Bulgarischer Verbandschef nach „Abend der Schande“ zurückgetreten

<p>Unschöne Szenen: Einige „Fans“ zeigten während der Partie gegen England den Hitlerguß.</p>
Unschöne Szenen: Einige „Fans“ zeigten während der Partie gegen England den Hitlerguß. | Foto: Photo News

Der Kantersieg der Engländer wurde von rassistischen Äußerungen bulgarischer Zuschauer überschattet. Während auf der Insel Entsetzen herrscht, müssen sich die Bulgaren auf eine saftige Strafe einstellen. Gareth Southgate sprang entsetzt von seinem Platz auf, schon wieder waren seine Schützlinge zur Zielscheibe rassistischer Äußerungen geraten. Affenlaute mussten Englands Fußball-Stars in Sofia erdulden, höhnische Gesänge und sogar den Hitlergruß. „Eine inakzeptable Situation“, schimpfte der Trainer der Three Lions: „Aber wir haben die richtigen Antworten gegeben.“

Zum einen, indem seine Mannschaft das EM-Qualifikationsspiel bei den Bulgaren klar mit 6:0 (4:0) gewann. Und zum anderen, indem die Unparteiischen umgehend auf die widerlichen Entgleisungen einiger Zuschauer aufmerksam gemacht wurden. Auch deshalb stand die Partie gleich zweimal vor dem Abbruch - es wäre das einzig richtige Zeichen gewesen.

Das setzte - eher unfreiwillig - am Tag nach der Schande von Sofia der bulgarische Verbandspräsident Boris Michailow. Auf Druck von Premierminister Bojko Borissow trat er „als Ergebnis der Spannungen, die in den vergangenen Tagen auftraten“, von seinem Amt zurück. Das teilte der Verband BFU mit, auf dessen Geschäftsstelle es am Dienstagnachmittag zudem eine großangelegten Razzia gab. Der Rücktritt war nicht die einzige (sport-)politische Reaktion.

Die Ereignisse hatten zuvor schon den britischen Premierminister Boris Johnson auf den Plan gerufen. „Das war ekelhaft und muss aus dem Fußball getrieben werden“, ließ er über seinen Sprecher mitteilen. Johnson werde sogar einen Brief an die UEFA schreiben, in der „harte Strafen“ gefordert werden.

Auf Anfrage teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) allerdings mit, „erst die offiziellen Spielberichte zu analysieren und dann über etwaige Maßnahmen zu entscheiden“. Alles andere als heftige Sanktionen wären aber überraschend. Schließlich stufte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der zur „Zusammenarbeit im Namen von Anstand und Ehre“ aufrief, die Strafen der UEFA als „die härtesten im Sport“ ein. Nach Artikel 14 der Rechtspflegeordnung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) droht den Bulgaren als Wiederholungstäter ein „Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro“ vor. Jedes weitere Vergehen kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem Wettbewerb führen.

„Hoffentlich werden die höheren Mächte diesen Vorfall untersuchen“, sagte Englands Debütant Tyrone Mings, während der ebenfalls angefeindete Raheem Sterling meinte: „Es tut mir leid, dass Bulgarien durch solche Idioten repräsentiert wird.“ Auch der englische Verband FA bat die UEFA in einer ersten Stellungnahme, den „abscheulichen rassistischen Missbrauch“ zu untersuchen.

Weitaus zielführender wäre ein energischer Selbstreinigungsprozess innerhalb des bulgarischen Verbands, den Michailow mit seinem Rücktritt initiierte. Zuvor hatte Premierminister Bojko Borissow höchstpersönlich den „sofortigen Rücktritt“ gefordert. Bei Facebook schrieb der Spitzenpolitiker weiter, es sei „unzulässig, dass Bulgarien ... mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung gebracht wird“.

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