„Process Mining“ gilt an der RWTH Aachen als Schlüsseltechnologie

Und damit ist es ein Gegenstand seines Forschungsfeldes „Process Mining“, was bedeutet, Daten zu erfassen, zu dokumentieren, um sie dann in Prozessmodelle zu überführen. Process Mining gilt als die „Schlüsseltechnologie für die Arbeit der Zukunft“ und wurde vom deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier mit dem Deutschen Zukunftspreis 2019 ausgezeichnet.

Ein niederländischer Professor leitet die weltweit führende Forschungsgruppe.

An der RWTH arbeitet daran die weltweit führende Forschergruppe, geleitet von dem Niederländer van der Aalst, der zu Beginn 2018 mit einer Alexander von Humboldt-Professur nach Aachen kam. Bereits 1999 erschloss der Informatiker in wissenschaftlicher Pionierleistung an der Technischen Universität Eindhoven das Forschungsfeld Process Mining. Bis dato wurden Prozesse in Unternehmen modelliert und anschließend versucht, diese Prozessmodelle in der Realität anzuwenden.

„Damals hatte ich das Gefühl, das läuft so nicht. Die Modelle hatten selten viel mit der Wirklichkeit zu tun“, erinnert sich van der Aalst. Jahrelang stand er mit dieser Einschätzung recht alleine da. Systeme wurden eingeführt, funktionierten nicht und mussten ständig angepasst werden. Modellierte Prozessmodelle berücksichtigen weder Krankheiten noch Kaffeepausen, blieben immer unzulänglich.

Schwachstellen im Prozess werden deutlich

Der Ansatz von Process Mining ist ein anderer: Zunächst werden die Daten erfasst, also beispielsweise Verhaltensweisen von Beschäftigten oder Kunden, dann ausgewertet und mit den Prozessen – etwa Bestellung eines Produktes – verbunden. Eine Bestellung, eine Zahlung, eine Stornierung, alles sind Ereignisse, die einem Fall – oft viele Tausende Mal – zugeordnet werden. Damit sind 80 Prozent des Process Mining Datensammlung und 20 Prozent Analyse. Am Ende wird klar und deutlich, wo Prozesse Schwachstellen haben und Zeit verloren geht oder Abläufe nicht deutlich genug sind.

„Process Mining ist spektakulär, weil echte Daten mit oftmals überraschenden Resultaten verwendet werden. Erst scheint es abstrakt, aber am Ende ist es generisch und völlig logisch an vielen Stellen einsetzbar“, erläutert van der Aalst. Seine Forschungen zeichnen sich dadurch aus, dass er konkrete Geschäftsprozesse, Arbeitsabläufe oder Organisationsstrukturen untersucht und sich nicht auf Fragen rund um die reine Datenverarbeitung mittels Software oder Algorithmen beschränkt.

Heutzutage basieren die Gepäckabwicklung an Flughäfen, die Abläufe bei Versorgung von Patienten in Krankenhäusern oder auch der Online-Handel immer häufiger auf Process Mining. Professor van der Aalst, der als als der Gründungsvater von Process Mining gilt, bilanziert: „Es verändert die Arbeit und wir haben noch Entwicklungsbedarf – Process Mining-Software wird zur Standardsoftware in der Wirtschaft werden“. (red)

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