Dass der Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke angesichts der dramatischen Zustände in einem Krankenhaus den Tränen nahe ist, mag ihn ehren, ändert aber nichts daran, dass, insbesondere für Politiker, weder Verzweiflung, noch Angst gute Ratgeber sind. Wenn der derart verzweifelte Politiker aus Angst vor möglicher Schuld angesichts des von ihm unmittelbar erlebten Dramas Entscheidungen trifft, ist die Gefahr groß, dass er seinem Bauchgefühl folgend sich nicht mehr vergegenwärtigt, dass die Reichweite seines Handels ungleich größer ist, als diejenige des mitfühlenden Bürgers, der einem Ertrinkenden hinterher springt. Bis heute hat, aus gutem Grund, noch kein Politiker trotz dramatischer Lungenkrebsschicksale den Tabakanbau verboten, oder trotz herzzerreißender Krankheitsverläufe z. B. das Organspenden zur Pflicht erhoben.
Zum besseren Verständnis stelle man sich vor, der Führer einer Wüstenkarawane löscht verzweifelt einen brennenden Wagen mit Wasser, um dann zu erkennen, dass er das letzte Trinkwasser hierfür eingesetzt hat, der Karawane aber noch zwei Wochen Wüstenmarsch bevorstehen.
Der Sinn und Zweck des Grundgesetzes besteht u.a. gerade auch darin, dass die Politiker eben nicht rein emotional handelnd den Blick fürs Ganze verlieren. Jede Beschneidung der verfassungsmäßigen Grundrechte des Einzelnen muss den Politiker an diese Verpflichtung erinnern, damit er nicht vorschnell „das Trinkwasser aller zum Löschen eines Wagens vergeudet“.
Kommentare
Glücklicherweise ist der emphatische Herr Vandenbroucke Gesundheitsminister und nicht Herr Schmitz.
Die Bilanz der bisherigen Corona-Pandemie wäre um ein Vielfaches dramatischer, geht es in seinen Überlegungen immer in erster Linie um seine „ihm zustehende Freiheit“ und nur selten um die notwendige Bekämpfung einer Pandemie.
Es ist nicht schlau ein Auto mit seinem letzten Trinkwasser in der Wüste zu löschen.
Genauso dumm ist es, beim Brand seines Hauses zuzuschauen und der Feuerwehr den Zutritt zu seinem Grundstück zu verwehren, da ja das Blumenbeet Schaden nehmen könnte.
oh, herr leonard , das hängt von der art und zweck des feuers ab . ist es ein tatsächliches malheur , dann freut man sich wenn die feuerwehr schnell kommt . handelt es sich um eine heisse sanierung , verwehrt man auch wie sie so schön empfehlen , der feuerwehr den zutritt zum feuer .
Sehr geehrter Herr Leonard,
Wenn ich Gesundheitsminister (gewesen) wäre, hätte ich von Anfang an den Schwerpunkt auf umfassende Information, auch bzgl. der Bedeutung der Stärkung des Immunsystems, und auf den Schutz der vulnerablen Gruppe (z.B. Empfehlung der FFP2-Maske, anstelle von Alltagslappen, etc.) gelegt. Darüber hinaus hätte ich jegliche empfohlene Maßnahme, die auf den ersten Blick möglicherweise sinnvoll erschien (z.B. Maske tragen), deren Nutzen aber im Nachhinein wissenschaftlich nicht hätte einwandfrei belegt werden können, nicht weiter empfohlen. Dann hätte ich insbesondere die Kollateralschäden im Auge behalten. Zu guter Letzt hätte ich die finanziellen Mittel, die jetzt für das Abfedern des wirtschaftlichen Schadens aufgewendet werden (müssen), vorzugsweise ins Gesundheitssystem (Ausstattung und Personal) investiert.
Und, natürlich ist es - zumindest bei oberflächlicher Betrachtung - dumm, "beim Brand seines Hauses zuzuschauen und der Feuerwehr den Zutritt zu seinem Grundstück zu verwehren, da ja das Blumenbeet Schaden nehmen könnte."
Aber was genau wollen Sie mir damit sagen? Vielleicht dass aus Ihrer Sicht die freiheitlichen Grundrechte in etwa den Stellenwert eines Blumenbeets, gemessen am Wert des Hauses haben, sprich in Ihrem Leben bestenfalls eine verzichtbare Dekoration darstellen?
Und sollte aus welchen Gründen auch immer, dem Hausbesitzer sein Blumenbeet persönlich mehr bedeuten, als sein Haus, so kann man nur hoffen, dass er auf einen Feuerwehrmann trifft, der begreift, was freier Wille bedeutet, und diesen respektiert. Denn andernfalls läuft der Hausbesitzer Gefahr, am Ende vor einer wertlosen Brandruine und einem verwüsteten Blumenbeet zu stehen.
Herr Leonard, bevor Sie nun wieder all das vorschnell ins Lächerliche ziehen, stellen Sie sich einfach vor, das fragliche Blumenbeet wäre in Wahrheit das Einzige, was dem Hausbesitzer von seiner vor Kurzem verstorbenen Frau geblieben ist. Ich will damit sagen, dass Dinge für manche eine Bedeutung haben, die sich dem neutralen Beobachter nicht so ohne weiteres erschließt. Und auch deswegen sind Dinge wie freier Wille und Würde so wichtig.
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