzi ein.
Nach dem Seitenwechsel blieb Hertha am Drücker - und belohnte sich dafür früh: Nach einem sehenswerten Angriff über Cunha und Vladimir Darida hatte Stürmer Cordoba keine Mühe, den Ball aus kurzer Distanz ins Tor zu schießen. Die Schalker, bei denen Rückkehrer Sead Kolasinac noch nicht spielberechtigt war, wehrten sich anschließend kaum noch gegen den nächsten Nackenschlag. (sid)


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