Sommerurlaub in Europa: Was geht - und was geht nicht?

<p>Ein Mann wandert auf einem Weg durch eine Wiese zwischen Seefeld und Mösern: Österreich ist für viele Ostbelgier ein beliebtes Reiseziel.</p>
Ein Mann wandert auf einem Weg durch eine Wiese zwischen Seefeld und Mösern: Österreich ist für viele Ostbelgier ein beliebtes Reiseziel. | Foto: dpa

Viel Grün, viel Orange und wenig Rot. Die Corona-Lage in Europa stellt sich auf der Übersicht der EU-Gesundheitsagentur verhältnismäßig entspannt dar. Einem Sommerurlaub im europäischen Ausland steht somit nicht mehr allzu viel im Weg. Doch einige Hürden sind - je nach Region – zu beachten. Ein Überblick:

BALTISCHE STAATEN: Estland, Lettland und Litauen haben ihre lange strengen Corona-Regeln deutlich gelockert: Der Einzelhandel ist in allen drei baltischen Staaten weitgehend geöffnet, die Gastronomie darf auf Außenterrassen und teils auch im Innenbereich unter Auflagen Gäste bedienen. Auch Museen, Theater und Kinos dürfen zumindest eine begrenzte Zahl von Besuchern empfangen. Dabei gibt es mitunter Vorrechte für Geimpfte und Genese. Wer von Belgien oder aus anderen EU-Ländern einreist, muss sich registrieren. Nicht-Geimpfte müssen in Lettland und Litauen einen negativen Corona-Test vorweisen. Umgekehrt werden die baltischen Staaten von Belgien als Risikogebiete eingestuft. Wer einen negativen Test vorweisen kann, muss sich nicht selbst isolieren.

BULGARIEN: Cafés und Restaurants, Einkaufs- und Fitnesszentren, Diskotheken und Casinos sind unter Auflagen geöffnet. Auch Theater, Kinos und Museen können besucht werden. Seit dem 30. Mai gilt Bulgarien aus belgischer Sicht nicht mehr als Risikogebiet. Der Anteil der vollständige Geimpften an der Bevölkerung ist mit elf Prozent im EU-Vergleich sehr gering. Bulgariens Badeorte am Schwarzen Meer sind für den internationalen Tourismus geöffnet. Geimpfte, Getestete und Genesene aus EU-Staaten dürfen ohne Quarantänepflicht einreisen. Kinder aus EU-Staaten bis fünf Jahre brauchen keinen Corona-Test. Belgische Touristen müssen bei der Rückkehr aus Bulgarien nicht in Quarantäne. In den Badeorten am Schwarzen Meer gibt es noch recht wenig Urlauber aus dem Ausland. Viele große Hotels sind fast leer.

DÄNEMARK: Wer die Bilder eng nebeneinander jubelnder Fußballfans bei den EM-Spielen in Kopenhagen gesehen hat, könnte das Gefühl bekommen, dass die Pandemie in Dänemark vorbei ist. Und in der Tat ist das Leben dort deutlich beschränkungsfreier als in Belgien: Im Grunde alles bis auf Diskotheken ist längst wieder offen, eine Maskenpflicht gilt nur noch im öffentlichen Nahverkehr. Vielerorts müssen die Menschen aber einen Corona-Pass vorlegen, mit dem negative Tests, Impfungen und überstandene Infektionen nachgewiesen werden können. Vollständig geimpfte Belgier und viele andere Menschen aus EU- und Schengen-Ländern dürfen ohne Test und Quarantäne einreisen. An diesem Wochenende dürfte es weitere Lockerungen der Reisebeschränkungen geben.

FRANKREICH: Geschäfte, Kinos, Schwimmbäder - in Frankreich sind zahlreiche Einrichtungen mit Hygienebestimmungen offen. Seit Sonntag gibt es nachts keine Ausgangssperre mehr, im Freien gilt keine allgemeine Maskenpflicht mehr. In der kommenden Woche soll es auch wieder Konzerte mit Sitzplätzen geben. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche betrug zuletzt etwa 24. Gut 48 Prozent der französischen Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft. Für Reisende aus Belgien und anderen Ländern reicht zur Einreise ein aktueller Schnelltest. Auch mit einem Impfnachweis können Menschen einreisen. Wer aus Frankreich auf dem Landweg zurück nach Belgien reist, muss keine Einreisebeschränkungen beachten. Bei Flugreisen muss ein negativer Corona-Test, ein Impf- oder Genesungsnachweis vorgezeigt werden.

GRIECHENLAND: Seit Sonntag gilt Griechenland für Belgien nicht mehr als Risikogebiet. Allerdings muss bei der Rückreise nach Belgien dennoch ein negativer Corona-Test, ein Impf- oder ein Genesenen-Nachweis vorgelegt werden. Umgekehrt haben die Griechen die Einreisebestimmungen gelockert: Wer aus Belgien kommt, muss keinen PCR-Test mehr machen, stattdessen reicht ein Schnelltest oder ein Impfnachweis. Die Fallzahlen in Griechenland sinken seit Wochen. Mittlerweile wurden die meisten Corona-Maßnahmen aufgehoben. Es wird damit gerechnet, dass zum 1. Juli auch die generelle Maskenpflicht fällt. Bisher gilt aber weiter ein nächtliches Ausgangsverbot von 1.30 Uhr bis 5 Uhr. Tavernen haben ihre Außenbereiche geöffnet. Griechenland-Besucher müssen vor der Einreise online ihre Daten angeben und erhalten einen QR-Code zur Nachverfolgung.

GROßBRITANNIEN: Im Vereinigten Königreich verbreitet sich die hochansteckende, zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante rapide und macht mittlerweile mehr als 90 Prozent der neuen Fälle aus. Geplante weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen in England sind zunächst für vier Wochen bis zum 19. Juli aufgeschoben worden. Die Impfquote ist inzwischen mit mehr als 80 Prozent Erst- und rund 60 Prozent vollständig geimpften Erwachsenen hoch. Viele Corona-Maßnahmen wurden aufgehoben, so sind Pubs, Restaurants und Geschäfte weitgehend geöffnet. Schottland, Wales und Nordirland haben ihre eigenen Corona-Maßnahmen, die sich aber nur in Details unterscheiden. Für Einreisende gibt es weiter Hürden: Meist ist eine zehntägige Quarantäne notwendig. Vor der Einreise ist ein negativer Test Pflicht, außerdem müssen am zweiten und achten Tag nach der Einreise PCR-Tests gemacht werden. Ausnahmen für Geimpfte gibt es nicht. Die Regierung hat Großbritannien wegen der Delta-Variante als Virusvariantengebiet eingestuft, so dass nach der Einreise von der Insel nach Belgien 10 Tage Quarantänepflicht gelten.

IRLAND: Nach monatelangem Lockdown dürfen Restaurants und Kneipen in Außenbereichen wieder Besucher empfangen. Für Anfang Juli sind weitere Lockerungen geplant. Von nicht notwendigen Reisen nach Irland wird abgeraten. Einreisende müssen einen negativen PCR-Test vorweisen und sich in zweiwöchige Quarantäne begeben. Es gibt jedoch mehr Freiheiten für vollständig Geimpfte: So gelten für sie etwa lockere Bestimmungen bei Verabredungen oder Quarantäne-Regeln.

ITALIEN: In Italien fallen immer mehr Beschränkungen. Gerade an Wochenenden strömen bereits viele Besucher aus dem In- und Ausland in die Tourismushochburgen. Fast das ganze Land gehört zur sogenannten Weißen Zone mit den lockersten Corona-Regeln. Ab Montag (28. Juni) dürfen die Menschen draußen wieder ohne Maske unterwegs sein, sie müssen den Mund-Nasen-Schutz aber immer griffbereit haben, falls es mal eng wird. Auch in Räumen wie Läden und Museen sowie in Bussen und Zügen muss die Maske weiterhin getragen werden. Mehr als 50 Prozent der Menschen sind mindestens einmal geimpft worden. Wer in das 60-Millionen-Einwohner-Land reist, soll ein digitales europäisches Einreiseformular ausfüllen. Außerdem verlangen die Behörden einen negativen PCR- oder Antigen-Test. Auch das EU-Impfzertifikat soll gelten. Wer auf dem Landweg aus Italien heimkehrt, muss keine Einreisebeschränkungen beachten. Flugpassagiere brauchen aber einen negativen Schnelltest.

KROATIEN: Das beliebte Urlaubsland steht für die neue Saison bereit. Menschen, die aus einem Gebiet anreisen, das auf der wöchentlich aktualisierten Grünen Liste der EU-Behörde ECDC steht, können frei und ohne Auflagen ins Land kommen. Wer nicht aus einem „grünen“ Gebiet kommt, kann einreisen, wenn er geimpft, genesen oder aktuell getestet ist. Die Hotels empfangen Gäste ohne weitere Einschränkungen. Gaststätten dürfen Gäste in ihren Innenbereichen empfangen, ausgenommen sind Cafés ohne Speisenangebot, die nur draußen bedienen dürfen.

NIEDERLANDE: Das öffentliche Leben normalisiert sich. Fast alle Corona-Einschränkungen werden am Samstag aufgehoben. Das Motto ist: Alles geht, sofern 1,5 Meter Abstand eingehalten werden können. Die Maskenpflicht gilt nur noch dort, wo kein Abstand gehalten werden kann, also vor allem in Bus und Bahn. Für Großveranstaltungen wie Festivals, Sportwettkämpfe, Diskotheken und Nachtclubs gilt: Mit negativem Test ist der Besuch möglich. Geschäfte, Museen, Theater, Zoos und Kinos sind schon länger geöffnet. Restaurants können unter Auflagen Gäste auch im Innenbereich bedienen. Während der Fußball-EM dürfen Kneipen auch wieder Spiele auf Videoschirmen zeigen. Belgier können das Land ohne negativen PCR-Test und Quarantänepflicht besuchen. Allerdings werden sie ermahnt, dass die Abstandsregel auch für Campingplätze und Ferienhäuser gilt.

NORWEGEN: Urlaub in Norwegen ist für nicht-geimpfte Belgier weiter nicht möglich. Geimpfte aus der EU kommen aber ohne Quarantäne in das Land der Fjorde und Berge. Die norwegische Regierung geht davon aus, dass zum 5. Juli mehrere Länder - darunter wohl Belgien - grün kategorisiert werden. Das würde für Reisende freie Fahrt bedeuten. Mit einem triftigen Grund ist die Einreise bereits jetzt möglich, allerdings mit anschließender Quarantäne. Die Corona-Zahlen sind in Norwegen seit langem niedrig. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen haben ihre erste Impfung bekommen, über ein Drittel ist vollständig geimpft. Die Geschäfte und Restaurants sind fast überall geöffnet. Ein Mund-Nasen-Schutz muss generell nur noch in Bussen und Bahnen getragen werden. Wo es lokale Ausbrüche gibt, kann es strengere Beschränkungen geben.

ÖSTERREICH: Am 1. Juli fällt die Maskenpflicht in der Gastronomie und bei Veranstaltungen. Es gibt auch keine Teilnehmerbegrenzungen beim Publikum mehr, volle Konzert- und Theatersäle sowie Stadien sind also erlaubt. Es herrscht aber der Grundsatz: Wer von den Öffnungen profitieren will, muss getestet, geimpft oder genesen sein. In Österreich gelten die Menschen ab dem 22. Tag nach Erstimpfung als geschützt. Die Testpflicht gilt für alle ab zwölf Jahren. Das Land mit einer mit Deutschland vergleichbaren Sieben-Tage-Inzidenz von etwa zehn ist kein Risikogebiet mehr.

PORTUGAL: Im einstigen Corona-Hotspot bereitet das Virus wieder Sorgen - vor allem in der Hauptstadt Lissabon, wo die ansteckendere Delta-Variante nach jüngsten amtlichen Angaben bereits mehr als 70 Prozent aller Neuinfektionen ausmacht. Der Großraum der Hauptstadt wurde deshalb am vergangenen Wochenende abgeriegelt. Ob die Maßnahme wiederholt werden muss, soll kurzfristig entschieden werden. Touristen, die in Lissabon landen, um in einem anderen Landesteil Urlaub zu machen, oder auch Besucher, die nach Hause zurückfliegen, sind von solchen Absperrungen allerdings nicht betroffen. Touristen aus Belgien und aus anderen EU-Ländern mit relativ guter Corona-Lage dürfen einreisen. Alle Besucher über zwei Jahre müssen weiter einen negativen PCR- oder Antigentest vorlegen. Nach Angaben der EU-Behörde ECDC stieg die landesweite 14-Tage-Inzidenz, die vor einem knappen Monat noch bei 55 lag, vor allem wegen der Entwicklung in diesen Regionen inzwischen auf 87. In dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern haben bisher rund 46 Prozent mindestens eine Impfung erhalten, mehr als 2,6 Millionen sind vollständig geimpft. Vorteile für Geimpfte oder Genesene gibt es allerdings noch nicht.

SCHWEIZ: In der Schweiz sind Hotels und Lokale, Wellness- und Thermalbäder sowie Freizeiteinrichtungen wie Museen, Theater und Kinos geöffnet. Ab Samstag entfallen weitere Beschränkungen wie die bisherige Obergrenze für die Zahl von Personen an einem Tisch im Lokal. Ein negativer Corona-Test ist zum Betreten nicht nötig. Überall gelten aber Hygienekonzepte mit Abstand oder begrenzter Gästezahl pro Tisch. Wer mit Bus, Bahn oder Schiff - über den Rhein oder Bodensee - ankommt, muss lediglich ein elektronisches Einreiseformular ausfüllen, Flugreisende, die weder geimpft noch genesen sind, brauchen einen negativen Corona-Test. Das gilt für Flugreisende auch bei der Rückkehr nach Belgien.

UNGARN: Seit dem 23. Juni können Menschen auf dem Landweg aus allen Nachbarländern außer der Ukraine einreisen. Mit dem Flugzeug können Touristen noch nicht kommen. Auch sind Übernachtungen in gewerblichen Unterkünften für Urlaubsreisende noch nicht möglich, außer sie sind in einem von jenen 17 Ländern geimpft worden, deren Impfnachweise Ungarn anerkennt. Darunter ist allerdings kein westliches Land, auch Belgien nicht. Die Außenbereiche der Gaststätten stehen allen offen. Geimpfte und Genesene (nicht aber Getestete) können sich auch im Innenbereich von Gaststätten aufhalten sowie Museen, Theater, Kinos, Bäder oder Sportveranstaltungen besuchen. Außerdem besteht weitgehend eine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen.

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