Entführungsfall in Genk: El Haski, Bouloudo und Laktit bleiben in U-Haft

<p>Rechtsanwalt Hans Valkenborg</p>
Rechtsanwalt Hans Valkenborg | Foto: belga

El Haskis Rechtsanwalt Hans Valkenborg beantragte am Dienstag im Gerichtssaal von Tongern die bedingte Freilassung des 44-jährigen Lahoussine El Haski. Das Gericht beschuldigt El Haski der Geiselnahme und verdächtigt ihn, neben seinem Schwager, dem 45-jährigen Islamisten Khalid Bouloudo, eine führende Figur innerhalb der kriminellen Organisation zu sein, die hinter der Geiselnahme des Jungen steht.

El Haski bestreitet jedoch die Beteiligung an der Geiselnahme. Er war vorher auf Antrag seines Anwalts aus dem Gefängnis von Brügge nach Tongern verlegt worden. Zusätzlich zu der bedingten Freilassung beantragte Rechtsanwalt Valkenborg eine elektronische Überwachung. Wegen der Anwesenheit von El Haski waren im Gerichtsgebäude in Tongern zusätzliche Polizeikräfte anwesend.

Lahoussine El Haski ist der ehemalige Anführer der Terrororganisation GICM („Groupe Islamique Combattant Marocain) und wird der Entführung eines Minderjährigen sowie der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verdächtigt. Die GICM soll hinter den Anschlägen in Madrid und Casablanca stecken. Er war 2006 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden, aber das Urteil wurde aufgehoben. Nach Angaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg war er ohne klare Beweise wegen Beteiligung an Terroranschlägen verurteilt worden.

Der Rechtsanwalt plädierte für die Unschuld seines Mandanten: „Wir hatten die Gelegenheit, die Akte vollständig durchzugehen. Ich habe um die sofortige Freilassung meines Mandanten gebeten, weil es meiner Meinung nach nicht genügend ernsthafte Anzeichen für eine Schuld gibt. Nichts deutet darauf hin, dass er in diesem Fall eine führende Rolle gespielt hat. Ich finde es höchst merkwürdig, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt vorgebracht wird. In der Fallakte, die mehr als 1.500 Seiten umfasst, sehe ich den Namen meines Mandanten nur auf drei Seiten, im Rest der Akte sehe ich sonst nichts über ihn. Ich kann ihn auch nicht mit einer objektiv festgestellten Straftat in Verbindung bringen. Meiner Meinung nach gibt es da nur die familiäre Beziehung. In der gesamten Akte sehe ich keine ernsthaften Anzeichen für eine Schuld“, sagte El Haskis Rechtsanwalt Hans Valkenborg, als er am Dienstagmorgen das Gerichtsgebäude in Tongern verließ.

El Haskis Frau und Khalid Bouloudos Schwester, Samira Bouloudo, sollte ebenfalls vor Gericht erscheinen, sie wurde aber vom Rechtsanwalt Michiel Van Kelecom vertreten. Sie befindet sich derzeit im Gefängnis von Hasselt. Van Kelecom wollte nach der Gerichtsverhandlung keinen Kommentar dazu abgeben. Dienstagmittag bestätigte das Gericht in Tongern dann, dass El Haski, seine Frau Samira Bouloudo und Mohamed Laktit, ein weiterer Verdächtiger, in Untersuchungshaft bleiben. Die bedingte Freilassung von Mohamed Laktit wurde nach dem Auftreten neuer belastender Elemente widerrufen, wie sein Anwalt Gino Houbrechts berichtete. Der Mann war vor zwei Wochen unter Auflagen entlassen worden. Eine Summe von 400 bis 500 Euro, die vermutlich Teil des Lösegeldes ist, wurde angeblich in seinem Besitz gefunden.

Nun sind alle festgenommenen Verdächtigen in dem Entführungsfall vor dem Gerichtssaal in Tongern erschienen. Am vergangenen Dienstag wurden sechs Verdächtige vom Gericht in Tongern bestätigt. Es handelte sich dabei um Khalid Bouloudo, Bouloudos andere Schwester Naima, sein Bruder Aziz, Omar L., Gülhan Y. und Yousef A. Bereits am Freitag, 5. Juni, bestätigte der Anwalt die Verhaftung der ebenfalls verdächtigen Brüder Abderrahman und von Yassin L. aus Antwerpen. Sie bestritten jede Verbindung zur Radikalisierung und ihre Beteiligung an der Entführung.

Der Fall hatte Anfang des Monats für Schlagzeilen gesorgt: Ein 13-jähriger Junge, der Sohn von Erhan T., der wegen großangelegten Handels mit Heroin, Kokain und Ecstasy zu sechs Jahren Haft in Tongeren verurteilt worden war, wurde Mitte April von schwer bewaffneten und maskierten Gewalttätern aus seinem Elternhaus in Genk entführt. Die Eltern waren vor dem Ramadan nach Marokko aufgebrochen, konnten aber wegen der Coronakrise nicht zurückkehren. Der Junge kam nach 42 Tagen unversehrt wieder frei. Der Freilassung voraus gingen mehrmalige Kontakte zwischen den Entführern und den Justizbehörden, und schließlich wurde ein Lösegeld in Höhe von 330.000 Euro gezahlt.

Die beiden Bouloudo-Schwestern, Naima und Samira, hätten im Elternhaus des Jungen eine Rolle gespielt. Naima bestreitet jede Beteiligung. Sie behauptet, immer gearbeitet und nur den Briefkasten des Hauses geleert zu haben. Ganz zum Schluss habe sie mit einigen Familienmitgliedern das Elternhaus gereinigt. (belga)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment