Streifzug durch die vielfältige Krippenlandschaft Ostbelgiens

<p>Unter der Rubrik „Impressionen“ werden zum Einstieg in das Buch insgesamt zehn Panoramen präsentiert, heißt: großflächige Motive über zwei Seiten, die stellvertretend für die szenische Kreativität, die gestalterische Fantasie und die handwerklichen Fertigkeiten der Krippenbauer stehen. Hierunter auch diese detailreiche Momentaufnahme mit einer ausgeklügelten Balance zwischen Geschehen und Landschaft, Anordnung und Materialien in Aldringen.</p>
Unter der Rubrik „Impressionen“ werden zum Einstieg in das Buch insgesamt zehn Panoramen präsentiert, heißt: großflächige Motive über zwei Seiten, die stellvertretend für die szenische Kreativität, die gestalterische Fantasie und die handwerklichen Fertigkeiten der Krippenbauer stehen. Hierunter auch diese detailreiche Momentaufnahme mit einer ausgeklügelten Balance zwischen Geschehen und Landschaft, Anordnung und Materialien in Aldringen. | Foto: Publikation „Ein Kind geborn zu Bethlehem“

Norbert Meyers interessiert sich schon seit seiner Kindheit für den Krippenbau. Auch später habe er über lange Jahre weitläufige Krippenlandschaften gestaltet und seinen Bestand an Figuren nach und nach auf knappe hundert Akteure ausgeweitet. Doch zuletzt musste die eigene Sammlung wegen des neuen Buches warten.

Die Initiative dazu geht auf das Jahr 2009 zurück, als der damalige Ministerpräsident (und heutige PDG-Vorsitzende) Karl-Heinz Lambertz (SP) im Zuge einer gesetzlichen Neuregelung eine Tour durch die ostbelgischen Pfarren unternahm. Damals sei aufgefallen, wie viel Zeit und Energie gerade auch in den Krippenbau investiert wird. „Eine Arbeit, die viele Kirchenbesucher aber als selbstverständlich erachten und die – da zeitlich stets recht eingegrenzt – vielfach im sonstigen Jahreskreis aus den Augen verloren geht. Vor diesem Hintergrund ist aus dem gemeinsamen Austausch die Idee zu dem Buch gewachsen, auch in Zusammenarbeit mit den Fotoclubs“, erzählt Norbert Meyers, der seit 1986 als akkreditierter Journalist arbeitet und während 20 Jahren auch der GrenzEcho-Redaktion angehörte. Der Anstoß zur Einbindung der Fotoclubs und von 19 Fotografen sei von ihm selbst gekommen – mit dem Ziel, das Weihnachtsgeschehen, das im Grunde auf die stets gleiche Darstellung eingegrenzt sei, aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

<p>In Ostbelgien reicht das Genre von der heimatlichen inspirierten Krippe (hier ein Hirte in Meyerode) über die orientalische Darstellung bis zu teils sehr modernen Szenarien.</p>
In Ostbelgien reicht das Genre von der heimatlichen inspirierten Krippe (hier ein Hirte in Meyerode) über die orientalische Darstellung bis zu teils sehr modernen Szenarien. | Foto: Publikation „Ein Kind geborn zu Bethlehem“

Die neue Publikation illustriert aber nicht „nur“ die Krippen in Kirchen und Kapellen, sondern setzt sich auch mit der Weihnachtsgeschichte auseinander und thematisiert bekannte Weihnachtslieder. Darunter auch das Lied „Ein Kind geborn zu Bethlehem“, das dem Buch seinen Titel gab. Die Idee zu diesem „Dreiklang“, wie Norbert Meyers selbst sagt, sei erst behutsam gewachsen: „Vor allem nach Sichtung der ersten Motive, die nun mal recht monoton wirkten, unabhängig von der stets völlig unterschiedlichen Gestaltung mit Stall, Höhle oder Landschaft. Parallel aber weckten Aspekte wie Geschichte, Tradition, Genre, Bau, Materialien oder Figuren der Krippe mein Interesse“, so der 62-Jährige.

So entstand die Rubrik „Fokus“, die solchen Stichworten präzise nachspürt und „Protagonisten“ der Weihnachtsgeschichte beleuchtet. „Gleichfalls greife ich hier Themen auf wie Martin Luther und die Reformation, die Geschichte von ‘Stille Nacht’ oder die über 100-jährige Tradition des ‘Festival of Nine Lessons and Carolos’ in Cambridge auf.“

<p>Mancherorts sind es vor allem auch die liebevollen Details, die den Blick auf sich lenken, wie beispielsweise dieser überaus authentische Holzplatz an der Krippe in Büllingen.</p>
Mancherorts sind es vor allem auch die liebevollen Details, die den Blick auf sich lenken, wie beispielsweise dieser überaus authentische Holzplatz an der Krippe in Büllingen. | Foto: Publikation „Ein Kind geborn zu Bethlehem“

Das Konzept sei in erster Linie auf die Vielschichtigkeit des Weihnachtsgeschehens ausgelegt gewesen: „Schließlich stehen Krippen nicht im virtuellen Raum, sondern vermitteln auch stets ein hohes Maß an Religiosität oder zumindest Volksfrömmigkeit. Von daher also die unterschiedlichen Rubriken. Jedenfalls wollte ich eine Art weihnachtliches ‘Panini’-Album vermeiden.“ Aufgegriffen und aufgearbeitet würden diese Geschichten vorrangig aus einem journalistisch motiviertem Blickwinkel. Deshalb auch die journalistische Sprache in der Art eines „Feature“: „Durchweg kurze Texte, angesiedelt zwischen Bericht, Doku, Reportage, Rezension und Essay. Skizzen, die die Ereignisse, Erlebnisse und Erfahrungen zwischen Fakten und Feuilleton einordnen, weg ebenso von einem streng theologischen wie von einem stringent chronologischen Stil.“ Das sei auch im Sinne der Evangelisten, die letztlich ebenfalls eine Art Journalist oder Korrespondent gewesen seien, findet Norbert Meyers. Rund zehn Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung der neuen Publikation. Dazu gehört eine intensive Recherche gemeinsam mit den Fotografen. Er selbst habe 81 der 94 Krippen besucht, manche drei oder vier Mal.

Naturgemäß sei es recht schwierig, nachvollziehbare Kriterien bei der Auswahl der Krippen anzulegen. Eine subjektive Einschätzung, festgemacht an verschiedene Kriterien, schließe dies jedoch nicht aus. „Aber grundsätzlich sind Krippen nicht miteinander vergleichbar. Ganz einfach, da es sich um Unikate handelt, abhängig vor allem auch von den räumlichen Zwängen, die den Standort im Kirchenraum definieren.“

<p>Besonders die Könige sind in den meisten Krippen ein Blickfang, an größeren Standorten (wie hier in Eynatten) nicht selten ergänzt um einen Kameltreiber.</p>
Besonders die Könige sind in den meisten Krippen ein Blickfang, an größeren Standorten (wie hier in Eynatten) nicht selten ergänzt um einen Kameltreiber. | Foto: Publikation „Ein Kind geborn zu Bethlehem“

Norbert Meyers selbst mag gleich mehrere Krippen ganz besonders. „Dennoch gibt es einen Favoriten: Aldringen. Die kreative Akribie oder die gestalterische Vielfalt, die räumliche Anordnung oder die unerwarteten Impulse – hier wirkt einfach alles schlüssig und stimmig, vom handwerklichen Geschick bis zum natürlichen Dekor, vom Wegekreuz bis zum Wasserlauf, von der Platzierung der Figuren bis zur Authentizität der Feuerstelle. Ein echtes Kunstwerk auf durchweg eingegrenztem Raum. Und auf jeden Fall für jeden Interessenten einen Abstecher wert.“ Sein Buch richte sich an alle mit einem persönlichen und lokalen Bezug zum Weihnachtsgeschehen: „Denn jede Krippe ist zugleich auch ein Spiegel gelebter Volksfrömmigkeit, wie sie gerade im ländlichen Raum über Jahrzehnte gewachsen ist. Weshalb der ‘Beruf’ des Krippenbauers in den ostbelgischen Kirchen und Kapellen auch nicht aussterben dürfte.“ Ihm bleibe eine wichtige Erkenntnis, so Norbert Meyers: „Sehr viele Hände gehen in den Wochen und Tagen vor Weihnachten zu Werke, um mit Zeit und Energie, Kopf und Hand den Besuchern der Kirchen und Kapellen ein möglichst vielfältiges und lebhaftes Bild des Weihnachtsgeschehens zu präsentieren. Dafür sei ihnen allen mit diesem Buch gedankt.“


Ein Kind geborn zu Bethlehem. Streifzug durch die Krippenlandschaften in Ostbelgiens Kirchen und Kapellen; ISBN: 978-3-86712-154-5; Internet: https://gev.be

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