In einer ersten Phase sollen insbesondere Besucher, die sich krank fühlen oder aus den stark vom Coronavirus betroffenen Gebieten kommen, die Wohn-und Pflegezentren meiden. Generell werden Verwandte und Bekannte aufgefordert, die Besuchskontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Die Wohn-und Pflegezentren werden angehalten, diese und weitere Richtlinien, die in einem Rundschreiben formuliert wurden, ab sofort umzusetzen.
Mit diesen Maßnahmen soll die besonders gefährdete Risikogruppe der Senioren mit Unterstützungsbedarf vor einer Infektion geschützt werden. Laut den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen ist das Coronavirus vor allem für Menschen ab 70 Jahren gefährlich. Während in 80 Prozent der bisher bekannten Fälle die Krankheit ohne oder mit sehr milden Symptomen verläuft, ist das Risiko einer Infektion mit Komplikationen bei hochaltrigen und immunschwachen Menschen groß. Ähnlich wie bei der saisonalen Grippe kann eine Infektion bis hin zum Tod des Patienten führen. Ohne Komplikationen oder mit kaum Symptomen verläuft die Krankheit hingegen bei Kindern und Jugendlichen. Trotzdem sind diese Altersgruppen Träger des Virus.
Auch die Teilnehmer der Angebote der Tagesbetreuung, der Tagespflege und der Mittagstische werden gebeten, im Krankheitsfall oder nach Rückkehr aus dem Urlaub aus den Risikozonen zu Hause zu bleiben. Die neuen Richtlinien für die Wohn-und Pflegezentren gelten nach Aussage des Gesundheitsministers nur in den Senioreneinrichtungen auf dem Gebiet deutscher Sprache.
Die nun ergriffenen Maßnahmen sind nicht so hart wie die Vorschriften im besonders betroffenen Gebiet von Heinsberg. Dort belasten sie die Bewohner der Altenheime stark, wie die Nachrichtenagentur dpa am Sonntag vermeldete. „Es ist eine schwierige Situation. Für die Bewohner ist das eine große Einschränkung in ihrer Lebensqualität, wenn sie keinen Besuch mehr bekommen“, sagte der Leiter der Kreisgeschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Andreas Wagner. Der Kreis Heinsberg hatte Angehörigen und Gästen angesichts der starken Ausbreitung des Virus dringend davon abgeraten, Pflegeeinrichtungen zu besuchen. „Das war absolut notwendig, denn jeder Kontakt ist mit Risiken verbunden“, sagte Wagner, in dessen Einrichtungen es aktuell keinen Corona-Fall gibt. Er warnte aber auch vor einer Vereinsamung der Bewohner, die mittlerweile seit knapp zwei Wochen keinen Besuch mehr empfangen sollen.
Antoniadis unterstrich, dass die Maßnahmen verhältnismäßig sein müssen. Von einem Besuchsverbot wird daher vorerst abgesehen. Die Regierung wird die Richtlinien erneut anpassen, sollten in den nächsten Tagen neue Infos zur Ausbreitung des Virus vorliegen. Ein Sonderkonzertierungsausschuss ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen zum Ende der Woche bereits für Montagnachmittag angesetzt. (red/mv/dpa)

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