Bürgermeister von Ostende will kostenlosen Rail Pass vorübergehend stoppen

<p>Am Wochenende und am Mittwoch zog es viele Tagestouristen nach Ostende.</p>
Am Wochenende und am Mittwoch zog es viele Tagestouristen nach Ostende. | Archivfoto: belga

Am Mittwoch nahmen zwischen 4.000 und 5.000 Tagestouristen den Zug nach Ostende. Der Bürgermeister von Ostende verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf den kostenlosen Rail Pass „Hello Belgium“, der allen Belgiern im vergangenen September gewährt wurde. Diese Tickets „schaffen eine Attraktion“, glaubt Bart Tommelein. „Die Polizei hat heute nicht eingreifen müssen, aber die Menge war zu groß“, so der liberale Politiker.

Am vergangenen Samstag zählte die belgische Bahn fast 8.000 Tagesausflügler in den Zügen nach Ostende. Die Polizei hatte eingreifen müssen, und der Deich war in eine Einbahnstraße verlegt worden.

Bart Tommelein fordert daher eine Anpassung des Rail-Pass-Systems. „In diesen Zeiten ist es keine gute Idee, so viele Menschen an einem Ort zu versammeln. Ich bitte die Menschen, nicht alle gleichzeitig nach Ostende zu kommen und überfüllte Orte zu meiden.“ (belga/mv)

Kommentare

  • Soviel zum Thema Eigenverantwortung und gesunder Menschenverstand...
    Wie man sich trotz der bedenklichen Situation in den Krankenhäusern freiwillig zum Freizeitvergnügen in einen Zug setzen kann, muss einem ja nicht einleuchten.

    Die Meldung über flämische Einkaufstouristen in Zeeland an anderer Stelle dieser Zeitung schließt sich nahtlos an.

    Mehr als bedauerlich ist es, dass, obwohl sowohl die Zahl der Neuinfektionen (trotz rückläufiger Tendenz, dank der beschlossenen Maßnahmen) als auch die Krankenhausaufnahmen, Intensivbehandlungen und Todesfälle sich nach wie vor auf einem erschreckend hohen Level bewegen, die Sorgfalt im Umgang mit der Pandemie bereits nachlässt. Insofern sie bei manch‘ Unverbesserlichen überhaupt vorhanden war.

    Wenn dies dann noch durch wenig hilfreiche Äußerungen politisch Verantwortlicher umrahmt wird, darf sich niemand wundern, wenn die positive Tendenz sich demnächst wieder umkehrt.

    Solange das Virus seine Eigenschaften nicht verändert, solange wir keine substantielle Verbesserung in der Behandlung der Erkrankten erzielen und solange ein großer Teil der Bevölkerung nicht geimpft ist, werden wir unser Verhalten anpassen müssen.

    Nein, es handelt sich nicht um Wochen, bevor wir wieder in den „normalen“ Alltagsmodus schalten können sondern um Monate und wahrscheinlich eher 3/4 Jahr. Wer etwas anderes behauptet, vermittelt den Menschen Hoffnungen, die nicht erfüllt werden können.

  • Ja, Herr Leonard, über dieses irrationale Benehmen, das an das sprichwörtliche Verhalten der Lemminge erinnert, kann man wirklich nur den Kopf schütteln.

    Bürgermeister Tommelein ist beizupflichten. Seine Bitte wird aber auf taube Ohren stoßen. Appelle an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger? Fehlanzeige, nicht nur in Ostende. Hier in Ostbelgien werben die deutschen Geschäfte unverhohlen um Kunden. Allerdings sind auch dort die Cafés und Restaurants inzwischen geschlossen worden, was dem „Feiertourismus“ doch einen Riegel vorschieben dürfte.

    Es hat mich gewundert, dass dieses Programm der Reiseanreize von der Regierung zu Beginn der zweiten Einschränkungsphase nicht gestoppt oder zumindest auf nächstes Jahr verschoben worden ist.

    Sich bis zu zweieinhalb Stunden in einen (vollen bis überfüllten?) Zug zu setzen, um dann an der Küste in Knokke, Ostende oder Blankenberghe den Seedeich hinauf- und hinunterzuspazieren und die Kinder ein wenig im Sand spielen zu lassen, dann eine Portion Fritten oder eine Waffel im Stehen zu essen, sonst gibt es ja nichts, alles andere ist ja geschlossen, dann die gleiche Zugfahrt wieder zurück, das ist völlig widersinnig.

    Einer der Gründe für das Beibehalten der Initiative könnte sein, dass man der SNCB mit einer Finanzspritze unter die Arme greifen wollte. Die Aktion ist nämlich keine Wohltätigkeitsveranstaltung der Eisenbahngesellschaft.
    110 Millionen sollte die Regierung dafür bereitstellen, egal, ob diese „Gratisfahrten“ nun in Anspruch genommen werden oder nicht.

    « Le billet de douze trajets donne un coup de pouce au tourisme intérieur et apporte un soutien financier à la SNCB.
    La N-VA, elle, s’oppose à cette mesure. « Un pur gaspillage d’argent », a déclaré le député Tomas Roggeman. » (Le Soir)
    Für einmal kann man mit der N-VA einer Meinung sein.

  • Ein typisches Beispiel von „gesundem Menschenverstand“ und „verantwortungsvollem Handeln“. Wem hier allerdings beides fehlt ist schnell klar.

    Es war die Regierung, die allen Belgiern Gratistickets für Bahnreisen schenkte, damit diese sich in (überfüllten) Zügen zu (überfüllten) Touristenorten begeben kann. Wozu diese Gratisreisen? Das versteht kein Mensch.

    Eine der vielen unüberlegten und verstandslosen Maßnahmen einer Regierung die erst mit der 250,- € Keule droht, dann um das Verständnis der Bevölkerung bettelt und dann wieder die Keule hervornimmt.

    Apropos, der Erfinder dieser 250,- € Strafe, der ehemalige Innenminister De Crem wurde mit seinem Parteivorsitzenden in einem Hotelrestaurant beim Schmausen gesehen, obwohl zu dieser Zeit alle Restaurants im Lockdown waren und er kein Hotelgast war.

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