„Es gibt keine richtigen Winter mehr, Stürme nehmen an Häufigkeit und Heftigkeit zu, die Böden werden trockener. Wir alle spüren, dass sich unser Klima in den vergangenen Jahren merkbar verändert hat. Dass es den Klimawandel gibt, bestätigen auch 99 Prozent der Wissenschaftler. Nun haben wir zwei Optionen: Entweder wir reagieren jetzt, oder wir lassen die kommende Generation bezahlen. Ich halte es für deutlich gerechter, jetzt beherzt zu reagieren. Genau das tut die EU. Wir legen ambitiöse Klimaziele fest und investieren, damit die nächsten Generationen unter den Folgen nicht so sehr leiden müssen, wie sie es ohne Maßnahmen tun müssten“, erklärte Arimont in einer Pressemitteilung: „Unser Parlament hat diese Woche das Klimagesetz mit genau dieser Zielsetzung verabschiedet. Wir wollen 2050 als erster Kontinent der Erde klimaneutral sein – also ein Gleichgewicht zwischen unseren CO2-Emissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff erreichen. Das ist notwendig, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen – ein Grenzwert, der vom Weltklimarat als machbar eingestuft wird.“
Der ostbelgische EU-Abgeordnete sprach sich bei der entsprechenden Abstimmung für eine deutliche Anhebung der gesteckten CO2-Reduktionsziele aus. „Für den Fahrplan haben wir eine erste Etappe festgelegt, nämlich eine Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent im Vergleich zu 1990. Ich habe dieses sehr ambitionierte Ziel unterstützt, das ehrgeiziger ist, als die mindestens 55 Prozent Reduktion, die ursprünglich von der EU-Kommission vorgeschlagen wurden. Dieser Wert ist eine klare Ansage an EU-Kommission und Mitgliedstaaten. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass Europa in dem Bereich Klimaschutz Vorreiter werden muss. Das sind wir nicht nur den folgenden Generationen schuldig. Klimaschutz muss auch verstärkt als europäische Geschäftsidee begriffen werden, die Industrie und Arbeitsplätze in Europa hält und uns ein Alleinstellungsmerkmal in der Welt gibt“, so der EU-Abgeordnete.
Der Standpunkt des EU-Parlaments (392 Abgeordnete sprachen sich dafür aus, 161 dagegen, 142 Parlamentarier enthielten sich) muss nun in einem zweiten Schritt mit den EU-Mitgliedstaaten verhandelt werden. Deutschland vermittelt dabei, da es noch bis Ende des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft inne hat. Die Umweltministerin Svenja Schulze will eine Einigung aller EU-Institutionen bis Ende Dezember.
Das Klimaziel soll helfen, das Pariser Klimaschutzabkommen einzuhalten und die gefährliche Überhitzung der Erde zu stoppen. EU-Parlamentarier hatten kritisiert, dass im Vorschlag der EU-Kommission die CO2-Speicherkapazität von Wäldern und Böden in das Klimaziel angerechnet werden können. Sie sahen darin eine Verwässerung des Ziels und drehten nochmals an der Stellschraube. Die Position des EU-Parlaments sieht unter anderem auch Sanktionen bei der Nichterreichung des Ziels vor.
Der Vorsitzende des Umweltausschusses des Europaparlaments, Pascal Canfin, freute sich über das Ergebnis. Er sei stolz auf die Arbeit des Europaparlaments, schrieb Canfin nach Bekanntgabe der Abstimmung auf Twitter. Mit der Forderung gebe es große Fortschritte bei den Ambitionen des Klimaziels, so Canfin. (red/mv/dpa)

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