Deutschland gegen Ungarn: Die letzten Erinnerungen an das Wunder von Bern

<p>1954-Weltmeister Horst Eckel betrachtet sein jüngeres Ich bei der Sonderausstellung „Post vom Chef – Herbergers Briefe an die Weltmeister“ anlässlich des 65. Jubiläums des Wunders von Bern im Jahr 2019.</p>
1954-Weltmeister Horst Eckel betrachtet sein jüngeres Ich bei der Sonderausstellung „Post vom Chef – Herbergers Briefe an die Weltmeister“ anlässlich des 65. Jubiläums des Wunders von Bern im Jahr 2019. | Fotos: dpa

Horst Eckel „freut sich total“ auf das Duell mit der großen Historie – und seine Tochter legt den Hörer bereit. „Nach dem Abpfiff werden werden wir telefonieren und das Spiel analysieren“, berichtet Dagmar Eckel dem SID über die Gepflogenheiten in der Pfalz, die rund um die EM-Partie am Mittwoch zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Ungarn (21 Uhr) besonders gepflegt werden: „Das Spiel wird sehr viele Erinnerungen bei meinem Vater hervorrufen. Die Gedanken werden vor allem bei seinen damaligen Mannschaftskameraden sein.“

Damals – das war 1954. Und die Geschichte vom „Wunder von Bern“ kann nicht erzählt werden, ohne Ungarn viel Platz einzuräumen. 3:8 ging die deutsche Mannschaft in der Vorrunde gegen die als unschlagbar geltenden Magyaren um ihren genialen Spielmacher Ferenc Puskas unter. Doch Bundestrainer Sepp Herberger hatte in Basel in weiser Voraussicht nur seine B-Elf aufgeboten.

Im Finale sah die Sache dann anders aus. Die Deutschen um ihren Kapitän Fritz Walter, „Windhund“ Eckel und drei weitere Spieler des 1. FC Kaiserslautern verwandelten einen 0:2-Rückstand bei strömendem Regen noch in ein 3:2. Der DFB feierte seinen ersten von vier WM-Triumphen, den viele Historiker als eigentliche Geburtsstunde der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg bezeichnen.

<p>Horst Eckel in seinem Wohnzimmer vor seinen Pokalen und Erinnerungsstücken</p>
Horst Eckel in seinem Wohnzimmer vor seinen Pokalen und Erinnerungsstücken

In Ungarn ist der Makel der nicht für möglich gehaltenen Niederlage nie in Vergessenheit geraten. „Die Vergangenheit ist im ganzen Land immer präsent. Das empfand ich damals auch als Last, dass man die neue Generation immer noch mit der Puskas-Ära vergleicht“, sagte der frühere ungarische Nationaltrainer Bernd Storck, auch ehemaliger Coach bei Mouscron und Cercle Brügge: „Das war damals die Generation, die den Weltfußball dominiert hat. Mit der heutigen Zeit ist dies nicht mehr zu vergleichen.“

Damals stand Eckel auf dem Platz. Am Mittwoch wird der einzig noch lebende Held von Bern in seinem Fernsehsessel im heimischen Vogelbach sitzen und das erste Turnierspiel zwischen den Deutschen und den Ungarn seit jenem legendären Finale verfolgen. „Er guckt das Spiel mit der Mama. Er verfolgt die EM und begleitet auch die deutsche Mannschaft“, sagt Dagmar Eckel: „Aber es strengt ihn auch an. Er ist eben doch nicht mehr der Jüngste.“

89 Jahre ist Eckel mittlerweile alt. Im Februar des kommenden Jahres plant seine Tochter eine große Geburtstagsfeier mit allem, was Rang und Namen hat im Fußball. An dem Jubilar soll es laut Dagmar Eckel nicht scheitern: „Obwohl es ihm schon zu schaffen macht, dass die Zeichen des Alters nicht mehr zu leugnen sind, hat er zuletzt gesagt, dass er mindestens noch zehn Jahre durchhält.“

Nach seinem Sturz, dem Krankenhausaufenthalt und der Reha vor einem halben Jahr ist Eckel laut seiner Tochter körperlich wieder gut in Form – für sein Alter. Nur die Verunsicherung und die Furcht vor einem neuerlichen Unfall steckt noch im 32-maligen Nationalspieler, der dennoch bereits an Ausflüge zu den Partien seines FCK auf den Betzenberg denkt. Dagmar Eckel wundern die Pläne ihres Vaters schon lange nicht mehr: “Fußball ist einfach sein Leben.“ (sid/tf)

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