Impfkampagne: Ostbelgien steht in den Startlöchern

<p>Die erste Impfung in Ostbelgien erfolgt am 5. Januar im Wohn- und Pflegezentrum für Senioren St. Joseph in Eupen.</p>
Die erste Impfung in Ostbelgien erfolgt am 5. Januar im Wohn- und Pflegezentrum für Senioren St. Joseph in Eupen. | Archivfoto: David Hagemann

Die am 21. Dezember erfolgte Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer durch die EU-Kommission sei ein Meilenstein in den Bemühungen, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, heißt es in einem Kommuniqué des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Zudem sei mit der Zulassung weiterer Impfstoffe im Laufe der nächsten Wochen zu rechnen.

Damit nach dem Eintreffen der ersten Impfstoff-Lieferungen mit den Impfungen begonnen werden könne, liefen europaweit bereits seit Längerem Vorbereitungen – auch in Ostbelgien. So habe in der DG bereits ein Probelauf ‚ohne Impfstoff‘ stattgefunden, heißt es weiter. Außerdem würden die Impfungen – wie in anderen Ländern der EU – auch in Ostbelgien in Phasen erfolgen.

Wie das Ministerium mitteilt, werden in der sogenannten „Phase 1a“ ab Januar zunächst Bewohner und Personal der acht Wohn- und Pflegezentren für Senioren (WPZS), des Psychiatrischen Pflegewohnheims sowie zweier anderer Einrichtungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf geimpft. Abhängig von der Verfügbarkeit der Impfstoffe würden auch die Gesundheitsdienstleister der ‚ersten Linie‘ (beispielsweise Krankenhauspersonal, Hausärzte und ambulante Pflegedienste) geimpft werden können. „Die „Phase 1b“ startet voraussichtlich ab April. Hier können dann Menschen über 65 Jahre, Risikopatienten zwischen 45 und 65 Jahren sowie andere spezielle Zielgruppen geimpft werden“, so der Wortlaut der Mitteilung.

In der anschließenden „Phase 2“ komme die übrige Bevölkerung an die Reihe. Je nach Produktionsdauer der Impfstoffe werde diese Phase jedoch erst im Sommer des kommenden Jahres beginnen können.

Die zeitige Auslieferung der Impfstoffe durch die produzierenden Firmen sei dabei die wesentliche Voraussetzung für einen reibungslosen Verlauf der Impfkampagne. Des Weiteren sei vor Ort eine Menge unterschiedlicher technischer und organisatorischer Voraussetzungen zu erfüllen. „Alle erfolgten Impfungen werden in der belgienweit zum Einsatz kommenden Datenbank Vaccinnet+ erfasst“, heißt es weiter.

Auftakt in Ostbelgien am 5. Januar 2021

Was die Strategie für Ostbelgien betrifft, so sei diese in die gesamtbelgische Impfstrategie eingebettet. Diese sei vom Föderalstaat, den Gemeinschaften und den Regionen gemeinsam entwickelt worden. „Das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft hat für die Phase 1a einen detaillierten Impfplan aufgestellt. Er baut auf den wöchentlichen Lieferungen der Impfstoffe auf und ist mit den anderen beteiligten Akteuren abgestimmt. Beginnend am 5. Januar werden sukzessive alle Personen in den ostbelgischen Wohn- und Pflegeeinrichtungen, die es wünschen, ihre erste Impfdosis erhalten. Die für die Wirksamkeit erforderliche zweite Dosis wird nach jeweils 21 Tagen verabreicht“, so die detaillierte Information zum Ablauf.

In der Phase 1a werden die Impfungen – laut Ministerium – primär von einem sogenannten „mobilen Team“ und den Koordinationsärzten der Einrichtungen verabreicht. Zusätzlich sei auch das Personal der beteiligten Einrichtungen in vielerlei Hinsicht beteiligt. Dieser Impfablauf erfolge für Bewohner wie Personal kostenlos. Die Kosten der Impfung würden vom Föderalstaat und den Teilstaaten getragen.

Weiter heißt es, dass auf Wunsch auch die Hausärzte für die Aufklärung und Beratung zur Verfügung stünden. Diese könnten die Impfung verschreiben und sie auch selbst durchführen – zeitgleich mit dem mobilen Team. Diese dürften hierfür eine Visite berechnen, die Impfstoffe seien jedoch auch in diesem Fall kostenlos.

Für die Phasen 1b und 2 sollen in Ostbelgien, wie auch landesweit vorgesehen, spezielle Impfzentren eingerichtet werden. Dort dürfen sich alle Erwachsenen impfen lassen. Eine Impfpflicht bestehe auch in diesem Fall nicht, betont das Ministerium.

Die Hauptlager für die Impfstoffe befinden sich laut Mitteilung in den beiden ostbelgischen Krankenhäusern. Je nach Impfstoff sei der Vorgang der Lieferung, Lagerung und Zwischenlagerung jedoch unterschiedlich. „Für die Phase 1a wurden bereits spezielle Ultra-Gefrierschränke angeschafft. Auch für die ordnungsgemäße Zwischenlagerung am jeweiligen Ort der ‚Verimpfung‘ wurden Kühlschränke gekauft“, so der aktuelle Stand der Dinge.

Hohe Impfrate als Ziel und Notwendigkeit

„Aus Sicht aller Verantwortlichen ist die Impfung aktuell der einzige vertretbare Weg zurück in eine umfassende gesellschaftliche und private Normalität. Auch wenn die Impfung freiwillig ist, ist es für den Gesamterfolg wichtig, dass sich ein möglichst großer Teil der Bevölkerung impfen lässt. Denn nur bei einer Impfrate von etwa 70 % kann eine so genannte ‚Herdenimmunität‘ erwartet werden, die das Aufflammen neuer Corona-Wellen verhindert“, stellt das Ministerium klar.

Was die Impfstoffe angeht, so ist dem Ministerium daran gelegen, Zweifel an deren Sicherheit oder Wirksamkeit durch Information zu zerstreuen. „Die im Vergleich mit anderen Impfstoffen kurze Entwicklungsdauer hat mehrere Gründe: Corona-Impfstoffen wurde weltweit Priorität eingeräumt, tausende Wissenschaftler forschten gleichzeitig, zehntausende Testpersonen meldeten sich freiwillig, um die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Präparate zu prüfen. Zudem fanden die notwendigen Testphasen nicht nacheinander statt, sondern liefen in Teilen zeitgleich ab, wodurch Zeit gespart werden konnte“, erläutert die Behörde.

Bei den klinischen Studien und Zulassungen seien trotz des aus den Folgen der Pandemie resultierenden Zeitdrucks keine Zugeständnisse in Bezug auf Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe gemacht worden. Unter den Testpersonen seien auch Risikogruppen stark vertreten gewesen. Wie jedes Medikament könnten auch die Corona-Impfungen Nebenwirkungen verursachen, z. B. Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder lokale Rötungen, Schwellung oder Schmerz. In den Testphasen seien diese jedoch „regelmäßig innerhalb weniger Tage“ verschwunden oder „konnten durch Schmerzmittel gelindert werden“.

Die europäische Arzneimittel-Agentur EMA gehe zurzeit davon aus, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch gegen die in Großbritannien neu aufgetretene Coronavirus-Variante wirksam sei. Hierzu müssen allerdings noch mehr Informationen gesammelt werden, heißt es weiter.

Vorerst noch keine Entspannung in Sachen Corona

„Auch die nun beginnende Impfkampagne führt nicht zu einem sofortigen Ende der Pandemie“, mahnt das Ministerium. Schon allein durch die Produktionsdauer der Impfstoffe werde es noch viel Zeit in Anspruch nehmen, bis ein entspannender Wendepunkt eintrete. Die notwendige Eindämmung der Infektionslage in Ostbelgien auf das Maß ‚grüne Zone‘ könne daher auch in den nächsten Monaten nur durch die Mitwirkung der gesamten Bevölkerung gelingen. „Dazu gehört zum einen die konsequente Beachtung der bestehenden Regeln und der damit verbundenen Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens“, so die Aufforderung der Behörde. Unverändert wichtig bleibe zum anderen die Einhaltung der sogenannten „AHA-Regeln“ (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) und das konsequente Lüften.

Die Öffentlichkeit über verschiedene Kanäle informieren.

Wie das Ministerium abschließend mitteilt, seien alle in der Phase 1a für eine Impfung in Frage kommenden Personen in den ostbelgischen Wohn- und Pflegeeinrichtungen bereits durch ein Anschreiben über das Impfangebot und die Impfmodalitäten informiert worden. Vor den späteren Impfphasen 1B und 2 sei eine breite Information der Bevölkerung vorgesehen. Wie aus dem Kommuniqué hervorgeht, planen das Ministerium und die Krankenkassen „hierzu eine eng abgestimmte Kommunikation“. Zudem werde die Öffentlichkeit „kontinuierlich über die Medien sowie über das Bürgerinformationsportal www.ostbelgienlive.be“ informiert. Geplant seien Informationen zum Stand der Dinge, zu den jeweiligen Details und Abläufen der Impfungen, die Bereitstellung von FAQ’s, Berichte über den Verlauf der Infektionslage und zu gegebenenfalls neuen Verhaltensregeln sowie die Information über eventuelle neue Erkenntnisse in Bezug auf die Impfstoffe bzw. Impfungen. Außerdem stehe der Bevölkerung die Corona-Hotline (0800 23 0 32) montags bis freitags (außer an Feiertagen) von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr für Nachfragen zur Verfügung. (red/svm)

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