Warum wurde Jürgen Conings erst jetzt gefunden? – „Suche nach einem Reiskorn auf 20 Fußballfeldern mit hohem Gras“

<p>Warum wurde Jürgen Conings erst jetzt gefunden? – „Suche nach einem Reiskorn auf 20 Fußballfeldern mit hohem Gras“</p>

Vor einem Monat wurde eine Großfahndung nach dem flüchtigen Soldaten Jürgen Conings eingeleitet. Kurz darauf konzentrierten sich die Ermittler auf das Gebiet rund um den Dilserbos in Dilsem-Stokkem, wo sein Auto gefunden wurde. Große Waldgebiete wurden von Soldaten und Polizisten Meter für Meter abgesucht – ohne Erfolg. Erst drei Wochen später wird ein Rucksack mit Munition entdeckt, nicht weit von der Stelle entfernt, wo sein Auto stand. Und dann plötzlich, über einen Monat nach Conings Verschwinden, wird auch seine Leiche im Dilserbos gefunden.

Ist das nicht seltsam? „Nein“, sagt der föderale Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw in „Het Journaal“: „Die Leiche wurde 150 Meter entfernt von einem Bereich gefunden, den wir abgesucht haben. Aber es war, als ob wir auf zwanzig Fußballfeldern mit hohem Gras nach einem Reiskorn suchen müssten. Es ist ein sehr schwierig zu durchsuchendes Gebiet.“

Auch gegenüber der RTBF sagte er: „150 Meter in einem Wald wie diesem, das ist eine Menge, das kann ich Ihnen garantieren. Es ist ein sehr komplexes, verwildertes Gelände, mit Farnen, die beinahe zwei Meter hoch sind. Wenn man dort etwas fallen lässt, ist man sich nicht einmal sicher, ob man es wiederfindet.“ Demnach sei es ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen, das gesamte Gelände zu durchkämmen.

Dem Zustand der Leiche nach zu urteilen, könnte Conings Körper bereits seit einiger Zeit am Fundort gelegen haben. Allerdings ist es auch möglich, dass die Zersetzung bedingt durch die außergewöhnlich hohen Temperaturen beschleunigt wurde. Die Obduktion der Leiche soll nun Aufschluss über den Todeszeitpunkt geben.

Dass die Leiche erst jetzt gefunden wurde, sei nicht ungewöhnlich und kein Zeichen für schlampige Arbeit, so Alain Remue von der Einsatzzelle für vermisste Personen: „Die Suche nach einer vermissten Person wird sehr systematisch und logisch durchgeführt und basiert immer auf taktischen Recherchen.“ Zudem sei überhaupt nicht klar gewesen, ob man nach einer Leiche oder einem Flüchtigen sucht.

Remue betont außerdem, dass die Ermittlungen in diesem Fall wohl noch eine ganze Weile andauern werden, auch im Hinblick auf die Frage, ob Conings Verbündete hatte. „Wir haben die Verpflichtung, allen Hinweisen nachzugehen.“

Zu klären gilt zudem die Frage, ob Jürgen Conings, der unter Terrorverdacht stand und psychische Probleme hatte, nicht besser hätte überwacht werden müssen und welchen Plan er tatsächlich verfolgte. (vrt/sue)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment