Jetzt also Rafael Nadal. Die Nummer zwei der Welt. Und der Titelverteidiger bei den US Open. Der mit einem fünften Triumph in New York gleichgezogen hätte mit Rekordhalter Roger Federer, der bislang 20 Mal bei den vier Grand Slams gewann. Doch auch beim Spanier siegte angesichts der Corona-Pandemie erst einmal die Vernunft, und so teilte er am Dienstagabend mit: „Das ist eine Entscheidung, die ich nie treffen wollte, aber ich werde meinem Herzen folgen. Momentan möchte ich lieber nicht reisen.“
Momentan trifft Nadal seine Entscheidungen lieber mit Rücksicht auf die Auswirkungen des Coronavirus. Deshalb ließ er am Mittwoch bei einer virtuellen Pressekonferenz aus seiner Heimat Mallorca auch seinen Start bei den French Open (ab 27. September) offen. „Ich werde mich auf die Sandplatzsaison in Europa vorbereiten, und wenn die Zeit gekommen ist, werden wir sehen, wie die Situation in Europa ist und ob alles unter Kontrolle ist oder nicht, und danach werde ich meine Entscheidung treffen.“
Die Sandplatzsaison soll nach der Absage des Masters-Turniers in Madrid (geplant ab 13. September) am 20. September in Rom beginnen. Zuvor wollen die Veranstalter der US Open unbedingt vom 31. August bis zum 13. September das erst zweite der vier Grand-Slam-Turniere durchziehen. Allerdings laufen ihnen die Attraktionen davon: Vor Nadal hatten bereits die australische Weltranglistenerste Ash Barty sowie ihr Landsmann Nick Kyrgios ihre Teilnahme abgesagt.
Nadal hält das Programm „nach vier Monaten ohne Spiel für barbarisch“.
Da auch Roger Federer in Flushing Meadows verletzungsbedingt fehlen wird, werden die US Open 2020 der erste Grand Slam seit den US Open 1999 sein, bei denen weder der Schweizer noch sein ewiger Rivale aus Mallorca im Hauptfeld stehen. Hauptgrund für die Absage von Nadal ist nach dessen Worten seine Unsicherheit wegen der Corona-Pandemie. „Die weltweite Situation ist sehr kompliziert, die COVID-19-Fallzahlen steigen, es sieht aus, als hätten wir noch immer keine Kontrolle“, sagte er.
Allerdings stört sich Nadal auch am Turnierkalender, in den nach der Spielpause noch möglichst viele Großturniere gepresst werden sollen: Nadal hält das Programm „nach vier Monaten ohne Spiel für barbarisch“. Sollte er wegen der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Unwägbarkeiten auch auf die French Open verzichten, könnte der „König von Roland Garros“ auch dort seinen Titel nicht verteidigen. Nadal war seit 2005 stets in Paris, mit zwölf Titeln ist er Rekordsieger.
Davon abgesehen ist seit Wochen zu beobachten, dass die Zweifel der Spieler an einem Start bei den US Open wachsen. Zu ihnen gehört auch Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev, der sich sich am vergangenen Wochenende hin- und hergerissen gab. „Ich würde es lieber haben“, sagte er, „wenn die US Open nicht stattfinden. Aber wenn sie stattfinden, was sollen wir Spieler machen? Es geht ja auch um Ranglistenpunkte.“ Nadal dagegen wird seine Punkte aus dem Vorjahr nicht verlieren. (sid)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren