Rückenwind trotz Rückstand: Verstappen hat „das gewisse Extra“

<p>Max Verstappen</p>
Max Verstappen | Foto: EPA

Das Duell vor den Fotografen ging wieder mal klar an Lewis Hamilton. In einem blau-schwarzen rockartigen Outfit mit kleiner Umhängetasche und mächtigen Boots brachte der Formel-1-Rekordweltmeister die Kameras stakkatoartig zum Klicken, Herausforderer Max Verstappen enterte in Jeans und mit Red-Bull-Team-Jacke vergleichsweise unauffällig das Fahrerlager von Istanbul. Auf der Strecke dürften sich die Stars der Szene deutlich mehr in die Quere kommen, die WM-Führung könnte zum fünften Mal in dieser Saison wechseln.

„Wir sind sehr entspannt. Wir tun alles für den Erfolg, aber man kann nichts erzwingen“, sagte Verstappen, der mickrige zwei WM-Punkte hinter Hamilton liegt – so gering war der Abstand nach 15 Rennen noch nie, seit ein Sieg 25 Zähler wert ist. Den Druck sieht Verstappen aber vor allem bei Hamilton: „Selbst wenn ich WM-Zweiter werden sollte, hätten wir immer noch eine großartige Saison gefahren. Es würde mein Leben nicht zu sehr verändern.“ Alles nur Fassade? Nein, glaubt Fernando Alonso. „Wir sind alle anders im Umgang mit Druck. Aber für Max scheint das keine große Sache zu sein“, sagte der Alpine-Pilot. Verstappen habe „das gewisse Extra“, fügte der Weltmeister von 2005 und 2006 hinzu.

Tatsächlich beweist der 24-jährige Verstappen immer wieder seine Klasse, zuletzt vor zwei Wochen. Auf der Red-Bull-Angststrecke von Sotschi wurde er Zweiter hinter dem nun 100-maligen Grand-Prix-Sieger Hamilton – nach einer Aufholjagd vom Ende des Feldes wegen des Austauschs sämtlicher Motorenkomponenten. Hamilton würde dasselbe Schicksal ereilen, wenn Mercedes an seinem Wagen einen weiteren neuen Motor einbaut. Noch heißt es von Teamseite, man könne die Saison auch mit den bisherigen Antriebseinheiten zu Ende fahren.

„Wir gehen ein Rennwochenende nach dem anderen an, werden die Leistung der Antriebseinheiten neu bewerten und eine Entscheidung treffen“, sagte Mercedes-Sportchef Toto Wolff. Allerdings, merkte der Österreicher an, kann sich „niemand ein Null-Punkte-Wochenende leisten“. Einiges spricht also dafür, dass Mercedes ebenfalls die Kröte schlucken und seinen Nummer-Eins-Fahrer von ganz hinten mit frischen Komponenten in ein Rennen schicken wird.

Für die Umsetzung dieses Notplans gäbe es schlechtere Gelegenheiten als das Rennen in Istanbul (Sonntag, 14.00 Uhr MESZ/Sky). Im Vorjahr fuhr Hamilton bei widrigsten Bedingungen in einer eigenen Liga und machte vorzeitig seinen siebten Titel perfekt. Hamilton erklärte am Donnerstag ausweichend: „Im Moment habe ich die Motoren zwei und drei zur Verfügung.“

Wie schnell sich Dinge in der Formel 1 ändern können, hat aber nicht zuletzt die turbulente Schlussphase in Russland gezeigt, als Hamilton im Regenchaos den Sieg erbte und sich Verstappen von Rang sieben auf zwei verbesserte. „Diese WM hält uns alle auf Trab, das gefällt uns sehr“, sagte Wolff: „Es bedeutet aber auch, dass wir die Saison aggressiv angehen müssen.“ (sid/tf)

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