Auch der Rest von Europa kämpft gegen Corona - Neue Auflagen in mehreren Ländern

<p>Ein Kellner räumt einen Tisch in einem Café-Restaurant auf der Piazza Navona in Rom vor Beginn der Ausgangssperre ab. Unter dem Druck steigender Infektionszahlen hat Italiens Ministerpräsident Conte ein neues Paket von Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus unterzeichnet.</p>
Ein Kellner räumt einen Tisch in einem Café-Restaurant auf der Piazza Navona in Rom vor Beginn der Ausgangssperre ab. Unter dem Druck steigender Infektionszahlen hat Italiens Ministerpräsident Conte ein neues Paket von Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus unterzeichnet. | Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle treten am Montag vielerorts in Europa neue Auflagen in Kraft, so etwa in Italien, Dänemark und der Slowakei. Viele Regierungen setzen auf nächtliche Ausgangssperren und weitere Kontaktbeschränkungen, um einen kompletten Lockdown der Länder zu vermeiden.

Am Wochenende hatten mehrere EU-Staaten Rekordwerte bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, darunter neben Belgien auch Frankreich, Dänemark und Tschechien. Die europäische Seuchenbehörde ECDC hatte bis Sonntag seit Ausbruch der Pandemie insgesamt rund 5,9 Millionen Ansteckungen und gut 208.600 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert.

Nun müssen von Montag an in Italien landesweit alle Restaurants und Bars um 18 Uhr für Gäste schließen. Auch Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen dürfen nicht mehr öffnen. Ein Großteil der italienischen Gymnasialschüler wird vorerst online unterrichtet. Auch in der Slowakei müssen Schüler ab der fünften Schulstufe auf Online-Unterricht umsteigen.

In Dänemark dürfen sich von Montag an nicht mehr als zehn Personen an einem Ort versammeln. Kioske und Supermärkte dürfen nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen.

Spanien hatte bereits am Sonntag - wie schon während der ersten Corona-Welle im Frühjahr - den nationalen Notstand verhängt, um nächtliche Ausgangssperren zu ermöglichen. Der Notstand soll nach dem Willen der Regierung möglichst bis nächsten Mai gelten.

In Frankreich gilt seit Samstag die nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes, also rund 46 Millionen Menschen. Die Ausgangssperre gilt in 54 Départements und dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien. In den Nachtstunden dürfen die Menschen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür.

In der Slowakei ging unterdessen am Sonntagabend die erste Phase einer beispiellosen Testung fast der gesamten Bevölkerung auf das Coronavirus zu Ende. Seit Freitag wurden unter der Regie des Verteidigungsministeriums in vier besonders stark betroffenen Bezirken an der Grenze zu Polen alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen. An den beiden nächsten Wochenenden soll der Rest des Landes folgen - immerhin rund fünf Millionen Menschen. Die Regierung in Bratislava sieht dieses Projekt als Beispiel, dem auch andere Länder Europas folgen könnten. (dpa)

Kommentare

  • Herr Schleck, Herr Hezel,

    Ich habe die von Ihnen empfohlenen Artikel aufmerksam gelesen. In der FAZ wird leider die Mortalität in Upsala mit keinem Wort erwähnt. Wenn ich das richtig verstehe, zählte Upsala über 5000 Infektionen in den letzten 14 Tagen, die mit dreißig Krankenhausaufnahmen, davon acht auf der Intensivstation, einhergingen, also grob 1 von 166 Infizierten musste ins Krankenhaus. In Belgien muss derzeit 1 von 30 Infizierten ins Krankenhaus. Das zu bewerten, überlasse ich den Virologen.

    Dann zu Tegnell’s Haltung zum Anstreben der Herdenimmunität. Hier muss man genau lesen. Letztere „anstreben“ hätte für ihn bedeutet, diese u.a. mit „Corona-Partys“ zu befeuern, diese „einkalkulieren“ bedeutet für, dass die freiwillige Einschränkungen mit der allmählich einhergehenden Herdenimmunität im Verbund wirken.

    Wie dem auch sei, die ZAHLEN sprechen eine eindeutige Sprache.

    Und dass laut ihm das Virus ohne Impfung nie ganz verschwinden wird, mag ja sein. Aber ist das unser Kriterium für die uneingeschränkte Rückkehr zur Normalität, inklusive unseren Grundrechten?

    Herr Leonard,
    Den TIME-Artikel hatte ich bereits an anderer Stelle kommentiert, https://www.grenzecho.net/node/43909/paywall?page=1

  • Herr Schmitz, der schwedische Chefepidemiologe Anders Tegnell sagt es heute in einem Interview mit der Tageszeitung Die Zeit (https://www.zeit.de/wissen/2020-10/anders-tegnell-corona-lage-schweden-s...) sogar selbst:

    "Herdenimmunität anzustreben ist ethisch nicht vertretbar"

    und

    "In der Geschichte gab es bisher keine Infektionskrankheit, bei der eine Herdenimmunität die Übertragung vollends aufgehalten hat, ohne dass es zuvor eine Impfung gab"

    Wollen Sie immer noch nicht verstehen, dass dieser Weg nicht der richtige ist?

  • „Man wird einfach den Eindruck nicht los, dass unsere Experten, Politiker und Medien ihren Blick für’s Verrecken nicht nach Schweden richten wollen.“

    Dass der Herr Schmitz so die Contenance verliert und zur Vulgärsprache greifen muss, zeigt eine Dünnhäutigkeit bei einem sonst doch so kühlen Geist, der sich gerne in spitzfindigen juristischen und semantischen Analysen gefällt.
    Der Ausdruck ist im Kontext der jetzigen Pandemie angesichts der Patienten, die am Beatmungsgerät nach Luft ringen und langsam ersticken, ganz besonders deplatziert.

    Zum treffenden Kommentar von Herrn Leonard möchte ich hinzufügen, dass das schwedische Beispiel durchaus Aufmerksamkeit erregt. Man braucht nur zu googeln.

    Wo er anderswo so ähnlich eingeschlagen wurde, hat dieser „Sonderweg“ katastrophale Ergebnisse gezeigt und wurde früher oder später aufgegeben, zuletzt in den Niederlanden, die die belgischen Maßnahmen fast 1:1 kopiert haben:
    https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/niederlande-verschaerfen-coron...

    Aber auch in Schweden stößt er mehr und mehr auf Kritik. Selbst der Staatsepidemiologe Tegnell äußerte Anfang des Monats Zweifel
    https://www.rnd.de/gesundheit/corona-in-schweden-staatsepidemiologe-tegn...

    … und schließt „neue Maßnahmen bei einer entsprechenden Entwicklung“ nicht aus. Diese Entwicklung ist nun da, zumindest in der Universtätsstadt Uppsala:
    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/corona-in-schweden-strengere...

    P.S. Gerade gefunden:
    Flambée de cas de coronavirus à Waimes: 4% de la population contaminée après une kermesse et des obsèques
    https://www.rtbf.be/info/regions/liege/detail_coronavirus-flambee-de-cas...
    Gleiche Ursache, gleiche Wirkung. Manche wird’s freuen, stärkt das doch die Herdenimmunität.

  • Sehr geehrter Herr Schmitz
    Ich lege Ihnen nahe nach,Schweden umzusiedeln. Sie wären im Land Ihrer Träume und wir hätten einen Querulanten weniger.
    Eine echte Win Win Situation.

  • Es ist noch viel zu früh ist, den „schwedischen Weg“, der sich bisher mehr auf freiwillige Einschränkung der individuellen Freiheiten und Einsicht der Bevölkerung stützt, abschließend zu bewerten.

    Ein Erfolgsrezept - wenn man davon, angesichts der Tatsache, dass Schweden eines der Länder mit der höchsten Todesrate ist, überhaupt reden kann - ist das große Vertrauen der Menschen in ihre staatlichen Instanzen und die große Bereitschaft sich zum Wohle aller, an Regeln zu halten.

    Würden die Schweden allerdings - so wie Herr Schmitz - zum Querulantentum neigen, würde dieser schwedische Weg unzweifelhaft im Chaos enden.

    Zum jetzigen Zeitpunkt weißt Schweden rund 1500 Neuinfektionen und 5-7 Todesfälle täglich auf. Dies sind in etwa die gleichen Werte von Belgien vor 4-5 Wochen.
    Zwar ist angesichts einer wesentlich geringeren Bevölkerungsdichte nicht damit zu rechnen, dass die Zahlen in Schweden sich flächendeckend ähnlich dramatisch entwickeln, wie in unserem Land, besser als in Deutschland sind sie auch nicht.
    Insbesondere in der Studentenstadt Uppsala und Stockholm ist die Entwicklung besorgniserregend.

    Anders Tegnell, der schwedische Chefvirologe, hasst die Begriffe Lockdown und Maske zwar so, wie der Teufel das Weihwasser, dennoch gibt es immer mehr wissenschaftliche Stimmen in Schweden, die zumindest weiterreichende lokale oder regionale Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie fordern.
    Die tegnell’sche Maskenfeindlichkeit wird mittlerweile breit kritisiert.

    Der freiheitlichere Weg, mag - was zu beweisen ist - für schwedische Verhältnisse erfolgreich sein.
    In einem Land mit einer derart heterogenen Bevölkerung wie Belgien, in dem kaum Vertrauen in die staatlichen Instanzen herrscht und das Einhalten von Regeln und der Sinn für das Gemeinwohl weitaus weniger „ausgeprägt“ sind, wäre der schwedische Weg nichts anderes als Utopia.

    „Mehr“ Kohärenz und Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen, eine bessere Kommunikation und eine zumindest mittelfristig angelegte und kommunizierte Strategie wären im belgischen Chaos jedoch sicherlich „hilfreich“.
    Belgien scheitert an seinem politischen System und der „Laissez-faire - Laissez-aller“ Geisteshaltung eines zu großen Teiles seiner Bevölkerung.
    In einer sanitären Krise nun wirklich kein Erfolgsrezept.

    PS. Herr Schmitz hat den kürzlich hier geposteten Time-Artikel zu Schweden offensichtlich immer noch nicht gelesen:
    https://time.com/5899432/sweden-coronovirus-disaster/
    Auch die Welt titelte am 22.10: „Die Mär vom schwedischen Sonderweg.“

  • Lieber Herr Schmitz.
    Ich werde einfach den Eindruck nicht los, sorry für den Ausdruck, sie nicht alle Tassen im Schrank haben, leider kann man hier beim Grenz-Echo nicht die verschiedene Kommentare liken, und glauben sie mir, es ist ihr großes Glück, denn sie würden in Tränen ausbrechen wenn sie sehen würden das JEDER ihrer Kommentare nur von einer Handvoll Leute gelikt würde, und von denen vermutlich auch noch die Hälfte aus Versehen.

  • Und schon wieder liefert die deutsche Presseagentur (dpa) die passenden Nachrichten, die suggerieren, dass anscheinend massive Einschränkungen das alternativlose Mittel gegen die Pandemie seien.

    Man wird einfach den Eindruck nicht los, dass unsere Experten, Politiker und Medien ihren Blick für’s Verrecken nicht nach Schweden richten wollen. Dort wurde, wie alle wissen, eine ALTERNATIVE Politik betrieben.
    Ergebnis: Schweden ist das einzige hart getroffene Land in Europa, das keine zweite Welle bzgl. Todeszahlen erlebt, mit einer aktuellen Corona-Mortalität, die 60x geringer als in Belgien ist.
    Vielleicht sollten unsere Politiker auf eine Erklärung seitens der Virologen pochen, und sich nicht mit dem albernen Argument „geringe Bevölkerungsdichte“ abspeisen lassen, als ob die Schweden im riesigen Land gleichmäßig verteilt in Holzhütten ihr Dasein als Emerit fristen würden. Dass es die Bevölkerungsdichte nicht sein kann, erkennt man daran, dass das Virus im März/April in Schweden keinesfalls ein Problem mit dieser famosen „geringen Bevölkerungsdichte“ hatte.
    Siehe: https://ourworldindata.org/coronavirus-data-explorer?zoomToSelection=tru...

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