„Ein Leben lang, keine Schale in der Hand“, sangen die etwa 2.000 mitgereisten Fans aus Sachsen in der Schlussphase der Partie und spielten damit auf den Umstand an, dass Schalke 04 seit 1958 auf einen Meistertitel wartet. RB Leipzig dagegen muss sich vielleicht gar nicht mehr so lange gedulden, denn die Elf von Trainer Julian Nagelsmann verkürzte mit dem Kantersieg den Rückstand auf Tabellenführer Bayern München, der am Freitagabend mit einem 3:2 gegen den SC Paderborn vorgelegt hatte, wieder auf einen Zähler.
„Wir hatten zu viele Spieler, die nicht ihre Form hatten. So kannst nicht gegen eine Mannschaft, die Champions League spielt, mithalten. Es macht viel mit der Psyche, wenn du nach einer Minute das 0:1 bekommst“, kommentierte Schalkes Trainer David Wagner bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Partie. Völlig indisponiert präsentierte sich vor 61.433 Zuschauern unter dem geschlossenen Dach der Veltins-Arena Schalkes Torwart Alexander Nübel, um den es wegen seines anstehenden Wechsels zu Bayern ohnehin schon genug Unruhe gibt.
Der 23-Jährige patzte bereits nach 55 Sekunden bei einem wuchtigen, aber nicht platzierten Distanzschuss von RB-Kapitän Marcel Sabitzer folgenschwer. Von dem frühen Rückstand erholten sich die Gastgeber kaum, und Alexander Nübel sah auch danach schlecht aus: Nach gut zehn Minuten ließ der nervös beginnende Keeper nach eine Ecke den Ball unbedrängt fallen, etwas später flog er an einer hohen Flanke vorbei. Die Folge waren Pfiffe von den Rängen.
Nach drei Wochen Verletzungspause (Sprunggelenkblessur) konnte bei Schalke 04 Suat Serdar wieder mitspielen. Auch Rabbi Matondo, der beim 3:1-Sieg im Hinspiel in Leipzig getroffen hatte, stand etwas überraschend in der Startelf und spielte neben Nationalspieler Benito Raman im Sturmzentrum. Raman mühte sich zwar, verdiente sich nach einer guten halben Stunde mit einer tollen Balleroberung am eigenen Strafraum sogar einen Sonderapplaus des Publikums, doch seine Bemühungen blieben genau so wirkungslos wie die von Sturmpartner Matondo, der zur Halbzeit durch Ahmed Kutucu ersetzt wurde.
Leipzig bestätigte die Topform, die das Team bereits unter der Woche in der Champions League beim 1:0 bei Tottenham Hotspur gezeigt hatte, und begnügte sich in erster Linie auf das Konterspiel und hätte bereits zur Pause gegen ideenlose Schalker höher führen können. Nach dem Wechsel wurden die Gäste keineswegs müde, sondern machten ernst: Timo Werner (61.), der nach dem Spiel mit einem Engagement beim FC Liverpool kokettierte, Marcel Halstenberg (68.), Angelino (81.) und Emil Forsberg (89.) besiegelten am Samstagabend die zweite Saison-Heimniederlage der „Königsblauen“. Immerhin: Schalke bleibt auf Rang sechs, obschon die Mannschaft von David Wagner jetzt fünf Mal nicht gewonnen hat. Zudem haben die „Königsblauen“ in vier der letzten fünf Ligapartien kein Tor erzielt.
„Es ist jetzt wichtig, ruhig zu bleiben. Uns fehlt zurzeit einfach die Leichtigkeit“, kommentierte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider das Geschehen auf dem Rasen. Viele Spieler wollten oder durften erst gar keinen Kommentar abgeben. Auch Benito Raman nicht, der eine gute Stunde nach dem Abfiff in der Mixed Zone auftauchte. „Ich darf nicht“, sagte Raman auf Niederländisch dem GrenzEcho, nachdem er zuvor Schalkes beste Möglichkeit in der zweiten Halbzeit vergeben hatte (er blieb an RB-Keeper Peter Gulacsi hängen).

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