Seit Montag ist es Unternehmen, die andere Firmen als Kunden haben (B2B) und daher nicht mit Privatpersonen in Kontakt kommen, erlaubt, ihren Betrieb wieder aufzunehmen. Die Geschäfte sollen in der nächsten Woche folgen. Aber dieser Neustart werde nicht in zwei oder drei Wochen über die Bühne sein, sagt der Arbeitgeberverband FEB. Nach dessen Angaben lag 40% des Privatsektors still. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die infolge der Coronakrise geschlossen wurden und in keiner Weise arbeiteten. „Wir hoffen, in den kommenden Wochen auf 30% zu kommen“, sagt FEB-Geschäftsführer Pieter Timmermans. Die Coronakrise verursacht nach Berechnungen der FEB wöchentlich einen wirtschaftlichen Schaden von 2,4 Milliarden Euro – oder 0,55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Der Neustart der Unternehmen seit Montag wird nur sehr allmählich möglich sein. „Die gesamte Kette muss vollständig in Gang gesetzt werden, und das wird Wochen dauern“, sagt Timmermans. „Man muss Rohstoffe haben, um produzieren zu können. Dann muss man in der Lage sein, es an den nächsten Unternehmer oder Verarbeiter zu schicken, und so weiter. Ich denke, dass wir erst Ende Mai mit 80% der normalen Kapazität arbeiten können.“ Untersuchungen der Economic Risk Management Group (ERMG) droht neun Prozent der Unternehmen der Bankrott. In einigen Sektoren, wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, liegt dieser Anteil sogar bei 30 Prozent.
Nach Angaben des Verbandes sind die Unternehmen klar, um unter sicheren Umständen wieder zu öffnen, wobei alle notwendigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus respektiert werden. „Die Unternehmen haben maximale Anstrengungen unternommen, damit es funktioniert. Sicher, es gibt Ängste, und das ist verständlich. Die Arbeitnehmer betreten ein neues Umfeld und müssen sich anders verhalten. Einige von ihnen gehören zu einer Risikogruppe oder haben einen Partner, der zu dieser Kategorie gehört. Aber in den letzten Wochen haben 60% der Unternehmen ihre Arbeit fortsetzen können und haben die Regeln der sozialen Distanzierung angewandt. Es ist also möglich unter sicheren Bedingungen.“
Unternehmen, die weiter gearbeitet haben, haben in hohem Maße die Möglichkeit der Telearbeit genutzt. Das sei die Zukunft, heißt es hier und da. Aber Timmermans nuanciert: „Wir haben bereits eine Menge gelernt. Wir haben gelernt, mit Videokonferenzen und so weiter umzugehen. Aber all dies hat Grenzen. Und das sieht man jetzt ein. Zuerst dachte man: Homeoffice, alles bestens. Aber jetzt beklagen sich Mitarbeiter immer mehr darüber, dass sie den Kontakt mit den Kollegen vermissen. Und Telearbeit mit Kindern zu Hause ist nicht so einfach.“ Telearbeit, so Timmermans, werde nicht die neue Normalität sein. „Für bestimmte Berufe, wo es möglich ist, werden die Leute mehr Gebrauch davon machen. Aber die Kontakte mit den Kollegen bleiben wichtig. Wenn man als Team auftreten will, sollte man das nicht unterschätzen.“
Gleichzeitig empfinden viele Arbeitnehmer ein gewisses Unbehagen, warnt die christliche Gewerkschaft CSC: „Sie haben Angst vor der Manier, wie im Betrieb Schutzmaßnahmen konkret umgesetzt werden. Im Falle großer Unternehmen wird dies wahrscheinlich in Ordnung sein, denn auch sie haben ein großes Interesse daran, dass alles reibungslos läuft. Aber in kleinen Betrieben ist dies nicht immer so einfach.“ Die Sozialpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) haben einen „allgemeinen Leitfaden“ ausgearbeitet, der als Orientierungshilfe dienen soll, damit Unternehmen in nicht wesentlichen Sektoren unter sicheren Umständen an den Start gehen können. Dieser Leitfaden enthält Richtlinien zu Arbeitshygiene, Sicherheitsvorschriften usw. Darüber hinaus wurde eine Reihe von Protokollabkommen pro Sektor abgeschlossen. „Das war für einige leichter als für andere“, heißt es bei der FGTB. Im Bausektor zum Beispiel wurde das Protokollabkommen nur von der sozialistischen Gewerkschaft unterzeichnet. Ein Knackpunkt war der Transport der Arbeiter zu den Baustellen. In Kleintransportern ist es schwierig, Plexiglas zwischen den Sitzen zu platzieren, daher muss eine Mundmaske angelegt werden. Die Gewerkschaften befürchten Chaos wegen undeutlicher Regeln.
Übrigens: Im Berufsverkehr am Montag war es sowohl auf den Straßen als auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln ruhig. Es waren mehr Autos unterwegs als in den letzten Wochen, aber von den üblichen Montagsstaus war keine Rede. In den Bussen und Bahnen wurde die Mundmaskenpflicht, die für Fahrgäste ab zwölf Jahren gilt, weitestgehend eingehalten. (gz/belga)

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