Ex-Anwalt packt aus und nennt Trump einen Rassisten und Betrüger

<p>Der frühere Anwalt des US-Präsidenten hat mit seinem früheren Boss gebrochen. Nun rechnet Michael Cohen (Bild) öffentlich mit Trump ab.</p>
Der frühere Anwalt des US-Präsidenten hat mit seinem früheren Boss gebrochen. Nun rechnet Michael Cohen (Bild) öffentlich mit Trump ab. | afp

Dass es an der Heimatfront brennen würde, wenn er in Vietnam ist, das konnte Donald Trump schon vor seiner Reise ahnen. Bis Donnerstag will der US-Präsident Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Gipfel in Hanoi zur atomaren Abrüstung drängen. Trump meint, dass er dafür den Friedensnobelpreis verdienen würde. Aber tausende Kilometer entfernt in Washington zeichnet sein Ex-Anwalt Michael Cohen ein ganz anderes Bild von dem Präsidenten. Vor dem Kongress beschreibt Cohen Trump so: „Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.“

Es ist ein bemerkenswerter Auftritt eines Mannes, der in der Vergangenheit den Spitznamen „Trumps Ausputzer“ trug

Während Trump in Hanoi ist, bekommt Cohen in der US-Hauptstadt die große Bühne geboten. Nachrichtensender übertragen seine Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses live. Bars öffneten früher, um die mit Spannung erwartete Sitzung zu zeigen. Und alle, die auf pikante Aussagen Cohens über seine jahrzehntelange Arbeit für Trump gehofft hatten, werden nicht enttäuscht.

Cohen braucht fast eine halbe Stunde für sein Eingangsstatement, er attackiert Trump dabei scharf, zeichnet das Bild eines Mannes, der keine Moral habe. Trump sende die Botschaft aus, dass die USA sein Land seien.

Der Präsident sei dabei, ein Autokrat zu werden. Cohen hat dabei den Gesichtsausdruck eines Schuljungen. Immer wieder reißt er seine Augen weit auf, klingt manchmal fast flehend.

Etwa, als er sich an die Abgeordneten wendet und sagt, er wolle sich bei jedem Einzelnen dafür entschuldigen, dass er den Kongress in der Vergangenheit angelogen habe. Es ist ein bemerkenswerter Auftritt eines Mannes, der in der Vergangenheit den Spitznamen „Trumps Ausputzer“ trug und einen Reporter damit bedrohte, ihm etwas „Widerliches“ anzutun, sollte er eine geplante Geschichte veröffentlichen.

Zu Cohens pikanten Aussagen vom Mittwoch zählt, dass er Trump beschuldigt, er habe vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst. Er sei dabei gewesen, als Trump am Telefon mit seinem langjährigen Vertrauten Roger Stone darüber gesprochen habe. Stone habe Trump dabei darüber informiert, dass Wikileaks innerhalb weniger Tage E-Mails publik machen werde, die Trumps demokratischer Rivalin Hillary Clinton schaden würden.

Auch ansonsten dürfte Trump Cohens Aussage nicht gefallen. Da ist zum Beispiel die alte Geschichte von Trumps Fersensporn, die angesichts seiner Vietnam-Reise wieder eine gewisse Brisanz gewinnt. Schon in der Vergangenheit gab es Zweifel daran, ob Trump tatsächlich an einem schmerzhaften Auswuchs am Fußknochen litt, die ihm während des Vietnam-Krieges die Ausmusterung beschert haben soll.

Cohen erweckt nun den Eindruck, Trump habe sich vor der Einberufung gedrückt. Für Trump wäre das peinlich, geriert er sich doch als großer Patriot. Cohen sagt, Trump habe ihm in der Debatte um seinen angeblichen Fersensporn gesagt: „Denkst Du, ich bin blöd, ich wäre doch nicht nach Vietnam gegangen.“ An die Adresse Trumps fügt Cohen in seinem Statement hinzu: „Ich finde es ironisch, Präsident Trump, dass Sie gerade jetzt in Vietnam sind.“

Dass Trump ein großes Ego hat, würde wohl nicht einmal er selber bestreiten. Wie gigantisch es ist, beschreibt Cohen nun – immer vorausgesetzt, seine Aussage stimmt, denn eine weiße Weste hat schließlich auch er nicht: Im August bekannte Cohen sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November räumte er ein, den Kongress bei einem Bauprojekt Trumps in Moskau belogen zu haben – nach seinen Worten, um Trump zu schützen.

Im Mai muss Cohen für drei Jahre ins Gefängnis – was die republikanischen Abgeordneten in der Anhörung genüsslich anführen, um Cohens Glaubwürdigkeit zu diskreditieren.

Zu Trumps Ego erzählt Cohen folgende Geschichte, für die der Ex-Anwalt – dem die Lizenz entzogen wurde – nach eigenen Angaben Belege hat: Trump habe ihn angewiesen, einen Strohmann zu finden, der bei einer Versteigerung für ein Porträtbild Trumps bieten würde.

„Das Ziel war, dass sein Porträt, das als letztes versteigert werden sollte, den höchsten Preis aller Porträts an diesem Nachmittag erzielt.“ Das Bild sei für 60.000 Dollar unter den Hammer gekommen. Trump habe dann die gemeinnützige Trump-Stiftung angewiesen, dem Strohmann das Geld zu erstatten, habe das Bild aber selber behalten.

Trumps Stiftung war bereits in der Vergangenheit ins Visier der Justizbehörden geraten, erst im Dezember hatte der Anwalt der Stiftung deren Auflösung zugestimmt. „Die Trump-Stiftung war kaum mehr als ein Scheckbuch, um unternehmerischen und politischen Interessen von Herrn Trump zu dienen“, hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft damals kritisiert.

Zu Trumps Vermögen sagt Cohen, sein Ex-Boss habe Angaben dazu aufgebläht, wenn es seinen Zwecken gedient habe – etwa dafür, einen möglichst hohen Platz auf der Reichenliste des Magazins „Forbes“ zu ergattern. Wenn es allerdings darum gegangen sei, Steuern zu zahlen, habe Trump sein Vermögen kleingerechnet. Auch dafür will Cohen Belege haben. Er übergibt dem Kongress außerdem Kopien von Briefen, in denen er Schulen und Colleges in Trumps Auftrag gedroht habe, sollten sie seine Noten veröffentlichen. Trump selber hat übrigens 2013 damit geprahlt, sein IQ sei „einer der höchsten“. (dpa)

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