Hintergrund ist der Festakt zur hundertjährigen Zugehörigkeit zu Belgien vor einigen Wochen im Brüsseler Senat. Dabei sei „berechtigterweise“ eine Diskussion aufgekommen, weil der Festakt „die Rolle der Gemeinden Malmedy und Weismes komplett außer Acht ließ, obwohl diese genau das gleiche Schicksal teilten“, kritisieren die Grünen in einer Pressemitteilung, die den Titel „Ostbelgien ist nicht die DG“ trägt.
„Besonders irreführend“ werde dies, wenn zum wiederholten Male von „Ostbelgien“ die Rede sei, „egal ob es um die Deutschsprachige Gemeinschaft, die elf Gemeinden der ‘Ostkantone’ oder tatsächlich um Standortmarketing geht“. Dieses „Übersehen“ der frankofonen Nachbargemeinden Malmedy und Weismes sei auch kein Versehen: „Hier hat sich die Paasch-Regierung und ihre ProDG-SP-PFF-Mehrheit als Wiederholungstäter erwiesen. Auf einer vordatierten (weil so kurz vor den Wahlen noch möglichen) 100-Jahr-Feier im Parlament der DG wurden die beiden Schwestergemeinden genauso außen vor gelassen. Den Einwurf des Ministerpräsidenten, die Veranstaltung im Senat sei vor dem Hintergrund der Rolle der Institution Deutschsprachige Gemeinschaft zu verstehen, spiegelt weder die Veranstaltung noch die Geschichte wider“, denkt die Partei. Der Ecolo-PDG-Fraktionsvorsitzende Freddy Mockel habe der Veranstaltung im Senat beigewohnt. Für ihn sei deutlich: „Hier mussten wiederholt und eindeutig die geschichtlichen Realitäten und der Respekt der frankofonen Nachbarn dem Politikmarketing der DG-Regierung weichen.“ Hinzu komme, dass zum wiederholten Male der Begriff „Ostbelgien“ nicht nur für das Standortmarketing benutzt, sondern auch politisch missbraucht werde, was zur Verwirrung führe.
Nach der Kritik des Malmedyer Bürgermeisters Jean-Paul Bastin habe Ministerpräsident Oliver Paasch in seiner Reaktion „plötzlich wieder konsequent von der ‘Deutschsprachigen Gemeinschaft’“ gesprochen. Die Veranstaltung habe die Rolle der DG in Belgien beleuchtet, das Auslassen von Malmedy und Weismes sei so zu erklären und es würden noch gemeinsame Events folgen, zitiert Ecolo den Regierungschef.
„Doch die Realität sieht und sah anders aus, wenn just zum 100. Jahrestag des Versailler Vertrags im Senat Botschafter und hohe Gäste zu ‘100 Jahre Ostbelgien’ eingeladen werden, wenn zu ‘100 Jahre Ostbelgien’ Reden gehalten werden und die Kommunikation in den Reden der Politiker allesamt nur Ostbelgien nennen. Wir erleben das Resultat eines Marketings, das die Begrifflichkeiten der gliedstaatlichen Institutionen für Bürger und Politiker komplett aufgeweicht hat“, so die Grünen. Selbst die Rede von Parlamentspräsident Karl-Heinz Lambertz zum Festakt habe den Titel „Rede des Parlamentspräsidenten Karl-
Heinz Lambertz anlässlich der 100-jährigen Zugehörigkeit Ostbelgiens zum Königreich
Belgien“ getragen. „Reden wir also über die DG, die es damals nicht gab, über Ostbelgien oder über die Ostkantone, zu denen Malmedy und Weismes gehören?“, fragt sich die Ecolo-Fraktion.
Kaum einem Bürger könne in den letzten Jahren entgangen sein, mit welcher Macht die DG-Regierung das „Ostbelgien“-Logo in jeden Kontext einbringe, egal ob touristischer oder politischer Natur. Offizielle Dokumente der Regierung würden genauso mit „Ostbelgien“ markiert, wie die Broschüre für Wanderer der Region. Dass diese Vermengung „kontraproduktiv“ sei, darauf habe Freddy Mockel im Parlament bereits öfter hingewiesen: „Es ist sogar soweit gekommen, dass mit dem Begriff Ostbelgien das Politikmarketing zum Politikermarketing geworden ist, sprich zum Marketing für den Politiker und Ministerpräsidenten Paasch“. Deshalb möchte Ecolo die Analyse der Veranstaltung im Senat zum Anlass nehmen, um nochmals die Frage der konsequenten Trennung von Standortmarketing für Wirtschaft und Tourismus und Politikmarketing aufzunehmen. „Das ist im Sinne des Bürgers, ob nun in Ostbelgien oder in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.“ (red/sc)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren