Die Auftragslage bei den hiesigen Baubetrieben entwickelte sich in den ersten Monaten dieses Jahres recht positiv. Doch dann kam die Coronakrise, die den Trend brach. Zum Zeitpunkt der Umfrage war der Aktivitätsgrad nach Einschätzung der Teilnehmer im Durchschnitt bereits um 30 Prozent im Vergleich zum normalen Betrieb gesunken. Umsatzmäßig schätzen 43 Prozent der Befragten den Verlust im Vergleich zum Vorjahr (für die Monate März und April) auf weniger als 20 Prozent ein. „Sie werden wahrscheinlich mit einem blauen Auge davonkommen“, heißt es in der Einschätzung des Regionalverbandes. Besorgniserregend sei jedoch, dass 24 Prozent der Befragten, also jedes vierte Unternehmen, bereits jetzt einen Rückgang ihres Umsatzes um mehr als 50 Prozent verzeichneten.
Viele Unternehmen würden diese Umsatzeinbußen dank ihrer historisch aufgebauten Rücklagen überwinden können, vorausgesetzt die Wirtschaft ziehe jetzt schnell wieder an. Doch 38 Prozent der befragten Betriebsleiter aus dem ostbelgischen Bausektor befürchtet früher oder später existenzielle Probleme. Vier Prozent der Befragten bangen bereits in diesem Monat um die Zukunft ihres Unternehmens.
Für weitere sechs Prozent der Befragten wäre dies ab dem Monat Juni der Fall, wenn die Wirtschaft bis dahin nicht wieder auf volle Touren dreht, bei zwölf Prozent in den Sommermonaten und bei sogar 17 Prozent ab September, wenn die Krise bis dahin nicht überstanden wäre. Die wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen sind daher laut 22 Prozent der Befragten in der jetzigen Situation unbedingt notwendig, um die Krise überstehen zu können. Acht Prozent befürchten, dass sie nicht ausreichen werden. In den Kommentarfeldern der Umfrage wird daher auch als wichtigste Forderung, um den Schaden zu begrenzen, eine Verlängerung und Erweiterung der bestehenden Krisenmaßnahmen genannt.
Mehrfach gefordert werden ferner die Öffnung der Grenzen und die Erlaubnis, die Ausstellungsräume wieder zu öffnen. „In unserer Ausstellung sind wesentlich weniger Kunden als im Supermarkt, und auf Termin zu arbeiten mit Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln wären problemlos zu machen", so einer der Befragten. Das größte Hindernis für den normalen Betrieb sind – laut den Ergebnissen der Umfrage – die Tatsache, dass Subunternehmer und Lieferanten stark von der Coronakrise betroffen sind und nicht wie gewohnt funktionieren können (35%), gefolgt von der Tatsache, dass die Angebotsanfragen drastisch zurückgehen (29%) und dass Baustellen geschlossen werden müssen (22%).
Der Arbeitswille bei den Arbeitern scheint jedoch sehr hoch zu sein. Der Betrieb von 79 Prozent der befragten Unternehmen wird nicht oder kaum durch Abwesenheiten gestört. „Aus den Resultaten der Umfrage geht eindeutig hervor, dass mit dem Neustart ab dem 4. Mai noch längst nicht alle Gefahren gebannt sind und noch viele Herausforderungen auf den Bausektor zukommen werden. Es kommt jetzt zunächst darauf an, die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder hochzufahren, um zu vermeiden, dass weitere Unternehmen in existentielle Schwierigkeiten geraten", wird Paul-Philippe Hick, Direktor der Konföderation Baufach Verviers-Ostbelgien, in einer Stellungnahme.
Dabei sieht der Präsident der Konföderation im Bezirk Verviers-Ostbelgien, Michel Thérer, auch die öffentliche Hand in der Verantwortung: „Bauvorhaben sollten jetzt zügig vorangetrieben werden, und die Vergabe von Baugenehmigungen darf jetzt nicht länger aufgeschoben werden. Geht es dem Bau schlecht, dann geht es auch vielen anderen Sektoren nicht gut. Hingegen kann eine beschleunigte Wiederaufnahme der Aktivitäten im Baufach ein allgemeines Wiederaufblühen der Gesamtwirtschaft bewirken. Darauf sollte die Politik jetzt setzen.“ (red/sc)
Die Konföderation Baufach vertritt in ganz Belgien die Interessen von mehr als 16.500 Unternehmen aus dem Bausektor: Selbständige, kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und Großunternehmen aus allen Baubereichen. Die Konföderation ist auf allen Ebenen präsent: lokal, regional, national und europäisch. In Ostbelgien sind etwa 200 Unternehmen der Konföderation Baufach angeschlossen.
Der Bausektor ist ein wesentlicher Bestandteil des wirtschaftlichen Gefüges Ostbelgiens. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 126,1 Millionen Euro macht er sechs Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung Ostbelgiens aus. Bezieht man die vor- und nachgelagerten Sektoren mit ein, darf diese Zahl sogar verdoppelt werden. Der Bausektor in Ostbelgien beschäftigt 1.425 Personen. Er ist somit gut für sechs Prozent aller Arbeitsplätze in Ostbelgien.
Ohne die öffentlichen und subventionierten Sektoren (Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht, sowie öffentliche Verwaltung), beschäftigt der Bausektor den Angaben zufolge sogar 9,73 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (Quelle: Institut für Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen aus dem Jahr 2019). (red/sc)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren