Familienbesuche und Einkäufe im Ausland sind ab Samstag wieder erlaubt

<p>Familienbesuche und Einkäufe im Ausland sind ab Samstag wieder erlaubt</p>
Illustrationsfoto: Photo News

Ein „sehr dickes Brett“ sei es gewesen, das man habe durchbohren müssen, erklärte Ministerpräsident Oliver Paasch am Freitagabend. Nach Wochen des unermüdlichen Einsatzes sei es nun ab Samstag wieder möglich, für Familienbesuche und Einkäufe die Grenzen zu passieren, die im Zuge Coronakrise für alle nicht-essenziellen Fahrten geschlossen worden waren.

Nun also der Durchbruch: „Die Grenzen werden endlich für Familien und Einkäufe wieder geöffnet. Weil wir uns auf allen möglichen Ebenen über Wochen hinweg für eine Grenzöffnung eingesetzt haben, konnten wir durchsetzen, dass Familienbesuche und Einkäufe ab Samstag wieder grenzüberschreitend erlaubt sind. Gleichwohl bleiben touristische Fahrten ins benachbarte Ausland untersagt“, hatten zuvor bereits die Mitglieder der der Arbeitsgruppe EU-DG, der neben dem Ministerpräsidenten auch der EU-Abgeordnete Pascal Arimont sowie DG-Parlamentspräsident und AdR-Mitglied Karl-Heinz Lambertz angehören, in einer gemeinsamen Mitteilung erklärt. Durch diese überfällige Entscheidung erhielten insbesondere die Menschen in der Grenzregion ein Stück Normalität und europäische Lebenswirklichkeit zurück. „Die Situation war in den vergangenen Wochen insbesondere für die getrennten Familien unhaltbar geworden. Wir haben bei jeder Gelegenheit auf diese schmerzhafte Situation hingewiesen“, so die ostbelgischen Politiker.

Die Mitglieder der AG blicken zudem zuversichtlich auf die nächste Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats (NSR), die am Mittwoch in Brüssel stattfinden wird. „Wir hoffen, dass alle Grenzkontrollen spätestens am 8. Juni 2020 eingestellt werden“, erklärten die Mitglieder der Arbeitsgruppe. Ministerpräsident Paasch präzisierte, dass dies jedoch nicht sicher sei. Der Innenminister plädiere bisher für den 15. Juni, um eine Gleichheit mit der Grenzsituation nach Frankreich herzustellen, der NSR müsse nun eine diesbezügliche Entscheidung treffen. „Das Wichtigste war zunächst, Familienbesuche zu ermöglichen“, stellte Paasch klar. Er sei selbst in einer Situation der familiären Trennung - seine Mutter wohnt wenige Kilometer jenseits der Grenze - und habe sich daher mit den zahlreichen Rufen nach einer Grenzöffnung identifizieren können. Einkäufe im Ausland seien unterdessen „im Sinne der europäischen Idee“, so Paasch.

Die Mitglieder der AG wiesen darauf hin, man habe auf innerbelgischer und europäischer Ebene die Notwendigkeit der Grenzöffnung „konsequent zur Sprache gebracht und auf eine schnelle Grenzöffnung gedrängt“. Als „besonders wertvoll“ bewerte die AG auch die Bemühungen der ostbelgischen Föderalabgeordneten Kattrin Jadin (PFF/MR). Ihre Interventionen in der föderalen Kammer seien wichtig gewesen, um Druck auszuüben. Man habe „sehr gut mit der föderalen Abgeordneten zusammengearbeitet.“

Die Entscheidung sei „das gemeinsame Ergebnis parteiübergreifender Anstrengungen von ostbelgischen Politikern unterschiedlicher Couleur auf allen Entscheidungsebenen.“ Man verlange „viel Solidarität von der Bevölkerung. Also müssen auch die Politiker solidarisch sein“, heißt es weiter. Dass die Grenzöffnung auf sich habe warten lassen, liege auch daran, dass bei manchen innerbelgischen Partnern Sorge aufgrund unterschiedlicher Situationen im Horeca-Bereich bestanden, sagte Paasch mit dem Verweis auf die geöffneten Restaurants im benachbarten Ausland. Gleichzeitig betonte er, dass der Besuch einer Gaststätte nicht in den Bereich des Erlaubten fällt. Hier setze man auf das Vertrauen in die Bevölkerung, sich weiterhin an die geltenden Regeln zu halten, und „gesunden Menschenverstand“ walten zu lassen. Dies gelte ebenso für die „Vier-Personen-Regel“ bei den sozialen Kontakten. Wenngleich auch hier Aussicht auf eine Lockerung bestünde. (svm/red)

Kommentare

  • ... aufpassen die Cafés und Restaurant dürfen noch nicht besucht werden...

  • Es scheint nicht jeder versatnden zu haben, dass Belgien das Land mit den meisten Toten, bezogen auf die Zahl der Bevölkerung ist. Somit gibt es wohl kaum einen Grund aus belgischer Sicht, vermeintlichen Schutz gegen die Nachbarländer aufzubauen. In allen Nachbarländern war es immer sicherer, als in Belgien.
    Dass die belgische Regierung uns im Grenzgebiet wohnende Bürger derart hängen gelassen hat, habe ich mir nicht vorstellen können.
    Anfangs hatte ich großes Verständnis für die Schließung der Grenzen. Aber dann gab es immer absurdere Maßnahmen: Grenzpendler, die im Ausland arbeiten, durften dort nicht einkaufen. Wenn ich nach der Arbeit zurück nach Belgien kam, waren die Geschäfte in Belgien nicht mehr geöffnet.
    Dann durfte man auch wieder als Grenzpendler im Ausland einkaufen, aber nicht seine Familie besuchen.
    Jetzt darf man endlich wieder die Familie besuchen und sogar zum Einkaufen ins Ausland fahren, dort aber nicht in einem Restaurant essen gehen.
    Ein kleiner Tip meinerseits: Man sollte niemals Vorschriften erlassen, deren Einhaltung man nicht überprüfen kann, denn ansonsten werden auch sinnvolle Maßnahmen nicht mehr befolgt, weil die Absurdität der Anordnungen für jeden Menschen leicht erkennbar ist.
    Manfred Jantz

  • Bleibt zu hoffen, dass wir morgen, wenn wir die Geschäfte, Cafés und Restaurants in Aachen stürmen nicht vergessen, warum die Grenzen (zu?) lange geschlossen waren.
    Die „Maskenpflicht“ in Deutschland wird uns glücklicherweise daran erinnern.

    Auch heute starben in Belgien 45 Menschen an/mit Covid 19.

    Weltweit erreicht die Zahl der Covid-Infizierten fast täglich neue Höchstmarken. Gestern waren es 116.304.

    Das „Corona-Paradies“ Schweden ist das einzige europäische Land, in dem die Entwicklung der Pandemie nicht rückläufig ist.
    Der „etwas andere Sommer in Schweden“ und der klammheimliche Traum von der kostenlosen Herdenimmunität... kostet halt nur unnötig vielen Menschen das Leben.

    Hauptsache, , die Geschäfte haben geöffnet.

    Wir haben es uns verdient!

  • Wie sagte der französische Geschichtsphilosoph Joseph De Maitre : " Toute nation a le gouvernement qu´` elle a mérité"

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