In dem Prozess muss sich unter anderem ein Polizist wegen Totschlags vor Gericht verantworten. Der Ordnungshüter hatte bei der Verfolgung eines mutmaßlichen Schleuserfahrzeugs auf die Fahrerkabine geschossen und dadurch die damals Zweijährige getötet. Dem Polizisten droht nun eine Haftstrafe von drei Monaten bis zu zwei Jahren sowie eine Geldstrafe.
Neben dem Beamten stehen zudem zwei weitere Männer vor Gericht. Ihnen wird schwere Verkehrsbehinderung mit dem erschwerenden Umstand, dass dies zum Tod eines Kindes führte, zur Last gelegt. Bei den beiden Männern handelt es sich um den Fahrer und den Beifahrer des Lieferwagens. In ihrem Fahrzeug befanden sich neben der zweijährigen Mawda insgesamt 30 Migranten – darunter acht Kinder. Sie alle wollten von Belgien über Frankreich nach Großbritannien gelangen. Den Männern drohen Haftstrafen in Höhe von bis zu 20 bzw. 30 Jahren.
Am Montagvormittag fanden die Anhörung der Voruntersuchung sowie die Anhörung des Gerichtsmediziners und des Ballistikexperten statt. Am Nachmittag waren dann die Zivilparteien an der Reihe. Im Anschluss daran war die Anklage dran. Am Dienstag folgt die Verteidigung.
Der Prozessauftakt verlief ziemlich chaotisch, denn der Übersetzer, der bis dato den Fall betreut hatte, war gestern verhindert, sodass ein Ersatz einspringen musste. Dieser war allerdings nicht fähig den Dialekt der Familie von Mawda zu sprechen bzw. zu verstehen. Darüber hinaus hatten die Anwälte darauf hingewiesen, dass die Sicherheitsabstände im Gerichtssaal nicht corona-konform seien. Nach einigen klärenden Gesprächen konnte der Prozess dann fortgeführt werden.
Wegen der Pandemie ist die Anzahl der Personen, die im Gerichtssaal zugelassen sind, begrenzt. Für die Journalisten wurde in einem Theater ein Pressesaal eingerichtet, wo der Prozess live übertragen wird.
Der Tod der kleinen Mawda löste im In- und Ausland große Bestürzung aus. Im Vorfeld des Prozesses forderten eine Reihe von Prominenten Gerechtigkeit für das Kleinkind – unter anderem der Pink-Floyd-Bassist Roger Waters, der britische Regisseur und Drehbuchautor Ken Loach sowie renommierte Politologe Noam Chomsky. (belga/calü)

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