Was wird aus Lionel Messi?

<p>Bleibt er oder geht er? Gerüchte um einen Abgang von Lionel Messi reißen nicht ab.</p>
Bleibt er oder geht er? Gerüchte um einen Abgang von Lionel Messi reißen nicht ab. | Foto: belga

Als die Bosse des FC Barcelona am Montag stundenlang über den Rauswurf von Quique Setien berieten, galt das Schicksal des Trainers längst als besiegelt – und die für viele entscheidende Personalie rückte in den Fokus: Was wird aus Lionel Messi? Angeblich soll der argentinische Superstar unter dem Einfluss der 2:8-Klatsche gegen Bayern München sogar schon um seine Freigabe gebeten haben.

Barcelona ohne Messi – es wäre so etwas wie die Stunde Null bei den stolzen Katalanen. Zeit seines Fußballerlebens spielt Messi für Barca und stieg in seinen 16 Profijahren zum besten Kicker des Planeten auf. Er absolvierte 485 Ligaspiele (444 Tore) und 143 Einsätze in der Champions League (115 Treffer), gewann Titel zuhauf, prägte eine Ära.

Diese Epoche könnte nach der ersten titellosen Spielzeit seit sechs Jahren tatsächlich vorbei sein. Zwar mühte sich die Klubführung um den heftig in der Kritik stehenden Präsidenten Josep Bartomeu nach Kräften, die Berichte zu dementieren. Doch laut dem gewöhnlich gut informierten brasilianischen Sender Esporte Interativo habe Messi, dessen Vertrag bei den Spaniern im kommenden Jahr ausläuft, die Verantwortlichen bereits über seinen Wechselwunsch informiert. Als mögliche Ziele Messis gelten Manchester City mit seinem alten Lehrmeister Pep Guardiola und Inter Mailand um Nationalspieler Romelu Lukaku. Vor allem die Italiener sollen dank der Millionen ihres chinesischen Eigentümers, der Suning Holdings Group, laut Medienberichten zu einer großangelegten Offensive bereit sein, um den sechsmaligen Weltfußballer nach Italien zu lotsen.

„Verrückte Idee: Messi will Barca verlassen, und Inter hofft“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Manchester City habe zwar mehr Geld als Inter, hieß es in dem Bericht, „doch in Großbritannien gibt es nicht die Steueranreize, die das Leben Messis erleichtern würden“.

Beflügelt werden die Spekulationen von Berichten, nach denen sich Messi ein Penthouse im exklusiven Mailänder Hochhaus Torre Solaria, unweit von Inters Hauptquartier, gekauft hat. Auch sein Vater Jorge soll eine Wohnung in der lombardischen Hauptstadt gekauft haben, um von Steueranreizen zu profitieren, die Italien für Ausländer eingeführt hat. Ob mit Messi oder ohne - für Barcelona ist ein sportlicher Neuanfang mit neuem Trainer alternativlos. Schon vor der Bayern-Schmach mussten Barca-Anhänger im Saison-Endspurt von La Liga konstatieren: Das Team wirkt satt und hat mit alternden Profis wie Jordi Alba (31), Sergio Busquets (32), Gerard Pique (33), Luis Suárez (33) und Arturo Vidal (33) seinen Zenit überschritten.

„Wir sind am Tiefpunkt angelangt“, hatte Pique nach dem Bayern-Spiel konstatiert: „Der Klub braucht Veränderungen. Keiner ist unantastbar, am allerwenigsten ich. Um das zu ändern, ist frisches Blut nötig.“ Ob Messi mit seinen ebenfalls schon 33 Jahren das Gesicht für einen Neustart sein kann, sein will und sein darf, muss bezweifelt werden. Denn das unter Schulden ächzende Barcelona könnte die zig Millionen für einen sofortigen Messi-Transfer ziemlich gut gebrauchen. Zumal die totale Fokussierung auf den kleinen Argentinier das Barca-Spiel zuletzt immer wieder auch zu lähmen schien statt zu beflügeln. Kritiker sehen Barcelona gar seit dem Gewinn des Triple 2015 im sportlichen Sinkflug.

Zumindest mit entscheidend in der Messi-Frage dürfte am Ende der neue Mann auf der sportlichen Kommandobrücke. Als Favorit auf die Nachfolge Setiens gilt der niederländische Nationaltrainer Ronald Koeman. Koeman hatte von 1989 bis 1995 für Barca gespielt und gewann in dieser Zeit den Europapokal der Landesmeister (1992) und viermal die spanische Meisterschaft. Auch der Argentinier Mauricio Pochettino, der bis 2019 Tottenham betreut hatte, und Klublegende Xavi, aktuell in Katar beschäftigt, zählen zu den Kandidaten. (sid/mn)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment