Volle Gyms und Cafés: „Wunder“ im früheren Corona-Hotspot Portugal

<p>Seit Montag dürfen in Portugal Gastronomiebetriebe wie Kneipen, Cafés und Restaurants erstmals nach gut zweieinhalb Monaten wieder Gäste empfangen.</p>
Seit Montag dürfen in Portugal Gastronomiebetriebe wie Kneipen, Cafés und Restaurants erstmals nach gut zweieinhalb Monaten wieder Gäste empfangen. | Foto: afp

Jubel und Aufbruchstimmung in Portugal: Im Zuge der seit Wochen sinkenden Infektionszahlen hat der frühere Coronavirus-Hotspot die Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie weiter gelockert. Seit Montag dürfen Gastronomiebetriebe wie Kneipen, Cafés und Restaurants erstmals nach gut zweieinhalb Monaten wieder Gäste empfangen. Auch Museen und Galerien, Läden mit einer Verkaufsfläche von höchstens 200 Quadratmetern, Straßenmärkte und Fitnesszentren sowie andere Sporteinrichtungen wie Tennis- und Golfplätze dürfen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Für Schüler mehrerer Jahrgänge gibt es wieder Präsenzunterricht.

Die Menschen freuten sich sehr und stürmten bei besten Frühlings-Temperaturen um die 20 Grad schon vormittags auf die Straßen. Vor allem Gyms und Terrassen waren überall in der Hauptstadt Lissabon schnell voll. Es gab hinter den Masken viele glückliche Gesichter. „Zu Hause hocken zu müssen, macht sehr traurig. Wenn man trainieren darf, ist man auch gesünder“, sagte ein junger Mann in einem Fitnesszentrum zum Fernsehsender TVI24. Eine neben ihm stehende junge Frau räumte ein: „Ich bin heute Morgen sofort rausgerannt.“

Während in anderen europäischen Ländern wie Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien der Lockdown dieser Tage zum Teil sogar verschärft wird, konnte die portugiesische Regierung am Freitag wegen der guten Entwicklung der zweiten Lockerungsetappe grünes Licht geben. Sie soll zunächst für zwei Wochen gelten. Man könne diesen neuen vorsichtigen Schritt aufgrund der Fortschritte im Kampf gegen das Virus wagen, erklärte Ministerpräsident António Costa.

Neben weiteren Lockerungen dürfen die rund 10,3 Millionen Bürger des Landes den jeweiligen Wohnbezirk wieder verlassen, ohne einen „triftigen Grund“ dafür angeben zu müssen. Bereits vor drei Wochen waren erste Lockerung gestattet worden, unter anderem für Friseure und Buchläden. Normalität herrscht allerdings auch in Portugal trotz der guten Zahlen noch lange nicht. Die Gastronomiebetriebe dürfen nur in den Außenbereichen und nur bis 22.30 Uhr an Werktagen sowie bis 13 Uhr an Wochenenden und Feiertagen ihre Gäste bewirten. An jedem Tisch dürfen nur jeweils höchstens vier Personen Platz nehmen. Die Landgrenze zu Spanien bleibt geschlossen.

Portugal hatte im Januar bezogen auf die Bevölkerungszahl zeitweilig die höchsten Infektionszahlen weltweit. Kliniken platzten aus allen Nähten, Covid-Patienten mussten auch in engen Fluren behandelt werden. Medien berichteten von Patienten, die eine ganze Nacht im Krankenwagen verbringen mussten. Der Präsident des portugiesischen Ärzteverbandes ANMSP, Ricardo Mexia, bezeichnete damals die Lage als „absolut dramatisch“. Die deutsche Bundeswehr reagierte Anfang Februar auf den Notruf und schickte zur Unterstützung der überforderten Ärzte ein 27-köpfiges Sanitäter-Team nach Lissabon.

Doch der seit dem 13. Januar beschlossene strenge Lockdown mit Ausgehbeschränkungen und Zwangsschließungen trug offenbar Früchte: Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich binnen 14 Tagen nur noch 60,25 Menschen je 100 000 Einwohner mit dem Virus an. Damit gehört man zu den besten unter den 30 erfassten Ländern. Im Januar hatte dieser Wert in Portugal noch bei deutlich über 1600 gelegen. Die Zahl der Covid-Kranken den Intensivstationen ging von ca. 1.000 auf 117 zurück. Dass auch deutsche Medien von einem „Wunder“ sprechen, ist angesichts der Entwicklung nicht verwunderlich. (dpa/mv)

Kommentare

  • Sehr geehrter Herr Leonard,

    Es ist immer wieder verblüffend zu lesen, wie die Corona-Fraktion die Wirksamkeit von Lockdowns als Selbstverständlichkeit in den Raum stellt.

    So wird dann eine Studie der Standford-Universität, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, prompt von anderen Experten verrissen. Was aber interessant ist, ist dass Letztere eingestehen, dass „eine solche Studie eine große Herausforderung darstellt, und möglicherweise nicht valide durchführbar ist“. Im Klartext: Sogar die Experten der Corona-Fraktion räumen ein, dass die Wirksamkeit (oder das Gegenteil) von Lockdowns wissenschaftlich wohl nicht zu beweisen ist.

    Und dennoch singen Sie, Herr Leonard, sowie unsere Politiker voller Inbrunst das hohe Lied auf die Wirksamkeit von Lockdowns.

    (https://www.online-zfa.de/fileadmin/pdfs-free/ZFA_03_2021_Besonderer_Art...)

    PS: Weder in Texas, noch in Mississippi ist trotz Aufhebung aller Einschränkungen seit dem 3.3.2021 weit und breit der gefürchtete exponentielle Anstieg der Fall-, Kranken- und Todeszahlen auch nur ansatzweise zu erkennen.

    https://txdshs.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/ed483ecd702...

    https://public.tableau.com/profile/alex6386#!/vizhome/COVID-19map/Dashbo...

  • Portugal und Schweden haben ca. die selbe Einwohnerzahl und Demografie, hingegen Schweden hat trotzdem über 3.300 weniger Covid-Tote als Portugal, und dies ohne Lockdown.
    Dass eine Impfung zusätzlich hilft, steht für mich ausser Frage.
    Dass ein Lockdown stets mehr bringt als das schwedische Modell, kann mit nichts bewiesen werden.

  • Es ist mit Sicherheit falsch, von einem Wunder zu sprechen.
    Die Pandemieentwicklung hin zu einer entspannten Situation in Portugal ist das Resultat gezielter Maßnahmen zur Eindämmung der Virusverbreitung und der Impfkampagne (siehe auch Israel und GB).

    Glaubte man den Querdenkern, die behaupten, die Maßnahmen und auch die Impfung würden nichts nützen und nur auf die Einschränkung der Freiheitsrechte der Bürger oder deren Kontrollezielen, würden die Menschen in Portugal wohl immer noch auf ein Wunder hoffen und auf ihre 4 Wände starren.

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