„Christus lächelt“

Zum gleichen Thema und einem Leserbrief: Wenn es eine Oscarverleihung für den besten Leserbrief des Jahres gäbe, müsste ihn Herr Derwahl erhalten für seinen Kommentar zur Forderung von Ministerin Weykmans nach Abschaffung des Religionsunterrichts: „Christus lächelt“.

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Kommentare

  • Mit dem "Hang zum Bösen" bringen Sie einen interessanten Aspekt des menschlichen Wesens zur Sprache Herr Schleck; ich denke, dass aber zumindest der Laizismus in dieser Hinsicht seit der Aufklärung die bislang "friedlichste" Lösung ist, da er allen Befindlichkeiten Platz einräumt, vor allem aber fest in der Gesellschaft verankert, dass kein Absolutismus (Glaube - oder die Ersatzreligionen Kommunismus und Nationalsozialismus) je Überhand nimmt. Einige Religionen scheinen es noch nicht begriffen zu haben, und es mag paradox klingen, aber der Laizismus ist ihr bester Verbündeter, denn er garantiert ihnen die Freiheit, zu existieren...

  • Der recht inhaltslose Kommentar "Christus lächelt" entbehrt nicht einer gewissen Ironie, oder um es mit den Worten des britischen Comedians Ricky Gervais auszudrücken:

    "Der größte Trick der Religionen war nicht, den Leuten weiszumachen, dass es einen Gott gibt, sondern, dass man diese Vorstellung nicht lächerlich finden darf."

  • Man sollte allerdings nicht aus den Augen verlieren, dass die Ersatzreligionen auch nicht besser waren: Kommunismus und Nationalsozialismus kamen ohne Gott und Religion im eigentlichen Sinne aus, waren aber in Sachen Intoleranz und Verbrechen absolute Spitze.
    Und wehe dem, der diese beiden damals lächerlich gefunden hätte.
    Der Mensch an sich muss wohl einen Hang zum Bösen haben, den weder Religion noch Atheismus oder Laizismus noch sonst ein Glaube an egal was eindämmen kann.
    Die "natürliche Graumsamkeit"...

  • Interessant, Herr Schleck.
    Wie Götter geschaffen und ersetzt werden können, ruft auch nochmal die ägyptische Geschichte in Erinnerung, die in der sehenswerten Ausstellung „Tutanchamun“ in der „kühlen Gruft“ des Guillemins-Bahnhofes gezeigt wird. (Mantel, Schal und Mütze anbehalten!).

    So war es Amenhotep IV (später nannte er sich EchnATON), Vater Tutanchamuns, der -wenn man so will- als Begründer eines frühen Monotheismus gesehen werden kann, als er in seinem 6. Regierungsjahr (im 14. Jh. vC) den Gott ATON über alle anderen Götter Ägyptens erhob und ihm zu Ehren eine ganze Stadt baute.

    Nun gibt es zahlreiche Theorien, warum er dies tat. Letztlich wurden seine „Reformen“ auch wieder rückgängig gemacht und aus seinem Sohn, TutanchATON wurde -nachdem Aton wieder abgesetzt und durch Amun-Re ersetzt wurde- TutanchAMUN.

    Die Geschichte ist in Wirklichkeit viel komplexer zeigt aber eines überdeutlich:

    Götter und Religionen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte -seitdem sich das Bewusstsein beim Trockennasenaffen Mensch entwickelt hat- vom Menschen erschaffen und -oft auch aus Macht- und Herrschaftsgründen- von Menschen wieder abgeschafft oder verboten.

    Sie dienten in unterschiedlichen Epochen unterschiedlichen Zwecken und waren möglicherweise Nebenprodukt einer Hirnaktivität und/oder brachten evolutionäre Vorteile. (siehe Kommentar von N. Schleck bzw. SPON)

    Diese Frage wird eingehend auch in dem Buch des Evolutionsbiologen Richard Dawkins, „Der Gotteswahn“ behandelt.
    (Warnung: Es gehört für einen Gläubigen Mut und ein dickes Fell dazu, dieses Buch zu lesen.)

    Auch die christliche Religion hat ihren Erfolg nicht allein der (vermeintlichen) Botschaft Jesus‘ von Nazareth zu verdanken (sowie der Tatsache, dass man nur ganz selektiv Bibelinhalte vermittelt oder sie in kreative Metaphern hüllt), sondern vielmehr dem Umstand, dass der römische Kaiser Theodosius um 380 n.C. das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich erhob, vor allem aber heidnische Kulte und christliche Häresien unter Strafe stellte.
    Kaiser Konstantin hatte vor ihm bereits den Weg bereitet, als er im Reich Religionsfreiheit einführte und die bis dahin verbotene christliche Sekte nicht weiter verfolgte.

    In der Menschheitsgeschichte gab es tausende Götter, die „starben“, als man sie verbot und/oder aus dem Gedächtnis der Menschen verschwanden. Aus Polytheismus wurde Monotheismus und hieraus, warum nicht, vielleicht irgendwann ein „Evolutionärer Humanismus“ (siehe M.Schmid-Salomon).

    Spätestens dann hätten auch die wenigen noch verbliebenen Götter mitsamt ihrer z.T. unappetitlichen „göttlich inspirierten“ Märchengeschichten ausgedient.

    PS. Korrektur: Der Ausspruch, „ Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt“ stammt nicht von Camus, sondern Sartre. Sorry!
    Camus hingegen meinte: „Die Moral existiert, unmoralisch ist das Christentum.“

  • „Aber es gibt Hoffnung.“ meint Herr Leonard, und: „Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt.“ "Ja, aber sie werden durch andere ersetzt" habe ich dazu bemerkt und gab mehrere Beispiele.
    Nun liefert das heutige GE einen weiteren Beweis auf Seite 8, wo auf einen „Runenkurs zur Fastenzeit in Eupen“ hingewiesen wird.

    „Ein Kurs der besonderen Art“ Runen, nur einfache Schriftzeichen der germanischen und keltischen Vorfahren. So wie unser Alphabet? Denken Sie? Nein, sie bergen „weise Kräfte“, sie „schenken Rat und lenken die nächsten Schritte, wenn man bereit ist, sich ihren Kräften zu öffnen.“

    Dann folgt eine ganze Liste von „Runen-Haltungen“ über „Runenorakel“ und „Runen-Singen“ bis zu den „Kräften der Nornen“.

    Die Leiterin, eine „ganzheitliche Gesundheitstrainerin und Expertin im Bereich Ethnomedizin“, kennt sich angeblich aus mit dem „alten, heimischen schamanischen Wissen.“

    Mitzubringen sind u.a. bequeme Kleidung, Snacks für die Pause, „Offenheit für das alte Wissen“ (Versteht sich!) … und natürlich – auch eine „ganzheitliche… (s.o.)“ lebt nicht von Runenkräften allein: 35 Euro.

    Den Leichtgläubigen, die diesen Kurs besuchen werden, es sind ganz sicher welche, würde ich raten, mal zu fragen, welche geheimen Kräfte denn mit den doppelten Sig-Runen verbunden sind.

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