Eifel: „D’r Zoch kütt net“ in der Session 2021

<p>Ein Bild von der letzten Steika-Sitzung: Am Boden zerstört sind die Karnevalisten nicht, schließlich war die Absage zu erwarten.</p>
Ein Bild von der letzten Steika-Sitzung: Am Boden zerstört sind die Karnevalisten nicht, schließlich war die Absage zu erwarten.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und den Karneval nicht aus Bequemlichkeit abgesagt. Doch blieb uns angesichts der Umstände keine andere Wahl. Wir haben eine Verantwortung zu tragen, daher haben wir uns für die Absage entschlossen“, erklären die Steika-Vorstandsmitglieder Gilbert Calles, Pascal Gangolf und Pia Thelen stellvertretend für die angeschlossenen Vereine ihre Beweggründe.

Bei der Versammlung wurde „nicht lange diskutiert“, weil sich alle Akteure einig waren.

Bei der Generalversammlung der VoG wurde am Donnerstagabend nach eigenen Angaben „nicht lange diskutiert“ und es waren alle Mitglieder einverstanden, dass während der Session 2020/21 weder Kappensitzungen noch Karnevalsumzüge stattfinden können. „Entweder richtig Karneval oder gar nicht“, lautete die Devise, die schlussendlich zur Absage der karnevalistischen Höhepunkte der Session 2021 geführt hat.

Den Vertretern war an einer einhelligen Meinung gelegen: „Niemand hat gesagt, dass er sich eine Option offenhalten möchte“, berichtet Schriftführerin Pia Thelen. „Es haben alle an einem Strang gezogen. Für diese Einigkeit steht auch die Steika.“ Pascal Gangolf ist überzeugt, dass es dieses gemeinsame Handeln vor der Steika, die seit über 25 Jahren existiert, nicht gegeben hätte. „Damals gab es noch ein bisschen Konkurrenzkampf und fast jeder Verein kochte sein eigenes Süppchen.“ Im Laufe der Jahre habe sich der Zusammenhalt stetig verbessert, wovon das gemeinsame Auftreten in der aktuellen Lage zeugt. Fast alle Eifeler Karnevalsgesellschaften sind der VoG angeschlossen. Mit Weywertz und Burg-Reuland sind in dieser Woche zwei Mitglieder hinzugekommen, sodass es jetzt 14 an der Zahl sind.

Bestimmten Karnevalsgesellschaften wäre es aufgrund der Größe ihres Veranstaltungssaals zumindest theoretisch möglich gewesen, eine Sitzung mit reduzierter Zuschauerzahl und ausreichend Sicherheitsabstand durchzuführen. „Doch wollte der eine nicht von der Situation des anderen profitieren“, erklärt Pascal Gangolf und wird von Gilbert Calles ergänzt: „Sowieso wären solche Abende nur schwierig umzusetzen, weil es mit dem Alkohol ab einer gewissen Uhrzeit mit dem Sicherheitsabstand dahin ist.“ In diesem Sinne wollen die Veranstalter erst gar nicht in die Gefahr eines Bußgeldes kommen und noch dazu einer negativen Werbung vorbeugen: „Was wäre, wenn es plötzlich heißt, dort hätten sich die Leute in Massen angesteckt?“

Der finanzielle Aspekt spielt sicherlich auch eine wichtige Rolle. Ist der Saal nur halb gefüllt, landen auch nur halb so viele Einnahmen in den Kassen. Für viele Karnevalsgesellschaften ist das Budget für die Session bereits im Normalfall ein Drahtseilakt. Es wäre also schier unmöglich schwarze Zahlen zu schreiben, wenn diese Gelder fehlen würden. Dazu hätte jetzt die konkrete Planungsphase verbunden mit Genehmigungsanfragen usw. begonnen, fügt Pia Thelen an: „Wir mussten also jetzt wissen, wo wir stehen.“ Aus diesem Grund wollten die Veranstalter auch nicht erst eine Entscheidung der Behörden abwarten, die sowieso auf sich warten gelassen hätte. Der Nationale Sicherheitsrat stützt sich beim Erlass der Richtlinien auf die Entwicklung der Covid-19-Pandemie. Was gestern galt, kann bereits morgen gelockert oder verschärft werden. Planungssicherheit sieht für die Beteiligten anders aus.

Die Organisatoren wollten frühzeitig für Klarheit sorgen, auch im Sinne der Zugteilnehmer. Der Herbst ist bekanntlich die Zeit der Wagenbauer. Die Kostüme werden ausgesucht und die ersten baulichen Maßnahmen getroffen. Auch die Proben für die Kappensitzungen beginnen. Tanzgruppen formieren sich, während die Büttenredner an ihren Reden feilen. „Wir konnten schlecht zu ihnen sagen, dass sie schon mal proben sollen, um zwei Wochen vorher alles absagen zu müssen“, ist sich der Steika-Vorstand einig. Für St.Vith und Deidenberg bedeutet die Absage, dass es das zweite Jahr in Folge keinen Umzug geben wird. Dieses Jahr hatte eine Sturmwarnung die Karnevalisten ausgebremst. Für Grüfflingen ist es sogar die zweite coronabedingte Absage: Die KG „Spitz pass auf“ wollte im März eigentlich erstmals einen Nachtzug organisieren und muss sich jetzt auch bis 2022 gedulden.

Was die Karnevalsprinzen angeht, werden diese wohl ein zusätzliches Jahr im Amt bleiben, wie am Donnerstag aus diversen Karnevalshochburgen zu erfahren war.

Die Absage betrifft nur die Veranstaltungen mit Publikum.

Seit der Bekanntgabe des Beschlusses ist Gilbert Calles mehrmals auf das Möhnentreiben angesprochen worden. Der Steika-Präsident ruft in Erinnerung, dass die VoG lediglich einen Einfluss auf die organisierten Veranstaltungen mit Publikumsandrang habe. Was also am Möhnendonnerstag in den einzelnen Ortschaften läuft, bleibt eine Entscheidung der Gemeinden.

Nächsten Monat hätte übrigens die im Drei-Jahres-Rhythmus stattfindende Steika-Sitzung angestanden. Diese kommt immer einem guten Zweck zu bzw. mit dem Reinerlös wird ein Hilfsfond gespeist, der bedürftigen Menschen aus der Region unter die Arme greift. Jetzt hätte die Absage der Veranstaltung eigentlich dazu geführt, dass der Topf leer bleibt. Doch wollten die Karnevalsvereine ein Zeichen setzen und werden allesamt einen Beitrag spenden, bestätigt Pia Thelen. „Das zeigt, dass wir diese Menschen nicht hängen lassen, obwohl wir keine Einnahmen haben.“

<p>Gute Laune beim diesjährigen Karnevalsumzug in Bütgenbach: Diese Bilder werden wir im nächsten Jahr nicht sehen.</p>
Gute Laune beim diesjährigen Karnevalsumzug in Bütgenbach: Diese Bilder werden wir im nächsten Jahr nicht sehen. | Foto: GE-Archiv

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