Lufthansa könnte Brussels Airlines opfern – Großaktionär besorgt sich frisches Geld

<p>Eine Maschine von Brussels Airlines steht auf dem Rollfeld in Zaventem.</p>
Eine Maschine von Brussels Airlines steht auf dem Rollfeld in Zaventem. | Foto: belga

Zur Erinnerung: Die belgische Regierung und die Lufthansa verhandeln seit Wochen über ein Hilfspaket in Form von (vorrangig) Darlehen in Höhe von rund 300 Millionen Euro. „Es gibt keine Pläne, Brussels Airlines zu verkaufen“, erklärte Andreas Bartels, Kommunikationschef des deutschen Konzerns, der Zeitung: „Wir hoffen, dass wir eine Einigung mit dem belgischen Staat erzielen können.“

„La Libre“ behauptet jedoch unter Berufung auf mehrere Quellen, dass die Lufthansa ihre belgische Tochter in Konkurs gehen lassen wird, wenn es keine Sozialvereinbarung zwischen der Geschäftsführung von Brussels Airlines und den Gewerkschaften gibt. Solch eine Einigung ist jedoch immer noch nicht in Sicht. Vor allem die Piloten stellen sich quer, da sie bestimmte Managementvorschläge als „unannehmbar“ bezeichnen. Brussels Airlines plant den Abbau von fast 1.000 der insgesamt 4.000 Arbeitsplätze.

Derweil spielt sich auch in Deutschland viel hinter den Kulissen ab. Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele besorgte sich vor der entscheidenden außerordentlichen Hauptversammlung zum Staatseinstieg frisches Geld. Die von ihm kontrollierte KB Holding teilte am Donnerstagabend mit, acht Millionen Aktien von Knorr-Bremse zu verkaufen. Der Ertrag der Transaktion solle der Unterstützung der anderen privaten Investments von Thiele dienen, hieß es in der Mitteilung.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am späten Donnerstagabend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente, dass der Preis für die verkauften Papiere bei 91 Euro je Anteilschein liege. Der Erlös für Thiele beträgt damit mehr als 700 Millionen Euro. Der Schlusskurs der Knorr-Bremse-Aktie im Xetra-Hauptgeschäft lag bei 95,31 Euro.

Erst am Dienstagabend war bekannt geworden, dass der bekannte Milliardär seinen Anteil an der Lufthansa kräftig auf 15 Prozent aufgestockt hatte. „Die Aufstockung ist kein Signal, auf der Hauptversammlung gegen irgendetwas zu stimmen“, hatte Thiele der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwochausgabe) gesagt. Er kritisierte aber, dass Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht die mit dem Bund behandelten Alternativen zum Einsteig des deutschen Staates benannt habe. „Ich sehe aber jetzt eine Chance, das Thema noch einmal aufzumachen.“

Der Konzern hatte daraufhin vor einem Scheitern des staatlichen Rettungspakets gewarnt. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung sei nicht ausgeschlossen, sollten die Aktionäre am kommenden Donnerstag (25. Juni) nicht zustimmen, hieß es. Die Fluggesellschaft befürchtet, dass Thiele angesichts der üblicherweise schwachen Präsenz von Aktionären auf Hauptversammlungen den Rettungsplan blockieren könnte.

Der neun Milliarden Euro umfassende Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20 Prozent am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

Im Gegenzug für die Hilfe muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben. Spohr will den Anteilseignern zudem ein Sparkonzept präsentieren. Es drohen Stellenabbau und herbe Einschnitte. (mv/belga/dpa)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment