Auch wenn der Juli bisher nicht den Vorstellungen eines sonnigen Sommermonats entspricht, bedeutet das nicht, dass sich die Niederschlagsmenge auf einem „normalen“ Niveau befindet. Das Königliche Observatorium in Uccle kommt derzeit auf einen Wert von 40,6 Millimetern. Die dortigen Wissenschaftler gehen davon aus, dass die voraussichtlich wenigen zusätzlichen Millimeter Regen, die bis zum Ende des Monats fallen werden, nicht die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Juli erreichen wird. Diese beträgt 73,5 Millimeter.
Was die Regenfälle betrifft, so waren die Monate April und Mai katastrophal – in Uccle kommt man auf einen Wert von knapp 24,4 Millimetern. Die Zeitspanne folgte auf zwei Monate mit übermäßigen Regenfällen. „Dies war besonders im Februar der Fall“, erklärte David Dehenauw, Meteorologe am Königlichen Meteorologischen Institut, gegenüber den Tageszeitungen der „Sudpresse“-Gruppe.
Trend zu mehr Hoch- und weniger Tiefdruckgebieten.
Er zeigte sich zutiefst besorgt angesichts der Dürreperioden, die Belgien in den vergangenen dreieinhalb Jahren durchlaufen hat. „Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was passiert, ist es so, als hätten wir in den vergangenen dreieinhalb Jahren sechs Monate gehabt, in denen überhaupt nicht geregnet hat. Um dieses Defizit auszugleichen, müssen wir bestenfalls bis 2022 warten. Das würde wiederum bedeuten, dass es bis 2022 monatlich 20 Millimeter mehr regnen müsste“, so Dehenauw. Davon sei aber in der nächsten Zeit nicht auszugehen. „Es hat Jahre gedauert, um dieses Defizit zu erreichen, und wir wissen nicht, ob es jemals wieder aufgeholt werden kann, und wir wieder ins Gleichgewicht kommen“ fuhr der Meteorologe fort. Vor dem Hintergrund der letzten 90 Regentage, die in Belgien verzeichnet wurden, sei davon auszugehen, dass Belgien bald die Kategorie „extrem trocken“ erreichen werde.
Wirft man einen Blick auf den MRT-Trockenheitsindex für den Zeitraum vom 4. Mai bis zum 1. August, könne man erkennen, dass ein großer Teil der Wallonie von zunehmender Dürre bedroht ist. Das ließe sich zum Teil durch die ausgebliebenen Regenfälle im Juni erklären. „Hennegau, Wallonisch-Brabant und Gebiete nördlich von Lüttich sowie südwestlich von Namur hatten beispielsweise 50 Prozent weniger Niederschlag als normal“, stellte Dehenauw fest. Und da es gerade in diesen Regionen des Landes im April und Mai kaum geregnet habe, sei nachvollziehbar, warum eben hauptsächlich die Wallonie im Gegensatz zum Norden des Landes betroffen sei.
Ein Trend, der sich mittlerweile seit Januar 2017 verfestigt. „Uns fehlen etwas mehr als 400 Millimeter, weil wir viel mit mehr Hochdruck- als Tiefdruckgebieten zu tun haben“, erklärte Dehenauw: „Der Jetstream (A.d.R: ein starker Luftstrom in der Tropo- oder Stratosphäre) bleibt blockiert, und der thermische Kontrast zwischen Nordpol und Äquator ist sehr gering. Nicht umsonst hatten wir 2018 und 2019 in Nordskandinavien Temperaturrekorde und in diesem Jahr Waldbrände in Sibirien. Nicht zu vergessen das Abschmelzen des Eises im letzten Sommer in Grönland“, ordnete der Meteorologe die Phänomene ein. Der in immer häufigerem Maße blockierte Jetstream würde diese Entwicklungen hervorrufen und den Mangel an Niederschlag erklären. (belga)

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