Belgien und die anderen EU-Staaten rüsten sich für den Start der Impfkampagne gegen das Coronavirus. Nach der bedingten Zulassung ihres Impfstoffs in der EU kündigten die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmariese Pfizer am Montagabend an, die Auslieferung werde sofort beginnen. Biontech-Chef Ugur Sahin zeigte sich zuversichtlich, dass der Impfstoff auch gegen die in Großbritannien entdeckte neue Mutation des Virus wirkt.
Aus wissenschaftlicher Sicht sei die Wahrscheinlichkeit dafür hoch, sagte Sahin der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben den Impfstoff bereits gegen circa 20 andere Virusvarianten mit anderen Mutationen getestet. Die Immunantwort, die durch unseren Impfstoff hervorgerufen wurde, hat stets alle Virusformen inaktiviert.“
Die EU-Kommission hatte dem Biontech-Pfizer-Präparat am Montag die bedingte Marktzulassung erteilt. Wenige Stunden zuvor hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in Amsterdam die bedingte Zulassung des Corona-Impfstoffes empfohlen. Dem Start von Massen-Impfungen in der EU steht somit nichts mehr im Wege. Zugleich sorgt aber die neue Virus-Variante für Unruhe, die sich vor allem in London und Südostengland rasant ausbreitet und die von den britischen Behörden als besonders aggressiv eingestuft wird.

Belgien und die meisten anderen europäischen Länder stoppten am Sonntag die Einreise aus Großbritannien, um eine Verbreitung der Virus-Variante zu verhindern. Weitere Länder wollen an diesem Dienstag folgen. Am Montagnachmittag teilte derweil das Kernkabinett mit, das Verbot aller Einreisen aus dem Vereinigten Königreich für weitere 24 Stunden aufrechtzuerhalten. Der Güterverkehr werde jedoch weiterhin erlaubt sein. Ab dem 23. Dezember werden dann lediglich Personen, die ihren Hauptwohnsitz in Belgien haben und aus Großbritannien einreisen wollen, ins Land gelassen. Diese Regel soll bis zum 31. Dezember in Kraft bleiben.
Unter anderem in Großbritannien, den USA und Kanada ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer bereits zugelassen. Im Vereinigten Königreich wurden nach Angaben von Premierminister Boris Johnson in den vergangenen beiden Wochen bereits mehr als 500.000 Menschen geimpft. „Das ist ein Grund zur Hoffnung und zur Zuversicht“, sagte Johnson in London. „Wir können uns ab Ostern auf eine ganz neue Welt freuen.“
In den USA erhielten am Montag die ersten Menschen den Impfstoff des US-Unternehmens Moderna. Der künftige US-Präsident Joe Biden ließ sich ebenso wie seine Frau vor laufenden Kameras impfen, allerdings bekamen beide die erste von zwei Spritzen mit dem Impfstoff von Pfizer und Biontech.
Auch in der EU soll es nun schnell gehen. „Die Lieferungen werden sofort beginnen und schrittweise im Laufe der Jahre 2020 und 2021 erfolgen, um eine gerechte Verteilung der Impfstoffe entsprechend der Vertragsbedingungen in der EU zu gewährleisten“, teilten Biontech und Pfizer am Montagabend mit. Nach den klinischen Studien gibt Biontech die Wirksamkeit des Impfstoffs mit 95 Prozent an.
Allerdings warnte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides vor Leichtsinn im Kampf gegen das Virus. „Das ist nicht der Zeitpunkt, den Sieg zu erklären“, sagte Kyriakides der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien in Brüssel. So weit sei es erst, wenn die Pandemie überwunden sei. Dennoch sei es ein wichtiger Tag für die Europäer.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO vertritt die Ansicht, dass das Virus auch in der neuen Variante unter Kontrolle gebracht werden kann. „Die Situation ist nicht außer Kontrolle“, sagte Nothilfe-Koordinator Michael Ryan. „Wir müssen uns aber noch mehr anstrengen. Das Virus kann gestoppt werden.“ Schutzmaßnahmen wie Distanzhalten, die Vermeidung direkter Kontakte und Händewaschen seien auch bei der neuen Variante angebracht, um Ansteckungen zu vermeiden. (dpa/calü)

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