Bei den Beratungen innerhalb der Europäischen Union zum Abbau der Reisebeschränkungen vor den Sommerferien gibt es erste Fortschritte. Nach Videokonferenzen am Mittwoch zwischen Deutschland, Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Polen, der Tschechischen Republik und der Schweiz herrschte Zuversicht, dass die weltweite Reisewarnung nach dem 14. Juni zumindest für die Europäische Union aufgehoben werden kann. In den ersten beiden Beratungsrunden sei man diesem Ziel „ein gutes Stück näher gekommen“, hieß es auf deutscher Seite. Die Videokonferenz diente dazu, die Aufhebung von Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie und die Lockerung von Quarantänemaßnahmen mit Blick auf den Sommerurlaub vorzubereiten. Außerdem ging es darum, wie der Schutz der Urlauber vor einer Infektion gewährleistet werden kann. Auch die EU-Tourismusminister berieten am Mittwoch über den Sommerurlaub (siehe Seite 2).
„Der freie Verkehr und Reisefreiheit in ganz Europa ist ein grundlegender Aspekt des europäischen Projekts“, sagte der belgische Außenminister Philippe Goffin (MR). Er betonte, dass die Sicherheit dabei im Vordergrund stehen müsse„Unser Ziel ist die Wiederherstellung der Bewegungsfreiheit. Aber es ist klar, dass wir dabei nicht Gefahr laufen dürfen, den Nutzen aus den beträchtlichen Anstrengungen zur Bekämpfung der Pandemie wieder zu verlieren. Es ist wichtig, sich in Europa sicher bewegen zu können.“
Die zehn Minister begrüßten die Leitlinien, die die EU-Kommission am 13. Mai über ein schrittweises und koordiniertes Vorgehen zur Wiederherstellung der Bewegungsfreiheit und zur Aufhebung der Kontrollen an den Binnengrenzen veröffentlicht hatte. „Diese Richtlinien stellen eine wichtige Grundlage für die Diskussionen dar, um sich auf Kriterien für die nächsten Schritte zu einigen“, betonte Goffin. „Um Probleme bei der Aufhebung von Beschränkungen zu vermeiden, müssen wir die Situation auf beiden Seiten der Grenze in wichtigen Sektoren wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe oder dem Zugang zu touristischen Einrichtungen beachten. Die EU- und Schengen-Mitgliedstaaten, insbesondere diejenigen mit einer gemeinsamen Grenze, sollten sich über die Bedingungen für eine schrittweise Aufhebung der Grenzbeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und die Wiederherstellung der grenzüberschreitenden Verkehrsdienste eng abstimmen“, fügte er hinzu. „Auch wenn die Situation derzeit von Land zu Land unterschiedlich ist, besteht unser gemeinsames Ziel darin, unser Vorgehen zwischen den europäischen Partnern so eng wie möglich zu koordinieren“, so Goffin abschließen, der das Thema bereits am Sonntag und Montag mit seinen französischen, niederländischen, deutschen und luxemburgischen Amtskollegen diskutiert hatte.
„Wir wollen auch in diesem Jahr der Coronakrise einen europäischen Sommerurlaub möglich machen - aber unter verantwortbaren Umständen“, sagte auch der der deutsche Außenminister Heiko Maas. „Klar ist: Wir wollen kein europäisches Wettbieten um Touristen.“ Die Regierung in Berlin strebt ein koordiniertes Vorgehen in der EU an. Ausgerechnet das besonders stark von der Corona-Pandemie betroffene Italien prescht aber jetzt schon vor und will seine Flughäfen ab dem 3. Juni wieder öffnen. Dann soll es auch keine Quarantäne mehr für EU-Bürger geben.
Die italienische Region Venetien mit der Unesco-Stadt Venedig wirbt bereits offensiv um Urlauber. „Wir sind geöffnet, wir sind die Region, die sofort wieder die Strände geöffnet hat“, sagte Regionalpräsident Luca Zaia am Mittwoch vor Auslandsjournalisten in Rom. „Wir sind bereit, Menschen aus aller Welt zu empfangen.“ Venetien. Er garantiere allen Reisenden einen „Covid-freien“ Urlaub, weil das Gesundheitssystem der Region exzellent sei. „Ich bin optimistisch, was die Sommersaison angeht.“
In der norditalienischen Region war im Februar einer der beiden ersten Corona-Ausbrüche in Italien bekanntgeworden. Im Gegensatz zur Lombardei bekam Venetien die Krise allerdings besser in den Griff, auch weil viel getestet wurde. Die Region zählt insgesamt rund 19 000 Infektionen und 1800 Tote. Italien will ab dem 3. Juni die Grenzen für Besucher aus dem Ausland wieder öffnen. (dpa/belga)

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