Die Vervierser Bürgermeisterin steht unter Beschuss


Die Proteste gegen eine Lesung, die der ehemalige Staatssekretär für Asyl und Migration, Theo Francken (N-VA), am Dienstag im Hotel Verviers abhalten wollte, waren aus dem Ruder gelaufen (siehe GE von Donnerstag). Zu der Demonstration hatten die Partei PTB, die sozialistische Gewerkschaft FGTB sowie das Vervierser Regionalzentrum für Integration aufgerufen. Auch Bürgermeisterin Muriel Targnion nahm teil. Als Theo Francken kurz vor 20 Uhr vor Ort eintraf, wurde sein Auto beschädigt. Er machte kehrt, die Lesung wurde abgesagt. Seine Sympathisanten sollen von Demonstranten angegriffen worden sein. Sogar Mobiliar des Hotels wurde auf der Terrasse umhergeschmissen. Die Verantwortlichen des Hotels gaben im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt, dass sich der Schaden auf rund 15.000 Euro belaufe. Hotelgäste hätten keinen Zugang zum hauseigenen Restaurant gehabt, einige hätten sich gefürchtet. Auf die Fassade des Gebäudes sowie auf Fensterscheiben sei Farbe geworfen worden. Von einer Anzeige will die Hotelleitung absehen.

Am Mittwoch meldete sich auch Bruno Berrendorf, der Fraktionssprecher der Parti Populaire (PP) im Vervierser Gemeinderat zu Wort. Er sei am Dienstag von antifaschistischen Demonstranten und einem Gewerkschaftsmitglied der CSC tätlich angegriffen worden. Er kündigte an, Anzeige zu erstatten. Auch forderte er den Rücktritt von Muriel Targnion als Vervierser Bürgermeisterin und als Vorsitzende der Polizeizone Weser. Am Dienstag habe sie als Teil der Demonstranten ihrer eigenen Polizei gegenübergestanden, so Berrendorf.

Die wallonische Aufsichtsministerin Valérie De Bue (MR) kündigte an, Muriel Targnion diesbezüglich ermahnen zu wollen. Es sei ihr nicht gestattet gewesen, gleichzeitig Bürgermeisterin und Demonstrantin zu sein. Sie hätte für die Zeit des Protests ihren Bürgermeisterposten einem Kollegiumsmitglied übertragen sollen.

Targnion konterte in verschiedenen Medien, dass sie sich seit jeher gegen extremistische Tendenzen engagiere. Sie habe es als ihre Pflicht empfunden, bei der Demo anwesend zu sein. Von den 200 Personen seien rund 180 friedlich demonstrierende Vervierser gewesen. Eine rund 20-köpfige Gruppe, Mitglieder von „Antifa 2.0“, sei aus Lüttich angereist. Sie seien vermummt gewesen und hätten sich sehr gewaltbereit gezeigt. „Ich verurteile dieses Handeln von radikalen Linksextremen genau so wie das der Rechtsextremen“, so Targnion. (cyl)

<p>Die Demonstration gegen die geplante Lesung von Theo Francken in Verviers hatte einen Großeinsatz der Polizei zur Folge.</p>
Die Demonstration gegen die geplante Lesung von Theo Francken in Verviers hatte einen Großeinsatz der Polizei zur Folge. | belga

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment