Während einer interministeriellen Konferenz haben die Bildungsminister des Landes am Dienstag gemeinsam mit Experten einen Vorschlag erarbeitet, der am Mittwoch seitens des Konzertierungsausschussses gutgeheißen worden sei. Es habe Einigkeit bestanden, dass es an der Zeit sei, dass die Sekundarschüler aus pädagogischen und psychologischen Gründen den Präsenzunterricht wieder aufnehmen müssen. Gleichwohl müsse der Unterricht aber aufgrund der immer noch recht hohen Infektionszahlen unter strengster Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen erfolgen. Die geltenden Präventionsmaßnahmen, insbesondere die Abstands-, Masken-, Hygiene- und Lüftungsregeln sowie das Prinzip der Kontaktreduzierung müssten nicht nur in den Schulen, sondern auch außerhalb der Schulen und von der gesamten Bevölkerung befolgt werden, zitiert das Kommuniqué die Gesundheitsexperten. Die Schulleiter, Schulträger und Gewerkschaften hätten die Rückkehr der Sekundarschüler in den Präsenzunterricht unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen ebenfalls befürwortet. Ab dem 10. Mai sollen nun alle Sekundarschüler wieder vollzeitig in den Klassenräumen unterrichtet werde.
„Ich bedauere, dass die für den 3. Mai angestrebte Rückkehr der beiden Stufen sich nun um eine Woche nach hinten verschiebt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist diese Entscheidung, die wir auf Grundlage der Expertenempfehlung getroffen haben, aber notwendig und vernünftig“, so Lydia Klinkenberg. Es sei aus psychologischen und pädagogischen Gründen sehr wichtig, dass die Schüler der 2. und 3. Sekundarstufen in diesem Schuljahr noch einmal durchgehend mehrere Wochen Präsenzunterricht erhalten können. „Je länger der Hybridunterricht fortgesetzt wird, desto mehr wächst das Risiko der Bildungsungerechtigkeit und der aktiven oder passiven Schulverweigerung“, fuhr die Ministerin fort – die Schule sei zudem weitaus mehr als nur ein Lernort. Viele Schüler würden im Fernunterricht leiden und benötigten dringend die Rückkehr in den Präsenzunterricht und die damit verbundenen sozialen Kontakte. „Die Kontakte finden im schulischen Kontext zudem in einem kontrollierten Rahmen statt, was nicht unbedingt der Fall ist, wenn sich die Jugendlichen aufgrund des anhaltenden Fernunterrichts vermehrt privat treffen. Aus all diesen Gründen sind wir froh, dass der Konzertierungsausschuss unserem Vorschlag gefolgt ist“, so die Ministerin,
Die Bildungsakteure fordern derweil alle Bürger auf, der Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterricht Priorität einzuräumen, indem sie die geltenden Regeln befolgen. Die Gesundheitsexperten hätten deutlich zu verstehen gegeben, dass Anstrengungen außerhalb der Schulmauern mehr Unterricht innerhalb derselben ermöglichten. Daher richtet die Bildungsministerin einen ausdrücklichen Appell an alle, sich mit den Sekundarschülern, die seit Monaten drastische Einschränkungen in Kauf nehmen mussten, zu solidarisieren:
- Die gesamte Gesellschaft sind aufgerufen, alle Sicherheits- und Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten und so einen solidarischen Beitrag dazu zu leisten, dass die Schüler langfristig in den Präsenzunterricht zurückkehren können.
- Um die Schülerbeförderung zu entlasten, werden die Eltern gebeten, ihre Kinder möglichst selbst zur Schule zu bringen oder – wenn möglich – mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Schule zu schicken.
- Die Schüler sind angehalten, Kontakte außerhalb der Schule zu begrenzen und sich auf maximal ein Hobby, das mit anderen ausgeübt wird, zu beschränken.
Zudem bleiben alle geltenden Präventionsmaßnahmen in den Schulen bestehen. Das bedeute unter anderem, dass nur essenzielle Drittpersonen Zugang zu den Schulen haben, außerschulische Aktivitäten ausgesetzt bleiben und Kontakte zwischen Erwachsenen digital organisiert werden.
Zeitgleich mit der Rückkehr der Sekundarschüler in den vollzeitigen Präsenzunterricht sollen die präventiven Testungen des Unterrichtspersonals mit Antigen-Selbsttests starten. Die Teilnahme an den Screenings sei freiwillig und kostenlos, heißt es weiter. Nähere Informationen hierzu würden die Personalmitglieder in Kürze über ein Schreiben der Bildungsministerin erhalten. Die Screenings würden auch dem Personal in der Kinderbetreuung angeboten.
Prüfungsregelungen tragen besonderer Situation Rechnung.
Bereits zuvor hatte Lydia Klinkenberg mitgeteilt, dass in der 1. Sekundarstufe die Prüfungen weitestgehend regulär stattfinden würden. In der 2. und 3. Sekundarstufe werde die Anzahl Prüfungen aufgrund des Hybridunterrichts reduziert. So habe die Ministerin als Schulträgerin des GUW gemeinsam mit den Schulleitungen der Athenäen und des Robert-Schuman-Instituts folgende Beschlüsse gefasst:
- Für die erste Sekundarstufe, also das 1. und 2. Sekundarschuljahr, werden die Prüfungen für diese Stufe weitestgehend regulär organisiert –- auch weil, die betroffenen Schüler bis auf wenige Ausnahmen das ganze Schuljahr vollzeitigen Präsenzunterricht erhalten haben. „Dabei werden die Pädagogen aber berücksichtigen, dass diese Stufe bislang wenig bis keine Prüfungserfahrung sammeln konnte. Sie werden sich deshalb bei der Prüfung der Kompetenzen auf das Wesentliche konzentrieren“, wird die Ministerin in der Mitteilung zitiert.
- Die Schülerinnen und Schüler der 2. und 3. Sekundarstufe, also vom 3. bis zum 7. Sekundarschuljahr, werden dagegen nur in den Hauptfächern der Grundausbildung (Deutsch, Französisch, Englisch, Mathematik) und in den Hauptfächern der Studienrichtung geprüft. Das bedeutet, dass in den 1- oder 2-Stunden-Fächern der Grundausbildung (Geschichte, Geografie und Religion) keine Prüfungen organisiert werden. Es steht den Schulen frei, in den 1- und 2-Stundenfächern der Studienrichtung Prüfungen zu organisieren oder nicht.
- Durch die Reduzierung der Anzahl Prüfungen wird die Prüfungsperiode im allgemeinbildenden Unterricht von höchstens zwölf auf maximal acht Tage verkürzt. Die Prüfungen beginnen somit am 9. Juni 2021.
- Im technisch-beruflichen Unterricht gelten die gleichen Regeln. Dort bleibt aufgrund der durch die Studienrichtungen bedingte größere Anzahl Prüfungen die maximale Prüfungsdauer von zwölf Tagen bestehen.
Es sei wichtig, die Schüler in diesem „herausfordernden Schuljahr“ nicht zusätzlich zu belasten. Die 2. und 3. Sekundarstufe haben schließlich die meiste Zeit Hybridunterricht erhalten. Deshalb werde man sich bei den Prüfungen auf das Wesentliche konzentrieren und deren Anzahl reduzieren. Zudem werde dadurch auch Unterrichtszeit gewonnen, so die Ministerin. Im Juni würden nur die Kompetenzen geprüft, die auch im Fern- und Präsenzunterricht vermittelt worden seien. Auch sei im Leitfaden des Gemeinschaftsunterrichtswesens zur Leistungsermittlung und -bewertung die Gewichtung angepasst worden. Die Prüfungen würden im Verhältnis zur Gesamtjahresbewertung in allen Schulstufen schwächer gewichtet, sodass ausgeschlossen sei, dass eine schlechte Juni-Prüfung allein zur Nicht-Versetzung führe. Eine größere Rolle als die Juni-Prüfungen spiele bei der Versetzungsentscheidung die Jahresarbeit, d. h. die Leistung, die im Laufe des Jahres erbracht und benotet worden sei. „Die Versetzungsentscheidung treffe wie immer der Klassenrat. Dabei wird, wie schon im vergangenen Schuljahr, die besondere Situation in diesem Schuljahr berücksichtigt und im Zweifelsfall zugunsten des Schülers entschieden“, so Lydia Klinkenberg.
Nach Angaben der Ministerin werden die Eltern und Schüler im Laufe der Woche von den Schulen über die genaue Prüfungsorganisation informiert. (red/calü/svm)

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